99497649 Bruno Und Louise Huber Die Astrologischen Hauser

September 3, 2017 | Author: Noir333 | Category: Astrology, Zodiac, Horoscope, Human, Esoteric Cosmology
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Astrologische Psychologie 2

Bruno und Louise Huber

Die astrologischen Häuser Von der Natur abgeleitete Darstellung der zwölf Lebensbereiche in ihrer psychologischen Bedeutung für den Einzelmenschen.

Verlag Astrologisch-Psychologisches Institut Adliswil / Zürich

Dieses Huch ist Teil eines fortlaufenden Lehrganges über Astrologische Psychologie

6. Auflage 1993 ©1975 Verlag Astrologisch-Psychologisches Institut, Adliswil / Zürich Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, Vorbehalten. Auszugsweise Wiedergabe unter Angabe der Autoren erlaubt. Graphische Gestaltung: Louise und Michael-A. Huber Umschlaggestaltung: Bruno Huber Herstellung und Druck: Caro Druck GmbH, Frankfurt a. M. Printed in Germany

ISBN 3 85523 006.4 Scan & OCR von Shiva2012

Inhalt Einleitung Die psychologische Bedeutung des Horoskopes

1. Innerster Kreis, das Zentrum 2. Aspektstruktur 3. Die Planeten 4. Die Tierkreiszeichen (der Zodiak) 5. Die Häuser 6. Der ganze Mensch Die astrologische Konzeption des Menschen, ein Weg zur Selbsterkenntnis Das Häusersystem

Zeichnung Technische Angaben zu den Häusern Die genaue Geburtszeit und der Geburtsmoment Grundsätzliche Betrachtung des Häusersystem Die psychologische Bedeutung der zwölf Häuser im täglichen Leben Die innere Struktur und Dynamik des Häusersystems 1. Das Häusersystem als Raumgefüge 2. Entwicklungsprozesse im Horoskop 3. Die Altersprogression (Alterspunkt oder Lebensuhr) 4. Die Zeichen und Planeten in den Häusern Regeln für die Beurteilung der Häuser Nota bene

11 17 19 20 21 22 23 25 26 33 34 35 40 42 46 48 48 49 53 55 56 60

Detaillierte Darstellung der Häuser als Raumgefüge 1. Orientierung 2. Das Fadenkreuz - die Waagerechte und die Senkrechte 3. Die linke Hälfte - die IC'H-Seite 4. Die rechte Hälfte - die DU-Seite 5. Die untere Hälfte - der unbewusste Bereich 6. Die obere Hälfte - der bewusste Bereich Die Quadranten Der 1. Quadrant Der 2. Quadrant Der 3. Quadrant Der 4. Quadrant Häuser, Zonen- und Achsengesetze Das Zonengesetz in der Häuserbetrachtung Das Fadenkreuz als räumliche Erfahrung Die Expansionszonen nach dem kardinalen und veränderlichen Kreuz Die vier Expansionsräume Der ICH-Raum 12. und 1. Haus Der DU-Raum 6. und 7. Haus Der Kollektiv-Raum 3. und 4. Haus Der Individual-Raum 9. und 10. Haus Die Kontraktions-Zonen im Horoskop nach dem fixen Kreuz Die fixen Häuser auf der ICH-Seite 2. und 11. Haus Die fixen Häuser auf der DU-Seite 5. und 8. Haus Die Achsen-Kreuze im Häuser-System

63 64 65 74 76 77 79 83 85 88 92 95 101 103 107 109 111 112 116 119 123 127 131 136 142

Die Polarität der Achsen

Die polaren Gegensätze im fixen Kreuz Die fixe Achse 2/8 Die fixe Achse 5/11 Die Lösung oder der Ausweg über den »dritten Pol« am Beispiel des fixen Achsenkreuzes Die polaren Gegensätze im kardinalen Kreuz Die kardinalen Achsen 1/7 und 4/10 Die Lösung der Achsenpolarität 4/10 Die Lösung der Achsenpolarität 1/7 Die polaren Gegensätze im veränderlichen Kreuz Die veränderliche Achse 12/6 Die Lösung der Achsenpolarität 6/12 Die veränderliche Achse 3/9 Die Lösung der Achsenpolarität 3/9 Zusammenfassung Die Intensitätskurve

Der goldene Schnitt Unterschied der Intensität von Häusern und Zeichen Die Häuserspitzen Der »Invertpunkt« Der »Talpunkt« Berechnung der »Talpunkte« Die drei Bereiche in jedem Haus nach den Kreuzqualitäten Die dreiphasigen Entwicklungsprozesse im Horoskop Psychologische Horoskopdeutung

143 145 145 148 152 155 155 157 158 160 160 165 166 170 172 175 176 179 181 184 189 195 197 200 207

Lieber Leser! Mit unserem ersten Buch über Zeichnung des Horoskopes haben fache und doch präzise Anleitung eigenes Horoskop oder das Ihrer und zeichnen können.

die Berechnung und wir Ihnen eine ein­ gegeben, wie Sie Ihr Bekannten ausrechnen

Mit vorliegendem Buch möchten wir Sie nun mit einem ersten Deutungselement der Astrologischen Psychologie vertraut machen. Das astrologische Häusersystem ist ein in zwölf Felder eingeteiltes Bezugssystem zur realen Umwelt eines jeden Menschen. Es zeigt die Beziehung von »Mensch und Welt« auf. Wenn Sie Ihr Horoskop selbst erstellt haben oder von einem Computer rechnen und zeichnen Hessen, dann können Sie mit Hilfe dieses Buches die Stellung der Planeten in den Häusern relativ leicht bestimmen und ihre psychologische Auswirkung im praktischen Leben erkennen. Eine kurze Definition der Planeten-Bedeutung finden Sie auf Seite 218. Manchen Teilen dieses Buches liegen Tonband-Notizen von Teilnehmern unserer Lehrkurse und Seminarien zugrunde, weshalb der Schreibstil einige Male etwas ändert. Das Buch erhebt nicht den Anspruch, ein literari­ sches Werk zu sein. Es ist ein didaktisches Lehrbuch der astrologischen Häuser und will eine im Leben ver­ wertbare psychologische Deutung des Horoskopes er­ möglichen. Aus diesem Grunde haben wir unsere Spra­ che so einfach wie möglich gehalten; sie soll von jeder­ mann verstanden werden.

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Selbst wer sich nicht ernsthaft mit Astrologischen Psychologie befassen aus der psychologischen Betrachtung Häuser ein tieferes Verständnis für wie auch für sich selbst gewinnen.

dem will, der seine

Studium der kann bereits astrologischen Mitmenschen

Erfahrungsgemäss werden die Lehrbücher über »Astro­ logische Psychologie« sehr viel benutzt, deshalb haben wir auch diese neue Auflage wieder in Leinen gebun­ den. Der Umschlag wurde mit dieser Auflage ebenfalls neu gemacht. Er ist aus einer Computerzeichnung von Bruno Huber entstanden. Wir hoffen, dass er Ihren Beifall findet, und dass Sie für lange Zeit an diesem Buch Freude haben werden. Bruno und Louise Huber

Planeten-Symbole Sonne

Mars

Mond

Jupiter

Saturn

Uranus

Merkur

Neptun Pluto

Venus aufsteigender Mondknoten

Zeichen-Symbole Widder

Waage

Stier

Skorpion

Zwillinge

Schütze

Krebs

Steinbock

Löwe

Wassermann

Jungfrau

Fische

Abkürzungen: AC IC DC MC

= = = =

Aszendent Immum Coeli Deszendent Medium Coeli

AP Sp TP IP

= = = =

Alterspunkt Häuserspitze Talpunkt Invertpunkt

Einleitung

Die Astrologie lässt sich bekanntlich über Jahrtausende zurückverfolgen. Schon in den Frühkulturen finden wir bruchstückhafte Spuren. Ein eigenes System, eine Kon­ zeption der Astrologie, haben wir in geschlossener Über­ lieferung aber erst seit etwas mehr als zweitausend Jahren. Trotz der Tatsache, dass sie früher nicht schrift­ lich niedergelegt wurde, verfügt sie über etliche Jahr­ tausende an Erfahrung. Unendlich viele Generationen von Astrologen, darunter eine Anzahl grösser Geister, haben sich mit dieser Wissenschaft auseinandergesetzt und sich bemüht, durch Beobachtung der Menschen und ihres Lebens Regeln abzuleiten, die dann weiter überliefert werden konnten. Insofern ist sie älter als jede andere Wissenschaft. Man ar­ gumentiert sehr oft sogar, dass die Astrologie die Mutter aller Wissenschaften sei, die andere, beispielsweise Ma­ thematik, Astronomie und ähnliche Wissenszweige her­ vorgebracht habe, weil sich diese ihrer handwerklichen Funktionen und Kenntnisse der Naturgesetze bedienten. Es ist ein bemerkenswertes Phänomen, dass sich die Astrologie trotz vieler Angriffe über Jahrtausende hin­

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weg bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie grosse Wandlungen und Entwick­ lungen durchgcmacht. Von einer einfachen, mit magi­ schen Vorstellungen verbundenen Kulthandlung ent­ wickelte sie sich zu einer komplexen Wissenschaft. Be­ sonders im Laufe der letzten Jahrzehnte konnte sie durch psychologische Erkenntnisse bereichert und dem Den­ ken des modernen, intelligenten Menschen angepasst werden. Wir haben uns heute noch mit dieser langen Vergangen­ heit, mit diesem geistigen Erbe, auseinanderzusetzen. Die Astrologie des 20. Jahrhunderts leidet unter einer ganz besonderen Krankheit, - psychologisch gesagt - unter einer speziellen Form der Schizophrenie. Auf der einen Seite versucht sie fast krampfhaft, wissenschaftlich zu sein; auf der anderen Seite jedoch ist sie in ihrer überlie­ ferten Form von mythischen und mystischen Vorstel­ lungen durchsetzt, die Akausales zu erklären versuchen. Sie leidet heute - ebenso wie die Psychologie - unter dem Beweiszwang der Naturwissenschaften und lässt sich dadurch zu Methoden verleiten, die durch ihre me­ chanistische Handhabung für die Erfassung des mensch­ lichen Wesens nicht tauglich sind Dass sich eine Geisteswissenschaft nach den Regeln der Naturwissenschaften beweisen soll, ist an sich schon ein Widerspruch und kann gar nicht gelingen. Die Astrologie sollte sich viel­ mehr selbst belegen - durch das, was sie zu leisten ver­ mag. Ausserdem haben wir immer noch die seltsame Er-

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scheinung, dass es fast unzulässig ist, z. B. von Jupiter zu sprechen, ohne auf den so mächtigen mythologischen Kollegen Zeus einzugehen, um dann aus seiner literari­ schen Existenz alle möglichen jupiterhaften Qualitäten spekulativ ableiten zu können. Dabei ist - so meinen wir - unser moderner logischer oder dialektischer Verstand gar nicht in der Lage, die archetypischen Symbolgehalte genügend umfassend in unsere analytischen Begriffe zu übertragen. Das Instrument unseres modernen Intellekts, das sich auf Objektivierbares stützt und verlässt, muss in jedem Falle in seinen Resultaten Substanzverluste gegen­ über den Symbolen hinnehmen. Solche Resultate schie­ nen uns von vornherein nicht gut genug. Wir mussten also neu beginnen. Wir verlagerten das Schwergewicht auf die Erkenntnis innerpsychischer Kräfte und ihrer vitalen Prozesse im Horoskop und nahmen kategorisch Abstand vom Deter­ minationsgedanken der vergangenen Jahrhunderte. Nach jahrelangen praktischen Forschungsarbeiten entwickelte sich daraus die Astrologische Psychologie. Unsere For­ schungen orientierten sich ausschliesslich an Fragestel­ lungen, die sich aus der Praxis des Therapeuten und Lebensberaters ergaben und nicht an theoretischen Fra­ gen typisch astrologischer Erwägungen. Jeder neue Erkenntnisschritt, der sich aus der Vergleichsarbeit zwischen dem psychologisch ermittelten Bild vom Menschen und dem davon unabhängig astrologisch gedeuteten individuellen Horoskop ergab, musste schliesslich den harten Test der täglichen Anwendung in der therapeutischen Praxis bestehen.

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Das hat zu manchen Korrekturen am historisch überlie­ ferten Deutungsmaterial geführt. Feststehende Begriffe mussten teilweise oder ganz verlassen werden; manche »Regel« hat sich als unhaltbar erwiesen; neue mussten erst erkannt werden. Ein Konzept, das über Jahrhunderte kein eigentliches war, nahm langsam Gestalt an und ist schliesslich in ein geschlossenes Gebäude hineingewachsen. Die heutige Auffassung ist viel weniger mit der unüber­ sehbaren Vielfalt von Regeln der Astrologie dieses Jahr­ hunderts vergleichbar als vielmehr mit der einfachen, leicht überschaubaren Gesamtschau, wie sie in frühgrie­ chischen oder gar vorgriechischen (babylonisch-chaldäischen) Quellen durchschimmert. Die Forschung hat uns immer wieder zum »Weglassen« gezwungen, zu einer Bescheidung, die zum Wesent­ lichen geführt hat. Die Elemente sind zur »Ur«-Einfachheit zurückgekehrt; es sind nur noch 1 0 + 1 2 + 1 2 + 7 Teile (10 Planeten, 12 Zeichen, 12 Häuser und 7 Aspek­ te), mit denen wir denken müssen. Aber wir können sie entsprechend unserer heutigen, intellektuellen Ausrü­ stung fein graduiert und differenziert einsetzen und handhaben. Und das führt zu sorgfältig gezeichneten, »Punkt-für-Punkt« nachprüfbaren Charakter- und Ver­ haltensbildern des individuellen Menschen. Wir wollen nicht etwa behaupten, dass die Erforschung des Instrumentes »Astrologie« damit erschöpft sei - ganz im Gegenteil. Aber wir glauben, eine gesicherte Basis für ein neues astrologisches Denken geschaffen und Anre­ gungen zu weiteren Forschungen gegeben zu haben.

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Mit vorliegendem Buch möchten wir nun dieses neue Denken in der modernen Astrologie vermitteln. Wir wollen vom Menschen berichten, wie er wirklich ist, wie er lebt und warum er leidet. In den Mittelpunkt des Lebens und des kosmischen Geschehens stellen wir den Menschen und nicht etwa Zahlen, Methoden oder My­ thologien. Wir versuchen in diesem Band, der Teil einer Serie über »ASTROLOGISCHE PSYCHOLOGIE« ist, das astrologische Häusersystem aus seinem ursprüng­ lichen Naturerlebnis heraus zu erklären. Sinnlich intensi­ ves Wahrnehmen und intuitives Erkennen totaler Zu­ sammenhänge, wie es dem Menschen der Frühkulturen eigen war, brachte die zwölf astrologischen Häuser als Ordnungssystem des menschlichen Verwobenseins mit seiner Umwelt hervor. Mit der Entwicklung der moder­ nen psychologischen Denkweise ist es möglich gewor­ den, die ganze Tiefe und Tragweite der zwölf Häuser oder Lebensbereiche im menschlichen Leben zu erken­ nen. Die Häuser sind vom verhaltenspsychologischen Stand­ punkt aus das wichtigste Deutungsclement der Astrolo­ gischen Psychologie. Sie sind das Bezugssystem zur realen Welt und zeigen die psychologischen Prozesse auf, die ständig zwischen jedem einzelnen Menschen und seiner individuellen Umwelt ablaufen. Deshalb beginnen wir in unserer Buchreihe mit dem Häusersystem und nicht mit den Tierkreiszeichen oder den Planeten.

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Beispielhoroskop 10. 5. 1942,11.30 Zürich (fiktives Datum)

GO-Häuser (Geburtsortshäuser)

(gerechnet und gezeichnet vom API-Computer "Cortex")

Die psychologische Bedeutung des Horoskopes

• 1. Innerster Kreis, das Zentrum • 2. Aspektstruktur • 3. Die Planeten *4. Die Tierkreiszeichen (der Zodiak) • 5. Die Häuser • 6. Der ganze Mensch • Die astrologische Konzeption des Menschen, ein Weg zur Selbsterkenntnis •

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Um zu erkennen, welche Stellung das Häusersystem in der Gesamtkonzeption der Astrologischen Psychologie einnimmt, ist es notwendig, zunächst das Horoskop als Ganzes einer Betrachtung zu unterziehen. Das Horoskop zeigt bekanntlich die Stellungen der Pla­ neten am Himmel zur Zeit der Geburt. Aus diesen Kon­ stellationen kann man gewisse Regeln und Gesetzmäs­ sigkeiten für die charakterliche Eigenart und psycholo­ gische Entwicklung des Menschen ableiten. Es ist noch nicht abgeklärt, warum das so ist. Man kann aber ein­ wandfrei das tatsächliche Wirken eines solchen »Wech­ selspieles« zwischen Gestirnskonstellationen und mensch­ licher Bedingtheit am einzelnen Menschen aufzeigen. Für uns ist es von Bedeutung, dass das Horoskop den Menschen als subjektiven Mittelpunkt in seiner verhält­ nismässigen Wertigkeit zu seiner Umwelt darstellt. So betrachtet, ist das Horoskop ein symbolisch übersetztes Bild des Menschen und der Welt, in der er lebt. Es zeigt die subjektive Betrachtung des Menschen, d. h., wie er sich selbst - wenn auch weitgehend unbewusst - sieht. Das Horoskop ist das Mass seiner Welt, in der er Mittel­ punkt ist; es wird dadurch zum Sinnbild seiner Existenz. Deshalb ist es für den astrologisch orientierten Psycholo­ gen ein hervorragendes diagnostisches Instrument, mit dem er die individuelle Problematik rasch und zuverläs­ sig feststellen kann.

In dem Beispielhoroskop auf Seite 16 können wir mit einem Blick die ganze Zeichnung überblicken. Wir

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haben eine grafische Struktur vor uns, die zwar aus ver­ schiedenen Elementen zusammengesetzt ist, aber als Ganzes optisch erfassbar ist. Wenn wir Horoskope, vor allem das Aspektbild, sorgfältig und auch farbig zeich­ nen, können wir sie mit unseren ganzen Sinnen aufneh­ men. Dann beginnt das Aspektbild grafisch zu uns zu sprechen. Genau so können wir einen Menschen, der vor uns steht, sinnlich erfassen und auf uns wirken lassen. Manche Menschen wissen dann vom ersten Eindruck her ziemlich rasch, mit wem sie es zu tun haben. Im Horoskop kennen wir fünf grundsätzliche Elemente:

1. Innerster Kreis, das Zentrum

Wenn wir das Beispielhoroskop betrachten, können wir im Zentrum dieser Zeichnung, im Kreis in der Mitte, das eigentliche Wesenszentrum des Menschen annehmen. Hier schlummert der Mensch als Potenz.

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Dieses Zentrum hat viele Namen. Einige nennen es Seele, Psyche, Anima oder Atman, andere den Geist, das höhere Selbst oder die Monade. In der indischen Philosophie nennt man das lebensspendende Zentrum des Menschen den göttlichen Funken oder »Fohat«. In der griechischen und christlichen Kultur spricht man von der Entelechie. In Wirklichkeit kann dieser Wesenskern nicht genügend in menschlichen Begriffen verstanden und definiert werden. Deshalb lassen wir im Horoskop den Kreis in der Mitte immer offen und zeichnen keine Aspekte hindurch. Er wird durch das Horoskop »umschrieben«. Wenn der Mensch geboren wird, fängt - symbolisch ge­ sehen - dieses Zentrum an, Energien radial in alle Rich­ tungen auszustrahlen, wie aus der Zeichnung ersichtlich wird. Von dieser Mitte aus wächst der Mensch in seine Welt hinein, um zu werden und zu wirken.

2. Aspektstruktur Die nach allen Seiten ausströmenden Energien treffen zuerst auf die Linien des Aspektbildes auf Diesem Aspektbild kommt eine sehr zentrale Bedeutung zu. Es wirkt als grundlegender »Schaltplan« oder als ReaktionsMuster für die vitalen Kräfte eines Individuums. Psycho­ logisch gesehen ist es das Bewusstseinsbild des Men­ schen. Aus ihm kann man die Grundorientierung des Menschen im Leben entschlüsseln. Es zeigt auf, wo dieser Mensch hintendiert, was seine Hauptinteressen und seine

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wesentlichsten Anliegen sind, was er, oft ohne es selbst genau zu wissen, aus seinem Leben machen möchte, wie und wo er versucht, seine Kräfte hauptsächlich einzuset­ zen. Man sieht aus dieser zentralen Aspektfigur sofort, welche Anlagen bei ihm von vornherein da sind, die er ohne weiteres einsetzen kann und mit denen er keine Schwie­ rigkeiten hat. Man sieht aber auch, dass da und dort latente Anlagen sind, die nicht zum Zuge kommen, weil sie im »Gesamtschaltplan« nicht optimal eingeordnet sind; sie sind angehängt oder stehen etwas ausserhalb, wie beispielsweise die Sonne und der Pluto im Beispielhoro­ skop.

3. Die Planeten Die Energien, die aus dem Wesensmittelpunkt kommen, werden durch die Linien des Aspektbildes auf die Plane­ ten, die individuell im Rund des Horoskopes angeordnet sind, weitergeleitet und verteilt. Die Planeten sind die eigentlichen Werkzeuge des innersten Wesens, Fähigkei­ ten oder Eigenschaften grundsätzlicher Art. Sie sind Lebensorgane oder Instrumentarien, mit de­ nen das menschliche Wesen Kontakt zu seiner Welt her­ stellt, durch die es die Welt wahrnimmt und erlebt und in einen vitalen und funktioneilen Austausch mit ihr kommt.

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Während die Aspektfigur sehr tief im menschlichen Wesen verborgen und als Bewusstseinsstruktur schwer an sich selbst zu entdecken ist, sind die Planeteneinflüsse schon greifbarer. Ihre Wirkung kann man deutlich feststellen. Die Planeten sind im gesamten Horoskop das beweg­ lichste Element. Sie haben unterschiedliche Umlauf­ geschwindigkeiten und stehen in jedem Horoskop im­ mer wieder in anderen Tierkreiszeichen, in anderer Ver­ teilung und Relation zueinander. Dadurch ergibt sich die Verschiedenartigkeit menschlicher Charaktere und die Einzigartigkeit des Individuums. Es wurde kürzlich mit Computer ausgerechnet, wie lan­ ge es von einem bestimmten Zeitpunkt aus dauern wird, bis wieder dieselbe planetarische Konstellation eintritt. Diese Zahl geht in die Quintillionen von Jahren.

4. Die Tierkreiszeichen (der Zodiak) Die Tierkreiszeichen verbinden uns mit kosmischen Qualitäten. Sie sind ein kosmisches Bezugssystem, stehen als solche stellvertretend für die Ordnung der Natur (Naturgesetze) und geben den individuellen »Organen«, den Planeten, eine natürliche Prägung. Erst in dieser Aus­ formung werden die menschlichen Wesenskräfte mit der Wirklichkeit, der Natur, konfrontiert. Es entsteht die charakterliche Eigenart.

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In den Zeichen sehen wir die hereditären Anlagen, die genetische Struktur, die von den Eltern, den Grosseltern, der Rasse auf uns übertragen wurden. Aus den Stellun­ gen der Planeten in den Zeichen lässt sich also durch die speziellen Zeichenqualitäten ablesen, welche Anlagen die einzelnen Funktionen oder Planeten erhalten. Die Planeten werden sozusagen von den Zeichen »er­ nährt« oder »gespeist«. Die Zeichen sind unsere Ener­ giequellen im Leben. Planeten, die am Anfang oder Ende eines Zeichens ste­ hen, erhalten wenig Energie vom Zeichen her; stehen sie aber im mittleren Bereich, erhalten sie viel Energie. Der optimale Punkt ist der 12. Grad in jedem Zeichen (exakt 11° 33’).

5. Die Häuser Sie stellen die realen und formalen Lebens-Situationen mit all ihren detaillierten Erlebnis- und Tätigkeitsformen dar. Sie sind gegenüber dem individuellen Wesensaufbau des Einzelmenschen (Aspekte, Planeten, Zeichen) eine äussere, nicht ursprünglich auf das Individuum einwir­ kende Formal-Konstellation. Sie beginnt erst mit der Geburt, und der Mensch muss sich Zeit seines Lebens da­ mit befassen. Der Mensch beginnt erst dann zu leben, wenn er sich sei-

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ner Umwelt bewusst wird Deshalb ist das Häusersystem von grösser Wichtigkeit für den bewusst lebenden Men­ schen. Hier wird aufgezeigt, wie die Umwelt auf ihn ein­ wirkt und wie er auf diese reagiert (individuelle Sensibi­ lisierung). Wird der Mensch geboren, so kommt er in eine Le­ benssituation hinein - zuerst einmal in die seiner Familie; dann geht er in die Schule, er begegnet einem bestimmten Milieu, lebt in einer bestimmten Ortschaft, in einer sozialen Schicht, mit einer Glaubensrichtung und politischen Zugehörigkeit. All das wirkt auf das Kind ein und formt den Charakter. Durch die Erziehung werden die im Häusersystem sichtbaren Formalkonstellationen seiner persönlichen Umgebung dem Wesen als Verhaltensmerkmale aufgeprägt. Es wirken Umweltfaktoren gezielt auf das Kind ein; es wird konditioniert. Die schliessliche Endausprägung ist eine starke oder schwache Persönlichkeit, ein gefestigtes oder einge­ schränktes Selbstbewusstsein, ein Individualist oder ein Massenmensch usf All diese Wechselwirkungen, die zwischen dem zentra­ len, innersten Kern (Kreis in der Mitte), den Wesens­ kräften oder Funktionsorganen (Planeten), den Tier­ kreiszeichen als kosmische Stimulatoren und Modi­ fikatoren und den verschiedenen Lebensbereichen (Häu­ sersystem) stattfinden, machen den ganzen Menschen aus.

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6. Der ganze Mensch Es ist von grösster Wichtigkeit, immer das Ganze im Auge zu behalten. Der Mensch neigt im allgemeinen dazu, der äusseren, formalen Wirklichkeit, den im Cha­ rakter verankerten, aber von aussen aufgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen mehr Gewicht zu geben und vergisst allzu leicht, dass der innere Mensch ebenso wich­ tig, vielleicht noch wichtiger ist.

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Die astrologische Konzeption des Menschen, ein Weg zur Selbsterkenntnis

Zum ganzen Menschen gehören also die verschiedenen Schichten vom Zentrum in der Mitte bis zur äusseren Welt. Die innerste Wesensschicht ist für den Einzelnen nur schwer erreichbar. Unser Bewusstsein liegt normalerweise nicht im Zentrum, sondern an der Peripherie. In der Berührung mit der Welt erleben wir uns selbst am drastischsten und am intensivsten. Deshalb sehen wir auch unser Ich immer irgendwo in der Aussenwelt. Wir identifizieren uns mit unseren Reaktionen in der Um­ welt. Viele empfinden dies als Determination. Man kann zu Recht sagen, durch die Umwelt, durch die Gesellschaft und ihre Struktur, durch die Landschaft und ihre Naturgesetzlichkeiten, durch das Klima, durch die Mitmenschen, die mit uns direkt Zusammenleben, wer­ den wir beeinflusst, zu einem bestimmten Grade deter­ miniert. Trotzdem haben wir die Möglichkeit, diesen Grad an Gebundenheit und damit Bestimmtwerden durch die Si­ tuation zu vermindern. Dies setzt jedoch ein Erkennen der wirklichen Struktur unserer selbst voraus. Das Er­ kennen ist Voraussetzung für die Freiheit schlechthin. Die Astrologische Psychologie gibt uns ein Bild von uns selbst, in dem sogar unsere Umwelt als potentielle Mit­

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funktion unseres Wesens dargestellt ist. Wir können durch dieses Medium erkennen, wie wir einschliesslich diesem Anteil an Mitwelt strukturiert sind. Diese Er­ kenntnis kann uns graduell freier machen. Wenn wir uns mittels des Horoskopes oder generell durch Selbstbeobachtung mit uns selbst befassen, ge­ schieht nämlich folgendes: Wir erkennen zuerst einmal die äussersten Schichten und ihre Funktionsweisen, d. h., wir beobachten uns selbst, wie wir in jeder formal be­ schreibbaren Situation reagieren und wie die anderen reagieren. Wir beschreiben Symptome. Sie befinden sich, astrologisch gesprochen, im Häusersystem, nämlich in unserem direkten »In-Korrespondenz-Sein«, »ImAustausch-Sein« mit der vor uns liegenden Umwelt. Diese Symptombeschreibungen erlauben uns noch nicht, unser Schicksal voll zu verstehen, es in die Hand zu nehmen und fortan alles anders und besser oder gar per­ fekt zu machen. Aber sie sind schon eine erste Stufe der Erkenntnis, die dazu führt, dass wir mit der Häufung die­ ser Beobachtungen eine gewisse Distanz zu den Verhaf­ tungen an diese formalen Realitäten, denen wir täglich ausgeliefert sind, gewinnen. Damit treten wir sozusagen mit den Planeten vom Häusersystem in den Tierkreis zu­ rück (Desidentifikation vom Formalen). Wir gewinnen also Abstand von den formalen Gege­ benheiten des Lebens und sehen uns immer mehr mit unseren wesenstypischen Strukturen konfrontiert, die nicht mehr »ausserhalb« sind, nicht mehr in den Ver­ bindlichkeiten zur Welt bestehen, sondern in unseren

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Neigungen, mit dieser Welt Bindungen einzugehen. Die Definition ist wichtig: Durch unsere Neigungen, die in uns sind, gehen wir mit dieser Welt Bindungen ein. Das ist die zweite Erkenntnis, die folgt. Sie distanziert uns noch mehr. Wenn wir die Neigungen in uns erkennen, die wir schon ins Leben mitbringen und die nicht umweit-, son­ dern erbbedingt sind (Tierkreiszeichen), so können wir noch einen Schritt tiefer gehen. Wir können uns mit den Planeten an sich befassen und dabei erleben, dass es da in uns Fähigkeiten gibt, die an sich bestehen und von denen jede eine eigene Funktion hat. Jede ist zu einem Zweck bestimmt. Sie hat einen Sinn. Sie ist auf bestimmte Möglichkeiten und Funktio­ nen ausgerichtet. Dieses tiefere Eindringen gibt uns noch einen Grad mehr an Distanz zu den Gebundenheiten an diese Welt. Wenn wir einmal die Planeten als Organe in uns erkannt haben (da ist der Jupiter = Sinnesfunktionen, da ist die Sonne = das Selbstbewusstsein etc.), sehen wir, dass diese untereinander in einer ganz speziellen und völlig indivi­ duellen Weise kombiniert sind. Die zehn Planeten haben wir alle, und doch sind sie in ihrer Gesamtwirkung ge­ mäss der innersten Wesensart eines jeden Menschen ver­ schieden, weil sie untereinander individuell verschieden »geschaltet« sind. Das sehen wir aus dem individuellen Aspektbild, das die innerste Wesensstruktur ausmacht. Hier hört die Astrologie mit ihrer Beschreibung des

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Menschen eigentlich auf Es kommt dann nur noch der Kreis in der Mitte, und damit beginnt das, was man als Freiheit bezeichnen könnte. Wenn wir uns durch all diese Schichten in uns zurückge­ zogen haben, sehen wir diese Schichten von innen her als transparentes, kompliziertes, mehrschichtiges Gebilde. Ganz weit draussen ist dann die Welt. Hier im Zentrum des Wesens beginnt die Freiheit. Hier können wir sagen: diese Schaltung in mir oder jene Reaktionsweise in der vierten Schicht nach draussen gesehen ist falsch; ich will sie nicht haben. Sie stimmt nicht mit dem überein, was ich morgen oder übermorgen mit mir und meinem Le­ ben erreichen will. Ich will sie anders haben. Und von der Mitte aus kann ich diesen Satz nicht nur sprechen, sondern ich kann ihn zur Wirkung werden lassen. Hier wird der Wille wirksam, gereift an der Erkenntnis, die durch das In-sich-Zurückziehen entstanden ist. Es ist ein komplexer Prozess - ein Prozess, der Zeit voraussetzt und viel ernsten und auch heiteren Willen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und sich selbst in sein Inner­ stes zurückzuziehen. Es ist Arbeit an sich selbst, die nicht von heute auf morgen durch Drehen eines Schalters be­ wältigt wird, sondern ein ganzes Leben lang andauern kann. Mit einem Horoskop haben wir es gegenüber an­ deren Menschen einfacher. Wir können immer wieder sehen, was diese Schichten sind, uns in jeder Lebenslage neu orientieren und erkennen, wo wir steckengeblieben oder unter Druck geraten sind. Wir können uns fragen: Wo liegt in diesem Schichten-

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gebäude das Druckmoment und wo findet sich ein Aus­ weg, eine Lösung des Problems? Ein Mensch, der sich nicht mit Astrologie beschäftigt, hat dieses Instrument nicht ohne weiteres zur Verfügung. Wir sind also im Vorteil - was natürlich verpflichtet; nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Mitmenschen gegenüber. Diese Verpflichtung ist sowohl unsere geistige Verantwortung gegenüber dem Ganzen wie auch Teil dessen, was wir unter Wille verstehen. Weil wir die Freiheit gemessen, die uns diese Distanz zur Gebundenheit gewährt, können wir unseren Willen ent­ wickeln und an wenden. Der eigene freie Wille entfaltet sich in dem Masse, wie der Mensch durch eigene Er­ kenntnis die ethischen Grundvoraussetzungen geschaf­ fen hat, seine Interessen und Zielsetzungen mit dem Wohle des Ganzen in Übereinstimmung zu bringen und seine Fähigkeiten auch im Sinne dieses Ganzen einzusetzen. Dann sind wir auch zu eigenen, aus uns selbst gereif­ ten Entscheidungen fähig, die sowohl eine verstehende Beziehung zum inneren wie auch zum äusseren Bereich des Lebens haben. Vor allem aber - und das ist das Wesentlichste - müssen wir uns mit der zentralen Frage des SEINS in diesem Le­ ben, mit dem Sinn unserer Existenz, auseinandersetzen. Denn ein individuelles Leben braucht klare und bewuss­ te Motivierung, um menschlich und voll gelebt werden zu können.

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Der Mensch als Mikrokosmos und das Universum als Makrokosmos. Holzsschmtt aus "Margarita Philosophica" von Gregor Reisch (Basel 1508). Royal Astronomical Society, London.

Das Häusersystem



Zeichnung •Technische Angaben zu den Häusern • Die genaue Geburtszeit und der Geburtsmoment • Grundsätzliche Betrachtung des Häusersystems • Die psychologische Bedeutung der zwölf Häuser im täglichen Leben • Die innere Struktur und Dynamik des Häusersystems • 1. Das Häusersystem als Raumgefüge • 2. Entwicklungsprozesse im Horoskop • 3. Die Altersprogression (Alterspunkt oder Lebensuhr) • 4. Die Zeichen und Planeten in den Häusern • Regeln für die Beurteilung der Häuser •

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Technische Angaben zu den Häusern Entsprechend der Teilung des Zodiaks oder Tierkreises in 12 gleich grosse Abschnitte, wird auch der Erd- und Luftraum um den Geborenen in 12 Häuser oder Felder eingeteilt. Dieses »Häusersystem« wird nicht nur auf die genaue Geburtszeit, sondern auch auf den Geburtsort in­ dividuell für jeden Fall berechnet (siehe Zeichnung Seite 32).

Es ist ein subjektives Mess- oder Bezugs-System. Die Lage des gestirnten Himmels können wir zu jeder entsprechenden Tages- oder Nachtzeit vom Ort der Ge­ burt aus sehen und uns nach diesem Mess-System orien­ tieren. Hieraus wird sichtbar, dass das Horoskop auch himmelsmechanisch gesehen eine subjektive Darstellung eines individuellen Horizontes ist. Das Häusersystem wird durch die Horizontebene in zwei Hälften geteilt: Die obere, in der sich die Sonne wäh­ rend des Tages befindet, die untere, die während der Nacht von der Sonne durchlaufen wird Die linke Hälfte kennzeichnet den Osten, wo die Sonne aufgeht, und die rechte Hälfte den Sonnenuntergang (Westen).

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Die Planeten

Jeden Tag steigen scheinbar - oder subjektiv gesehen die Sonne, die Planeten und die Tierkreiszeichen im Osten über die Horizontebene auf und gehen im Westen wieder unter. Die Sonne steht also nicht jederzeit am gleichen Ort des Himmels. Wenn jemand am Morgen geboren ist, dann steht sie im Osten des Horoskopes (links), zur Mittagszeit steht sie hoch im Zenit, und wäh­ rend der Nacht durchläuft sie den unteren Raum des Horoskopes. Die 12 Häuser geben die Stellung der Planeten und der Tierkreiszeichen in bezug auf die Horizontebene des Ge­ burtsortes an. Der zur Stunde der Geburt im Osten aufsteigende Punkt wird als die Spitze des 1. Hauses oder als ASZENDENT (abgekürzt: AC) bezeichnet. Der gegenüberliegende Punkt am Westhorizont, wo die Gestirne untergehen, ist die Spitze des 7. Hauses oder der DESZENDENT (abgekürzt: DC).

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Der höchste Punkt im Horoskop ist die Spitze des 10. Hauses. Er wird als obere Kulmination der Gestirne be­ zeichnet, also als der Ort, an dem die Sonne im hohen Mittag steht. Es ist der Zenit oder das Medium Coeli (Himmelsmitte), abgekürzt: MC. Die gegenüberliegende Spitze ist das 4. Haus, in dem die Sonne um Mitternacht steht, also der tiefste Punkt des Horoskopes. Er wird untere Kulmination, Nadir oder IC (Imum Coeli = Himmelstiefe) genannt. Diese vier Häuser 1, 4, 7, 10 sind die Hauptfelder oder Kardinalhäuser im Horoskop. Dazwischen liegen immer zwei weitere Häuser.

Das Fadenkreuz

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Die Zählung der Häuser beginnt beim Aszendenten, schreitet über den IC zum Deszendenten, von dort über den MC wieder zum Aszendenten zurück. Diese Rich­ tung entspricht der Drehung des individuellen Erdhori­ zontes, die der subjektiven Bewegung des Tierkreises entgegengesetzt erscheint

Der Unterschied und die Beziehung zwischen den 12 Tierkreiszeichen und den 12 Häusern. Der Tierkreis = kosm. Bezugssystem = allgem. oder objektive Einteilung Die Häuser = irdisches Bezugssystem = spezielle od. subjektive Einteilung

Wie bekannt, wird der Tierkreis in 12 gleich grosse Abschnitte, die sogenannten Zeichen, eingeteilt. Diese 12 Zeichen sind Abschnitte eines ausserirdischen, kosmi­ schen Raumes (des Sonnensystems) und wirken auf die gesamte Erde ein. Sie haben an sich eine mehr kollektive Wirkung, sind aber kosmische Qualitäten, die jedem Menschen als Energiequellen zur Verfügung stehen. Die Häuser teilen den irdischen Raum um den Geborenen in 12 Felder ein, haben also individuellen und ortsgebunde­ nen Charakter.

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Tierkreiszeichen und Häuser

Widder Stier Zwilling Krebs Löwe Jungfrau

1. Haus 2. Haus 3. Haus 4. Haus 5. Haus 6. Haus

Waage Skorpion Schütze Steinbock Wassermann Fische

7. Haus 8. Haus 9. Haus 10. Haus 11. Haus 12. Haus

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Während der Zodiak oder Tierkreis, der stellvertretend für die gesamten Himmelskonstellationen steht, geozentrisch auf die Erde als Mittelpunkt orientiert ist, sind die Häuser auf den Menschen als Mittelpunkt, also egozentrisch, bezo­ gen. Deshalb haben die Häuser eine so grundsätzlich indivi­ duelle Aussagekraft.

Wir haben also eine prinzipielle Entsprechung der kos­ mischen 12-Teilung mit der des irdischen, 12-geteilten Häusersystems. Jedes Tierkreiszeichen hat etwas Gemein­ sames mit der Qualität eines Lebensraumes oder eines Hauses. Vom psychologischen und deutungs-praktischen Stand­ punkt aus haben diese beiden Bezugs-Systeme jedoch für den Menschen eine verschiedene Bedeutung.

Die genaue Geburtszeit und der Geburtsmoment Wie aus den vorherigen Ausführungen ersichtlich wird, ist die Geburtszeit genau so präzis erforderlich wie die Ortsangabe, um ein genaues Häusersystem zu ermitteln. Nun kann man mit Recht fragen: Wer kennt schon sei­ ne genaue Geburtszeit und wann ist überhaupt der rich­ tige Geburtsmoment? Es gibt drei Möglichkeiten: Der erste Schrei, die Durchtrennung der Nabelschnur oder das Erscheinen des Kopfes.

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Die amtlich genaue Geburtszeit können wir durch An­ forderung eines Geburtsscheines bei der Amtsstelle des Geburtsortes erhalten; denn in den meisten europäischen Staaten ist es seit Anfang dieses Jahrhunderts obligato­ risch, die Geburtszeit bei der Anmeldung eines neugebo­ renen Kindes wenigstens auf 15 Minuten genau anzu­ geben. Aber die andere Streitfrage, welcher Moment beim Ge­ burtsvorgang für die astrologischen Berechnungen der richtige ist, braucht eine weitere Betrachtung. Mit dem ersten Schrei atmet das Neugeborene die Luft selbst ein. Es ist sein erster selbständiger Akt und eine laute und kräftige Ankündigung: Ich bin da! Der erste Schrei oder Atemzug ist der Anfang der individuel­ len Entwicklung. Mit dem Durchtrennen der Nabel­ schnur hingegen wird die physische Bindung an die Mutter gelöst, das Kind verlässt den Schutz des Mutter­ leibes. Damit beginnt ein selbständiges Funktionieren des kindlichen Organismus. So betrachtet, sind sowohl die Durchtrennung der Nabelschnur, wie auch der erste Schrei als Geburtsmo­ ment anzusehen. Bis jetzt brachten wissenschaftliche Versuche, den medi­ zinisch und biologisch einwandfreien Geburtmoment festzulegen, noch keine befriedigende Lösung. Das hängt damit zusammen, dass es nur einzelne isolierte Versuche waren. Erst eine Forschung in grossem Stile wird einheit­ liche Resultate ergeben. Es ist sicher anzunehmen, dass

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eine Gesetzmässigkeit dahintersteht, die wir aber noch nicht kennen, und die erst noch gefunden werden muss. In der Astrologischen Psychologie wird man deshalb noch für längere Zeit pragmatisch vorgehen, d. h, man muss an jedem Horoskop, mit dem man verlässlich ar­ beiten will, eine Überprüfung der Geburtszeit vorneh­ men. Für den einfachen, generellen Überblick eines Ho­ roskopes mag die amtlich gegebene Zeit mit ihrer mög­ lichen Ungenauigkeit genügen. Jedoch für psychologische Untersuchungen oder thera­ peutische Behandlungen ist eine Geburtszeitkorrektur anhand von Erlebnisdaten unerlässlich. Eine einfache, von uns entwickelte Methode der Geburtszeitkorrektur wird in einem späteren Band eingehend erläutert.

Grundsätzliche Betrachtung des Häusersystems

Die Häuser sind das von Astrologen am meisten umstrit­ tene und von Laien am schwersten zu verstehende astro­ logische Element, weil es das ganze äussere Leben einschliesst und beschreibt. Es bestehen viele Theorien; die meisten davon sind intel­

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lektuelle Konstruktionen, die versuchen, auf Grund ir­ gendeiner Systematik das ganze Gebiet zu erklären. Sie bleiben aber meistens in der Theorie hängen, die sich dann in der Praxis nicht bewährt. Es werden heute noch verschiedene Berechnungsmethoden der Häuser verwendet. Einige bestehen auf Placidus (1603 - 1668), wenige noch auf Regiomontanus (1436 - 1475), während modernere und neuzeitlich ausgerichtete Astrologen mehr auf Dr. Koch (1895 1970) übergehen. Seine Methode wird auch von uns verwendet, da in der Praxis die moderne Berechnungsweise auf den individuellen Geburtsort präzise und diffe­ renzierte psychologische Aussagen zulässt.* Die Alters­ progression lässt sich beispielsweise nur bei den »KochHäusern« anwenden (siche weiter unten). Es gibt viele Möglichkeiten, das Häusersystem zu be­ trachten, Standorte, von denen aus man wieder etwas Neues entdecken kann. Schon allein in der Naturbetrachtung, wenn man nach Süden in den Himmel schaut, tritt immer eine seltsame »Verzerrung« des Zodiaks auf (siehe Zeichnung Seite 32). Lediglich im Frühling und Herbst, oder wenn wir am Äquator stehen, tritt diese »Verzerrung« nicht auf Aber wenn wir nördlich oder südlich wohnen, sehen wir den an sich runden Zodiak nicht wirklich rund, sondern im­ * Häusertabellen des Geburtsortes (GOHT) für 0-60 Grad nördlicher Breite von Dr. W.A. Koch, Verlag Elisabeth Schäck. Berechnung der Häuser und Anwendung der Häusertabellen siehe »Berechnung des Horoskopes« von Bruno und Louise Huber, Verlag Astrologisch-Psychologisches Institut.

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mer »elliptisch verzogen«. Es ist also nur unser subjekti­ ver Eindruck, unsere Ansicht des Himmels entsprechend dem Ort, von dem aus wir ihn betrachten. Da der Zodiak der allgemeine Messkreis ist, wird auch das Häusersystem rechnerisch auf diesen bezogen. Des­ halb ist es in unserer Horoskopzeichnung umgekehrt. Die Häuser sind ungleich gross und die Tierkreiszeichen regelmässig. Das Horoskop und vor allem das Häusersystem werden genau nach der Geburtszeit berechnet. Sie stellen dann die subjektive Ansicht des Himmels dar, die bei der Ge­ burt bestanden hat. Dies ergibt die Subjektivität des Horoskopes, die Einma­ ligkeit des Menschen, der zu diesem Zeitpunkt, an die­ sem Ort, geboren wurde. An einem anderen Ort ist der Zodiak schon wieder anders verzogen und ein paar Mi­ nuten früher oder später ebenfalls. Dies wird veranschau­ licht durch das Horoskop mit seinem auf das Individuum berechneten Häusersystem. Dies ist ebenfalls ein Hinweis auf die Tatsache, dass jeder Mensch anders ist, weil er an­ ders für die Welt sensibilisiert ist. Deshalb ist das Häusersystem in der Astrologischen Psychologie das aufschluss­ reichste, das faszinierendste Gebiet - aber auch das schwierigste. Das Häusersystem wurde in der Astrologie immer ver­ nachlässigt, besonders im Mittelalter, weil damals die psychologische Dimension des Denkens noch fehlte. Entsprechend vereinfacht und formalistisch waren auch die mittelalterlichen Merkbegriffe für die Häuser. 44

1 2 3 IV 5 6

VITA LUCRUM FRATRES GENITOR NATI VALETUDO

Leben Gewinn Brüder Eltern Geborene Gesundheit

VII 8 9 X 11 12

UXOR MORS PIETAS REGNUM BENEFACTAQUE CARCER

Weib, Frau Tod Pflicht, Respekt Herrschaft Wohltat Gefängnis

Durch diese Betrachtungsweise wurde das vielschichtige menschliche Leben auf wenige Bedürfnisse reduziert, für deren Erkennung das Horoskop herangezogen wurde. Mit den wenigen Leitbegriffen ging auch die innere Struktur und die Dynamik als Zusammenhang des Häu­ sersystems verloren. Jedes Haus stand dadurch völlig los­ gelöst für sich, mit einem starren Begriff behängt und hatte keine Beziehung zum nächsten. Zwar hat sich in den Jahrhunderten ein ganzer »Katalog« an Einzelbegriffen um jedes Haus versammelt. Dies führ­ te aber nur zu Widersprüchlichkeiten, zur Verwirrung, und schliesslich zur völligen Auflösung des Häusersystems in seine Einzelteile. Im wirklichen Leben durchdringen sich die Lebensgebiete und sind voneinander abhängig. Einflüsse des einen Hauses lösen Wirkungen und Reaktionen im anderen aus. Jedes Haus ist Teil einer lebendigen Struktur des Le­ bens, in dem die Wirkungen ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen.

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Die psychologische Bedeutung der zwölf Häuser im täglichen Leben Die verhaltenspsychologische Forschung hat ergeben, dass der Mensch ein soziales Wesen und hauptsächlich damit beschäftigt ist, in Verbindung mit der Umwelt zu leben, zu denken, zu empfinden und zu handeln. Er ist nicht einfach ein Produkt der natürlichen Entwicklung, sondern er ist ebenso von erzieherischen, gesellschaft­ lichen und kulturellen Einflüssen geprägt. Wir werden in eine bestimmte Welt hineingeboren, die wir nicht vorher bestimmen können. Sie wurde durch andere ge­ baut, durch unsere Eltern, Voreltern, durch ganze Generationen und Rassen. Da hinein kommen wir und müssen uns zurechtfinden, uns einfügen mit all dem, was wir mitbringen. Es ist deshalb wichtig, dass wir etwas über diese Welt wissen, ihre Beschaffenheit erkennen, damit wir fähig sind, möglichst im positiven Sinne auf sie einzuwirken, unseren Teil beizutragen, um eine schöne und glückliche Welt für uns, für unsere Kinder und für alle zu schaffen. Die Welt wirkt immer wieder auf uns zurück. Genau wie wir versuchen die Umwelt zu formen, genauso wer­ den wir von ihr geformt Die Bewegungen sind immer in beiden Richtungen wirksam. Dieses Spiel von innen nach aussen, von aussen nach innen, ist das Wichtigste, das Interessanteste im Leben und auch im persönlichen Horoskop. Mit diesem Wechselspiel befasst sich das Häusersystem. Es ist vom astrologischen Standpunkt aus das Bezugssy-

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stein zur realen Welt, in der wir leben, zur praktischen, manchmal harten Wirklichkeit, der wir täglich gegenüberstehen. Es schildert die ganze Skala unserer Lebens­ und Interessenbereiche in einfacher, von der Natur ab­ geleiteter Sprache. Diese 12 Lebensbereiche sind sozu­ sagen »die Schlachtfelder«, auf denen wir kämpfen, uns behaupten, ringen und arbeiten müssen, auf denen wir Siege oder Niederlagen erleiden, je nachdem, wie wir uns darauf einstellen. Jeder von uns ist in eine Lebens­ situation hineingestcllt, in der er sich bewähren muss. Wir haben einen Beruf, den wir entweder als Broter­ werb oder aus innerer Berufung ausüben. Wir haben eine Familie, die wir lieben, vielleicht auch Kinder, die wir aufziehen müssen. Wenn wir nicht allein sein wol­ len, brauchen wir Liebe und Freundschaft. Für unsere Entwicklung benötigen wir kulturelle und geistige Idea­ le, eine Atmosphäre, in der wir uns wohl fühlen und glücklich sind. All das sind Möglichkeiten, Gegebenheiten, mit denen wir es im Leben zu tun haben, die auf uns zukommen und auf die wir in der einen oder anderen Art reagieren können. Mit diesen Gegebenheiten und unserer Reak­ tionsweise darauf befasst sich sowohl die Verhaltenspsy­ chologie wie auch das astrologische Häuser-System. Deshalb ist es eine besondere Aufgabe der Astrologi­ schen Psychologie, die Häuser als psychologischen Rahmen des Lebens aufzuzeigen, in den der Mensch, die Individualität, hineingestellt ist, und zwar im Hinblick auf reale Tatsachen des Lebens, unabhängig von Vorstel­ lungen und Wunscherwartungen.

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Die innere Struktur und Dynamik des Häusersystems 1. 2. 3. 4.

Das Häusersystem als Raumgefüge Entwicklungsprozesse im Horoskop Die Altersprogression (Alterspunkt) Die Zeichen und Planeten in den Häusern

Die nachfolgenden Betrachtungsweisen haben sich in der psychologischen Horoskopdeutung besonders be­ währt, weil sie von der Realität des Lebens ausgehen, den Menschen in den Mittelpunkt kosmischen und welt­ lichen Geschehens stellen und nicht nur das statische, sondern auch das dynamische Element berücksichtigen. Dazu wird auch das heutige psychologische Wissen mit einbezogen.

1. Das Häusersystem als Raumgefüge Man kann sich vorstellen, dass jeder Mensch um sich herum eine Art Häusersystem trägt. Es ist natürlich nicht sichtbar - man muss es sich vorstellen. Mit Leichtigkeit kann man oben und unten, links und rechts unterschei­ den. Himmel und Erde, Osten und Westen sind natür­ liche Betrachtungsweisen, wobei zu beachten ist, dass das Horoskop nach Süden orientiert ist und somit Osten links und Westen rechts liegen.

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Wir teilen zuerst immer den Raum um uns herum in die Senkrechte und die Waagrechte ein. In dieser Art der Be­ trachtung ist das Häusersystem für jeden sofort verständ­ lich. Es ist das Raumerlebnis in der Natur selbst, das eine dynamische Deutungsweise zulässt und den Menschen in Beziehung zu seiner ihn umgebenden Welt darstellt. Daraus kann man verhaltenspsychologische Schlüsse zie­ hen, mit denen wir uns ausführlich in diesem Buch nach folgender Einteilung befassen wollen: Die vier Kardinalpunkte



Oben, unten, rechts und links

Das Fadenkreuz



Die Horizontale und Vertikale

Die Quadranten



Die Vierer-Einteilung

Die Zonen



Expansion und Kontraktion

Die Polarität der Achsen



Opposition der Häuser

Die Intensitätskurven



Häuserspitze, Invertpunkt, Talpunkt

2. Entwicklungsprozesse im Horoskop Das Häusersystem nach Kreuzen und Temperamenten Die 3 Kreuze:

Motivation, Denkweise, Grundeinstellung

Die 4 Temperamente:

Verhaltensmodus, Methodik, Eigenschaft

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Durch die Kombination von Kreuz und Temperament verbinden sich die Dimensionen von Raum und Zeit. Hier werden Wachstumskräfte sichtbar, die in einem dreiphasigen Prozess ablaufen. Die zwölf Häuser werden also nicht mehr als klassisches Raumgefüge gesehen, sondern es werden dynamische Entwicklungstendenzen aufgezeigt, die sich sowohl aus den Kombinationen von Kreuz und Temperament, aus dem dreistufigen Entwicklungsgeschehen wie auch aus der Spannung zwischen Anlage und Milieu ergeben. Diese werden in den fünf folgenden Punkten dargestellt: -

Die vier Entwicklungslinien nach den Temperamenten Die dreiphasigen Entwicklungsprozesse nach den Kreuzen Dreiteilung der 12 Häuser in 36 Wirkungsbereiche Verhaltenspsychologischer Beurteilungsschlüssel Ausgleichs- und Regulierungsprozesse zwischen Häusern (Umwelt) und Zeichen (Erbanlagen)

Die vier Entwicklungslinien nach den Temperamenten Hier werden die Häuser jeweils in Dreiecksbeziehungen gesehen. Man verbindet diejenigen Häuser, die in einem Dreieck temperamentsmässig zusammengehören. Daraus ergibt sich eine dynamische Entwicklungslinie für jedes Temperament und somit für vier weltliche Hauptbe­ strebungen des Menschen.

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Jede Gruppe enthält je ein Zeichen eines jeden der drei Kreuze. Durch die Verbindung der vier Dimensionen der Temperamente mit den motivierenden Energien der Kreuze entstehen dynamische Entwicklungsprozesse, die mit den Wandlungen des ICHs Zusammenhängen. Am besten und natürlichsten wird dies in der Trigonalbe­ trachtung, also in der Temperamentsbetrachtung der Entwicklungslinien, sichtbar. Die Feuerhäuser entsprechen: Die Erdhäuser entsprechen: Die Lufthäuser entsprechen: Die WasserhäuBcr entsprechen:

1.

5.

9. Haus

Widder

Löwe

Schütze

2.

6.

10. Haus

Stier

Jungfrau

Steinbock

3.

7.

11. Haus

Zwillinge

Waage

Wassermann

4.

8.

12. Haus

Krebs

Skorpion

Fische

Persönlichkeits­ entwicklung Soziale Entwicklung Äussere Beziehung Innere Orientierung (Zugehörigkeit)

Die dreiphasigen Entwicklungsprozesse nach den Kreuzen Zunächst ist in der Natur, in der Raumbetrachtung, alles auf die Dualität, die Polarität, aufgebaut. Erst daraus ent­ wickelt sich als dritter Pol die Intelligenz, die eine Ent­ wicklung der Persönlichkeit zulässt. Die Dreiheit liegt immer an der Wurzel, auf der Ebene der Motivation oder der Antriebskräfte, während die 4 Temperamente grundsätzliche Aussagen über die Art und Weise des Tuns machen. Die vier Quadranten enthalten jeweils drei Häuser, deren

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Bedeutung nach den drei Kreuzen festgelegt ist. Zuerst ein kardinales, dann ein fixes und zuletzt ein veränder­ liches Haus. Das erste Haus gibt Impulse; das zweite fixiert, was entsteht; das dritte löst es wieder auf und sucht etwas Neues. Dann fängt - wieder mit einem Im­ puls - ein neuer Quadrant an.

Die Kardinalhäuser entsprechen: Die fixen Häuser entsprechen: Die veränderlichen Häuser entsprechen:

1.

4.

7.

10. Haus

Widder

Krebs

Waage

Steinbock

2.

5.

8.

11. Haus

Stier

Löwe

Skorpion

Wassermann

3.

6. Jungfrau

9.

12. Haus

Schütze

Fische

Zwillinge

Impuls

Festigen

Verändern

Dreiteilung der 12 Häuser in 36 Wirkungsbereiche Die Dreiphasigkeit der Entwicklung vollzieht sich in den Kreuzqualitäten, in jedem Quadranten, aber auch in je­ dem einzelnen Haus. Dadurch wird eine differenzierte Beurteilung psychologischer Verhaltensweisen möglich, je nachdem in welchem Bereich eines Hauses Planeten stehen, also Wesenskräfte wirksam werden. Der erste Bereich eines Hauses entspricht dem kardinalen Impuls, der zweite, mittlere Bereich, dem fixen, der drit­ te dem veränderlichen. Dadurch ergeben sich im ganzen Häusersystem 36 Wirkungsbereiche, die einen verhal­ tenspsychologischen Beurteilungsschlüssel liefern.

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Ausgleichs- und Regulierungsprozesse zwischen Häusern (Umwelt) und Zeichen (Erbanlagen) Die Spannung zwischen Wesensanlage und Konditionie­ rung, zwischen Erbanlage und Milieueinwirkung zwingt den Menschen zum Wachstum, zur Änderung und Ab­ rundung seines Charakters. Die Zeichen in den Häusern mit den Planeten als Wesenskräfte werden durch das Leben umgeformt, verwandelt und bereinigt. Mehr da­ rüber finden Sie in der »Dynamischen Auszählmethode« und in »Astrologische Entwicklungspsychologie« Autodidacta-Heft Nr. 19 + Nr. 205.

3. Die Altersprogression »Lebensuhr im Horoskop« Sie stellt eine detaillierte Betrachtung des Lebensablaufes von 0 - 72 Jahren und mehr dar und ergibt sich aus der Zeitdimension. Die Altersprogression ist eine Progres­ sionsmethode. Sie kann sowohl zur Bestimmung der jeweiligen psychologischen Ausgangslage, der zukünfti­ gen Entwicklungsmöglichkeiten, wie auch zur Geburtszeitkorrektur verwendet werden. In der Altersprogressionsmethode werden die Häuser nebeneinander gesehen: 1., 2., 3., etc., wobei jedes Haus einem Lebensabschnitt von 6 Jahren entspricht und alle 12 Häuser einem Lebenslauf von 72 Jahren. Die Altersprogression kann als das zeitliche Fortschreiten

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des »Bewusstseins-Brennpunktes« aufgefasst werden, der am Aszendenten beginnt und mit dem Alter durch die verschiedenen Häuser wandert. Deshalb wird er auch »Alterspunkt« genannt Er wandert also in 6 Jahren entgegen dem Uhrzeiger durch ein Haus, wobei das psychologische Thema des betreffenden Hauses während 6 Jahren die innere und äussere Einstellung bestimmt. Dabei sind die Häuser oder Lebensgebiete psychologisch als greifbare Resultate des Wirkens bestimmter psychischer Funktionen im Men­ schen selbst aufzufassen. Diese psychischen Kräfte sind das Primäre bei der Beurteilung der Altersprogrcssion; die materielle Erscheinung oder davon ausgelöste Ereig­ nisse sind das Sekundäre. Die Aufgaben, Probleme, Schwierigkeiten und zeitlich greifbaren Erlebnisse oder Ereignisse sind nichts anderes als die Objektivierung der psychischen Kräfte, die bereits im Grundhoroskop vorhanden sind. Wenn der Alters­ punkt an einem Planeten vorbeikommt, trifft unser »Bewusstseinsfokus« auf den Planeten und damit auf all das, was er in uns anzeigt an Möglichkeiten, Problemen und psychologischen Faktoren. In diesem Zusammenhang wird auch der astrologische Farbkreis, das Spektrum, als zyklischer Lebensablauf von »rot bis violett« ergänzend zur psychologischen Betrach­ tungsweise verwendet. Eine ausführliche Darstellung finden Sie im Buch »Lebensuhr im Horo­ skop,« Verlag Astrologisch-Ps)'chologisches Institut, Adliswil/Zürich.

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4. Die Zeichen und Planeten in den Häusern Es ergeben sich 12 x 12 x 10 Möglichkeiten der Kombi­ nation von Zeichen- und Häuserqualitäten sowie der Planeten in all diesen Stellungen. Dies ist ein sehr ergiebi­ ger Stoff und ein wichtiger Faktor in der Deutung von Charakteranlage und Konditionierung.

Zusammenfassung Die erste Annäherung an das Häusersystem ist die Raum- oder Kreuz-Betrachtung, die von der Natur ab­ geleitet ist (oben, unten, rechts und links). Sie ist nur räumlich gesehen. Die weitere Annäherung befasst sich mit der Zeitabfolge, dem Lebensablauf, und ist deshalb zeitlich zu ver­ stehen. In der Mitte stehen die Temperamente, die Trigone, in denen sich die beiden Dimensionen von Raum und Zeit überschneiden und die das dynamische Entwicklungsge­ schehen im Menschen aufzeigen. Die letzte Betrachtung bezieht sich auf die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der statischen und dynami­ schen Wachstumskräfte, die immer in einem dreiphasi­ gen Entwicklungsprozess ablaufen. Das Ganze ergibt eine umfassende Betrachtungsweise des

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astrologischen Häusersystems, das in diesem und in wei­ teren Büchern ausführlich behandelt wird.

Regeln für die Beurteilung der Häuser

Bei der Beurteilung der Häuser dürfen wir niemals ein einzelnes Haus alleine betrachten. Es steht immer in Be­ ziehung zu den anderen wirkenden Kräften des ganzen Häuser-Rades, des ganzen Bezugssystems. Viele betrachten die Häuser nebeneinandergereiht, jedes für sich selbst. Das wollen wir von Anfang an vermei­ den, denn dadurch entstehen Einseitigkeiten in der Beur­ teilung. Hingegen muss man auf die Besetzung und Be­ tonung der Häuser im ganzen Raumgefüge achten. Ein Mensch interessiert sich ganz natürlich für gewisse Lebensbereiche, für andere nicht. Er tut dies meistens deshalb, weil in manchen Häusern gar keine Planeten stehen, in anderen aber vielleicht zwei oder mehr. Wenn jemand keine Planeten in einem Haus hat, dann bleibt er für dieses bestimmte Lebensgebiet relativ desinteressiert. Er ist in seiner Jugend nicht an diese Lebensbereiche herangekommen, sie sind ihm fremd geblieben.

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In allen Horoskopen sind ein oder mehr Häuser nicht besetzt. Wir nehmen grundsätzlich nicht an allem teil, was das Leben zu bieten hat. Manchmal besteht wohl ein passi­ ves Interesse für einen solchen Bereich, aber wir haben gewisse Mühe damit, sobald entsprechende Angelegen­ heiten von aussen an uns herangetragen werden und wir uns notgedrungen damit beschäftigen müssen. Das ver­ langt eine Entwicklung über das Eigeninteresse hinaus mit der Anerkennung überpersönlicher Ziele, die nicht nur dem Einzelmenschen, sondern dem Ganzen, dem Ge­ meinwohl dienen. Eine solche Entwicklung kann erheb­ lich die Berufswahl beeinflussen, auch schon die schuli­ sche Ausbildung und die Lebenshaltung im allgemeinen.

Die verschiedenen Haus-Grössen ergeben eine wei­ tere Unterscheidung in der Deutung. Es gibt beispiels­ weise Häuser, die über zwei Zeichen hin reichen, wobei häufig ein Zeichen gar keine Häuserspitze hat. Die Ener­ gien dieser Zeichenqualitäten können nicht ins Leben hineinfliessen. Die Häuserspitzen oder Achsen sind die Kanäle, durch die Energien und Kräfte in der Umwelt, im Leben wirksam gemacht werden können. Wenn ein Zeichen »eingeschlossen« ist, also keine Häuserspitzen hat, dann wirken sich die Energien nicht direkt aus, und auch die Planeten, die evtl. darin stehen, können nicht als Wesenskräfte oder Instrumentarien voll eingesetzt werden. Mit solchen »eingeschlossenen Zeichen« hat man immer etwas Mühe; sie beschäftigen uns ständig, wenn auch meistens unbewusst. Wir finden keine wirkliche Lösung für die Problematik, die durch die entsprechende Häu­ serachse angezeigt ist.

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Dann gibt es auch Zeichen, die zwei Häuserspitzen ha­ ben. Hier ist es dann umgekehrt. Man kann voll und aktiv auf diesem Lebensgebiet tätig sein. Je nachdem, welche Planeten darin sind, entstehen auch leicht Über­ aktivitäten, man »tut um des Tuns willen«, man vergeu­ det leicht Energien und sieht andere Möglichkeiten nicht. Im Häusersystem kann man auch erkennen, in welchen Lebensgebieten die besten Möglichkeiten für ein beruf­ liches Vorwärtskommen liegen. Das hängt weitgehend von der dynamischen Richtung des Aspektbildes ab. Diese zielt meistens in irgendeinen Lebensbereich, in einen Raum des Horoskopes, nach oben, rechts, links oder unten, was durch die räumliche Orientierung des Aspektbildes im Häusersystem sichtbar wird. Das gibt uns ebenfalls einen wichtigen Hinweis auf die Zielrich­ tung der individuellen Entwicklung, die bei der Beurtei­ lung eines Horoskopes und bei der Beratung erstrangige Bedeutung hat. Man kann sich vorstellen, dass in einem Haus, in dem sich Planeten ansammeln und an dessen Spitze z. B. noch die Sonne steht, eine bestimmte tragende Wirkung, ein gewisser Durchbruch zur Umwelt vorhanden ist. Hier ist dann mehr zu gewinnen als zu verlieren. Im umge­ kehrten Falle, wenn beispielsweise der Mond ganz allein oder mit schwachen Aspekten im Mittelraum oder am sogenannten »Talpunkt« (der weiter unten näher erklärt wird) eines Hauses steht, dann kann man sagen, dass hier mehr gelitten als produziert wird, die Umwelt wirkt stark beeinflussend und bestimmend ein.

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Wenn z. B. im Aspektgefüge irgendwelche Lücken be­ stehen, sogenannte offene Stellen, dann werden die Um­ welteinflüsse durch diese »Löcher« hindurchdringen, bis ins innerste Wesen hinein. Der Mensch wird durch die Auswirkungen der Problemstellungen der entsprechen­ den Lebensgebiete (Häuser) empfindlich getroffen, im Innersten verletzt. Er ist für die hereinströmenden Ein­ flüsse weit offen und kann sich schwerlich dagegen wehren. Es fehlt die schützende Hülle. Besonders im Durchgang des Alterspunktes durch diese »offenen Stel­ len«, durch diese »Löcher im Aspektbild« oder »Risse im Gefüge«, kann es zu einschneidenden Krisen in der Ent­ wicklung kommen. Die Aspekte können für das empfindliche Innere einen Schutz darstellen, der die Einflüsse modifiziert, abschirmt oder umwandelt. Umgekehrt können rote Kreuzungen der Aspekte (zwei flach gekreuzte Quadrate) sogenannte »Mauern« gegenüber der Umwelt bilden, so dass man hier in keiner Weise nach aussen durchkommt. Ein Lebensgebiet oder Haus, das in dieser Weise abgesperrt oder blockiert ist, bleibt dem Bewusstsein grösstenteils verschlossen. Wenn hinter der »Mauer« Planeten stehen, stellen diese einen abgetrennten oder nicht gelebten Teil der menschlichen Psyche dar, der häufig Ursache von psychischen Störungen ist. Die Unterschiedlichkeit der Lebensmöglichkeiten für den einzelnen Menschen liegt nicht nur darin, dass ein­ zelne weniger Energie zur Verfügung haben oder weni­ ger Urvitalität, sondern dass diese Energien nicht genü­ gend frei funktionieren können und teilweise blockiert

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werden, sich bei ihrem Weg von innen nach aussen durch das eigene System bis zur Umwelt totlaufen. Es sind viele Möglichkeiten vorhanden, die diese aus dem Zentrum strömenden Energien aufhalten oder teilweise vernichten, bevor sie überhaupt zur Wirkung kommen.

Nota bene Trotz der ins einzelne gehenden Häuserbetrachtung darf man nicht vergessen, dass das Häusersystem als Ganzes wirksam ist. Man kann in der ganzheitlichen Sicht nicht einzelne Punkte hervorheben wie z. B. den Aszendenten und den MC. Bei manchen Astrologen tritt der Aszen­ dent sogar in Konkurrenz zum Sonnenstand. Wie wir aus den weiteren Betrachtungen sehen werden, sind sowohl der Aszendent wie auch der MC je einer von zwölf vergleichbaren Punkten. Es geht im Prinzip nicht an, diese Punkte über Gebühr hervorzuheben, nur weil diese mit dem ICH und der INDIVIDUALITÄT zu tun haben. Gerade AC und MC sind ja nicht das ICH selbst (wie z. B. die Sonne oder der Mond), sondern Abbilder des ICHs. Oder noch besser: sie sind Standorte, die ich in der Welt nach meinem subjektiven Mass einnehme. Die Sonne ist das vitale Prinzip des Selbstbewusstseins. Sie ist die zentrale ICH-Funktion, während der Aszendent der Ort des ICHs ist. Diese Unterscheidung muss man immer

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bei der Beurteilung eines Horoskopes berücksichtigen.

Der Aszendent und der »MC« müssen also immer in Relation zum Raumgefüge gesehen werden, sowohl zu den anliegenden wie auch zu den gegenüberliegenden Punkten. Das ICH ohne das DU (zu dem es Kontakt sucht), wie auch das Individuum ohne Kollektiv (an dem es sich misst), bleibt ein steriler Begriff ohne Bezug zur Realität, zur wirklichen Welt. Aspekte zum »AC« und zum »MC« zeichnen wir im Horoskop nicht ein, weil das Aspektbild eine ande­ re Bedeutung hat als das Häusersystem. Das Aspektbild zeigt die innere Struktur, die Kausalität des Bewusstseins auf, während das Häusersystem und so­ mit auch AC und MC die äussere Umwelt des Menschen darstellen. Es sind zwei verschiedene Bezugssysteme, die nur indirekt miteinander zu tun haben ( siehe Seite 20 und 21). Würden wir Aspekte auf den »AC« und den »MC« ein­ zeichnen, dann ergäbe das ein verfälschtes Aspektbild, das nicht die wahre Bewusstseinsstruktur des Menschen aus­ drückt. Lediglich bei Partnerschaftsvergleichen und bei den Pro­ gressionen (Alterspunkt, Direktionen oder Transite) werden Aspekte zum »AC«, zum »MC« und zu anderen Häuserspitzen berücksichtigt.

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Detaillierte Darstellung der Häuser als Raumgefüge

• Orientierung • Das Fadenkreuz • Die Waagerechte - Horizont-Achse • Die Senkrechte - Meridian • Die linke Hälfte die ICH-Seite • Die rechte Hälfte - die DU-Seite • Die untere Hälfte - der unbewusste Bereich • Die obere Hälfte - der bewusste Bereich •

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1. Orientierung Unsere ganze Orientierung im physischen Raum, aber auch unsere psychologische und geistige Orientierung, fusst reflexhaft auf einem Oben und Unten, auf einem Links und Rechts. Darauf ist unsere ganze Denk- und Lebensweise eingestellt. Ohne diese Orientierung wären wir hilflos und lebensunfähig. Das Häusersystem ist nichts anderes als dieses körperbezo­ gene Bezugssystem, nach dem wir uns im Kosmos und im Leben, in Raum und Zeit orientieren können.

Zur weiteren Betrachtung nehmen wir die Abbildung auf Seite 82. Wir erkennen darauf klar die räumliche Einteilung, die wir im folgenden einzeln behandeln wollen. Wenn wir in das Horoskop ein Kreuz einzeichnen, ent­ stehen vier Teile, die in verschiedener Weise betrachtet werden können. 1. Das Fadenkreuz 2. Linke Hälfte 3. Rechte Hälfte 4. Obere Hälfte 5. Untere Hälfte 6. Die 4 Quadranten

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— Ich-Du, KollektivIndividuum — Der ICH-Raum — Der DU-Raum — Der bewusste Raum — Der unbewusste Raum — Trieb, Instinkt, Denken, Sein

2. Das Fadenkreuz - dieWaagerechte und die Senkrechte Die vier Kardinalpunkte AC - DC, IC - MC

Wir teilen das Horoskop in 4 Teile, die auf der Zeich­ nung klar ersichtlich sind. Durch diese Teilung entsteht ein Fadenkreuz oder Achsenkreuz (horizontal und verti­ kal). Das ist in der Astrologie ein kardinal wichtiger Fak­ tor, den wir stets im Auge behalten müssen. Auf ihm fusst alles, ob Tierkreis, ob Häusersystem. Es sind zwei ganz natürliche Linien, von der Natur abgeschaut und als solche schon am Anfang allen astrologischen Denkens vorhanden. Sie sind das eigentliche Koordinatensystem oder das Fadenkreuz, nach dem sich alles richtet, das uns die Orientierung gibt.

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Die Unterteilung der daraus entstehenden Viertel wurde von Stufe zu Stufe in der astrologischen Entwicklung geändert. Zuerst hat man ein Viertel nur in zwei Hälften geteilt. Daraus ergaben sich nur 8 Häuser. Erst später, vor ca. 2300 - 2400 Jahren, hat sich die Zwölfteilung durch­ gesetzt, wobei man jeweils das Viertel in drei gleich grosse Teile unterteilte. Die Viererteilung ist sehr plausibel und organisch. Mit etwas Übung bekommen wir sie bald in den Griff Wir können dieses Fadenkreuz mit Leichtigkeit zeichnen, es sehen und uns mit ihm identifizieren.

Wir können uns vorstel­ len, dass wir im Kreis, in der Mitte stehen. Die Figur steht senkrecht, und wir sehen uns in der Figur von hinten. Die Figur schaut nach Süden. Osten ist links, Westen ist rechts, MC = der Kopf, AC = die linke Hand, DC = die rech­ te Hand, IC = der Punkt unmittelbar unter uns, die Ver­ längerung unserer Körperachse durch die Erde hindurch. Links und rechts schneidet der Blick die Horizontlinie vom Aszendenten zum Deszendenten. Aszendent heisst aufsteigend, Deszendent absteigend. Auf der linken Seite sehe ich mein ICH, das eigene Bild, das ich mir von ihm mache - das was ich bin. Auf der rechten Seite sehe ich das DU, die Umwelt und alles, was damit zusammen­ hängt - das was auf mich zukommt.

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Die WAAGERECHTE - Horizont-Achse Sie ist der Boden, auf dem wir sicher stehen und uns im Raum bewegen können. Auf einem ebenen Boden kann man gehen, ohne hinzusehen. Man kann sich auf die Welt einstellen, kann sich auf seine Mitmenschen, auf seinen Partner konzentrieren, ihm begegnen, mit den Augen, mit dem ganzen Wesen. Es ist die natürlichste Basis, auf der wir leben und funktionieren, uns mehr oder weniger bewusst betätigen können. Es ist der Bo­ den, auf dem sich unser Leben abspielt. Links ist das ICH, rechts das DU. Man nennt diese Achse deshalb auch die Begegnungsachse. Jede Begegnung mit der Um­ welt, auch mit Dingen und Situationen, verläuft in dieser Richtung. Der As­ zendent und der Deszendent sind zwei wichtige Punkte im Horoskop. Am AC stehen wir selbst, das ICH, und beim DC steht jeder Mensch, der uns begegnet, das DU. Alles, was an Menschlichem, aber auch im weiteren Sin­ ne an Tierischem, an Pflanzlichem, an Gegenständ­ lichem, an Situationsgemässem uns begegnen kann, spielt sich hier ab. Diese Beziehungsfunktionen sind ständig in Wirkung, solange wir wach oder hochaktiv sind. Wenn wir nur so dahinleben, verpassen wir manche Gelegenheiten, die uns das Leben bietet. Auch wenn wir nicht danach fra­

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gen, kommen Dinge und Menschen auf uns zu, fordern unsere Aufmerksamkeit oder Anteilnahme, unsere Ak­ tion. Wenn wir unsere Ruhe haben und uns zurückzie­ hen wollen, aber jemand zwingend an unsere Tür klopft, uns braucht oder etwas zu Recht verlangt, dann müssen wir reagieren, ob wir wollen oder nicht. Wir sollten versuchen, diese Funktionen in den Griff zu bekommen, sonst können sich die Schwierigkeiten bis zur Kontaktsperre entwickeln, vor allem, wenn im Ho­ roskop eine sogenannte ICH-DU-Verspannung durch oppositäre Aspekte besteht. Die Waagerechte könnte man auch mit dem Begriff Gleichstellung bezeichnen. Man muss dem DU auf gleicher Ebene begegnen, damit man sich findet. Der an­ dere akzeptiert nicht, wenn ich mich über ihn stelle, denn dann befinde ich mich bereits auf der senkrechten Achse. Auf der waagerechten Linie soll man sich als Gleichwertige treffen, d h. als Bruder, als Partner, als Mensch. Es handelt sich hier im Grunde nicht um eine Unterscheidung, sondern um eine Gleichstellung. Die Unterscheidung, die hier auf dieser Ebene gemacht wird, ist: Da bin ich und dort bist DU. Man steht einan­ der gegenüber. Wenn die Unterscheidung zwischen dem ICH und dem DU zu gross wird, ziehen wir eine Grenze, die eine echte menschliche Begegnung unmöglich macht. Wir richten eine Barriere zwischen uns und den Mitmenschen auf, die so hoch werden kann, dass wir kontaktunfähig werden. Dies ist bereits ein feindlicher Akt, der entsprechende Reaktionen beim DU hervor­

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ruft. Meistens auch eine Grenzziehung, eine Ablehnung oder aggressive Zurückweisung. Wir klagen dann das DU an, dass es nichts von uns wissen will und vergessen, dass wir selbst diese Schranke aufgerichtet haben und sie auch selbst wieder niederreissen müssen. Andererseits kann man sich auch zu sehr mit dem DU beschäftigen. Wenn man z. B. nicht alleine sein kann und mit allen Mitteln versucht, die Aufmerksamkeit, die Anteilnahme oder Bestätigung anderer Menschen zu erhalten, dann wird man ihnen sehr schnell auf »die Nerven fallen« und eine empfindliche Zurechtweisung erfahren. Auch wenn man sich aufdringlich in Angelegenheiten mischt, die einen nichts angehen, muss man mit Schwierigkeiten in der ICH-DU-Beziehung rechnen. Diese Möglichkeiten im Kontaktverhalten sind durch die Planetenbesetzung im ICH-DU-Bereich des Horoskskopes angezeigt. Nähere Einzelheiten über die Probleme auf dieser Achse und ihre Lösungsmöglichkeiten können Sie im Kapitel über die »Polaritäten der Achsen« nachlesen. Es ist interessant, dass die alten Häusersysteme auf den Horizont bezogen sind, während das neue Häusersystem, das wir verwenden, auf die Senkrechte, also den Meridian, bezogen ist. Das alte System hatte sich also noch wesentlich auf die ICH-DU-Problematik ausgerichtet, während das neue sich auf die Individualachse, also auf die Senkrechte, bezieht. Man bezeichnet den Aszendenten auch als ICH-Punkt und den Deszendenten als DU-Punkt.

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Der ICH-Punkt ist der Aszendent und der Beginn der Häusereinteilung. Hier ist das ICH-Bild, die Eigen-Vorstellung von sich selbst: So möchte ich von der Umwelt ge­ sehen werden (Image). Zeichen und Planeten direkt auf dem AC haben eine starke Wirkung und können durch das ICH in besonderer Weise aktiviert werden. Umge­ kehrt sind auch die entsprechenden Planetenqualitäten dem ICH aufgeprägt, so dass sich dieses z. B. »sonnen­ haft«, »merkurisch« oder »marsisch« äussern, je nachdem, welche Planeten am Aszendenten stehen. Der DU-Punkt ist der Deszendent und kennzeichnet das Überschreiten des Horizon­ tes; das Du wird dort sichtbar, tritt in unser Blickfeld. Auch hier sind die Planeten wichti­ ge Hinweise, wie wir das DU sehen, wie es auf uns einwirkt und wie wir reagieren. Zeichen und Planeten im Bereich des DU-Punktes sind eine Forderung an die Umwelt - ein primäres, wenn auch oft unbewusstes Auswahlkriterium (Selektivmechanismus).

Die SENKRECHTE - Meridian Die Senkrechte ist für uns das Lot und daher sehr wichtig, weil wir ja als Menschen aufrecht gehen. Wenn wir diese Linie nicht irgendwie im Gespür haben, können wir nicht aufrecht gehen. Wir wür­ den schwanken und müssten uns dauernd festhalten. Im

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Körper eingebaute spezielle Organe sagen uns immer, was senkrecht ist. Wenn man lange in einer nicht ganz senkrechten Position steht, dann wird das körperlich sehr unangenehm empfunden. Es ist auch psychisch wichtig, die Senkrechte bewusst zu erleben, denn sie ist das Sym­ bol des Selbstbewusstseins. Wer ständig gebeugt geht, wird ein schwaches Selbstbewusstsein haben. Ein auf­ rechter Mensch wird selbstbewusst der Welt entgegentreten und sich nicht so leicht um- oder unterwerfen lassen. Auch haben wir durch das Aufgerichtetsein mehr Über­ blick; man kann viel weiter sehen und die Dinge besser überwachen, die geschehen. Wir wollen ja den Kopf möglichst immer oben behalten. Wir haben es nicht ger­ ne, wenn wir die Kontrolle über die Vorgänge rund um uns herum verlieren und den Umständen ausgeliefert sind. Sobald man aus der Senkrechten herausfällt, fühlt man sich seiner eigenen Sicherheit und Freiheit beraubt. Solange man senkrecht stellt, auch wenn man kämpfen muss, fühlt man sich einigermassen sicher, man ist noch in voller Abwehrkraft. Wenn aber irgendetwas oder ir­ gendjemand einen zwingt, in die Knie zu ge­ hen, dann kann man leicht sein Selbstbewusst­ sein verlieren und sich kriechend beugen. Das sind sehr bildhafte Darstellungen. Sie sind aber an­ schaulich und gehen uns ein, weil sie tiefe Wahrheiten in unserem Leben darstellen. Es ist sehr gesund, dieses Be­ dürfnis nach Senkrechtsein bewusster zu machen. Man kann dann mehr mit sich selbst anfangen. Das Selbstbe­ wusstsein bekommt ein gesundes »Rückgrat«.

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Deshalb ist die Senkrechte im Horoskop die Individual­ achse. Sie beginnt am tiefsten Punkt, dem IC, der Her­ kunft, dem Familienschoss, dem Kollektiv und führt nach oben zum höchsten Punkt, dem MC, zur bewuss­ ten Individualität

Die Senkrechte kann auch als eine hierarchische Ordnung oder Unterscheidung verstanden werden. Der Mensch wächst von unten nach oben und durchschreitet dabei auch gewisse Stufen, Reifungsprozesse und soziale Schichten. Ein Mensch, der diese Achse stark besetzt hat, neigt dazu, in hierarchischen Unterscheidungsbegriffen zu denken. Er unterscheidet zwischen klein und gross, reich und arm, zwischen wichtigen und unwichtigen Leuten etc. Das Kollektiv ist einer anonymen Masse und das Individuum einer daraus herausragenden Bergspitze vergleichbar. Jegliches hierarchische Denken kommt aus dieser Achse. Es resultiert aus der Gegenüberstellung von Individuum und Kollektiv und entspricht dem Bedürfnis des Indivi­ duums, sich der Masse gegenüber abzuheben. Der Mensch will Anerkennung seiner Einzigartigkeit, des­ halb betont er alles, was ihn unterscheidet. Werturteile, Rangordnungen und Machtstreben können Mittel zu diesem Zweck sein. An den Extrempolen der senkrechten Linie unter­ scheidet man wieder zwei Punkte, die besondere Bedeu­ tung haben. (Eigentlich ist es nicht richtig, von Punkten zu sprechen. In Wirklichkeit handelt es sich um Räume, wie wir später noch ausführlich behandeln werden).

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Der Individualpunkt, die höchste Spitze im Horoskop, ist vergleichbar unserem Kopf, in dem wir bekanntlich am individuellsten sind. Unser Denken ist aktiv, und wir identifizieren es mit unserem ICH. Planeten, die hier an der höchsten Spitze stehen, prägen unser Denken und unsere individuelle Eigenart ganz be­ sonders. Es fällt beispielsweise sofort auf, wenn ein Mensch »uranisch« voller neuer Ideen oder »merkurisch« als Ubermittler von Ideen oder als Redner auftritt. Die Sonne an diesem Punkt ist ein Zeichen einer starken Selbstbewusstheit, ein Mensch mit hocherhobenem Haupte, durch den die Individualität erkennend und handelnd wirken kann.

Den Kollektivpunkt haben wir dann als Gegenpol im unteren Raum. Hier sind unsere Wurzeln, da kommen wir her. Es ist der Wurzelboden, in dem wir gewachsen sind, sei es die Familie oder ein grösseres oder kleineres Kollektiv. Wenn wir die Sonne dort haben, dann wollen wir uns nicht als Individuum zu sehr unterscheiden; wir bemü­ hen uns um das »Dazugehören«, das »Akzeptiertwerden«. Je nach der Qualität der Planeten oder Zeichenbesetzung ordnen wir uns ein, sind dienerisch unterwürfig oder aufsässig gegenüber dem Kollektiv und der Familie, von ihnen aber abhängig. Wir suchen entweder die Gleich­ heit und Übereinstimmung mit anderen, oder wir leiden

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unter dem Druck der kollektiven Verpflichtungen und Entbehrungen.

Normen,

Zwänge,

3. Die linke Hälfte - die ICH-Seite Das ICH ist hier das steuernde und regelnde Prinzip, so­ wohl der eigenen inneren, unbewussten Funktionen, die der Erhaltung des Lebens dienen, wie auch der bewuss­ ten Selbsterfahrung. Es ist der innere Raum. Innen ist immer in mir, ist also meine Privat- oder Intimsphäre. Das bin ich selbst mit meinen physischen, psychischen und geistigen Interessen, Bedürfnissen, Nöten und Freuden. Hier wird alles auf das eigene ICH bezogen, die Welt an sich selbst gemessen, bewertet und beurteilt. Hier muss zuerst alles mit mir selbst stimmen, ins Reine gebracht werden, bevor ich mich den anderen zuwende. Ich erkenne mich selbst an meiner Denk- und Reaktionsweise, ich kenne meine eigenen Wünsche, meine eigenen Bedürfnisse. Diese werden hier in erster Linie wahrgenommen, ich setze mich auch dafür ein, bewusst oder unbewusst. Immer geht es um die eigene ICH-Erhaltung und SelbstManifestation.

Planeten auf der ICH-Seite. Diese Organe oder We­ senskräfte können durch das ICH gesteuert werden. Sie sind brauchbare Werkzeuge für die Ich-Manifestation und die Ich-Erfahrung. Planeten in der linken Hälfte des 74

Horoskopes deuten aber auch auf Eigeninteressen, auf egozentrische oder individualistische Züge, je nachdem, ob sie oben oder unten liegen. Im negativen Falle kön­ nen wir uns hier aber auch von der Welt abschliessen, uns in uns selbst zurückziehen, verkapseln und die Welt mit Verachtung strafen, dadurch aber auch freudlos und aktionsunfähig werden. Durch eine zu starke IchKonzentration oder Abschliessung sind wir ohne leben­ digen Austausch mit der Welt, kontaktarm, vielleicht so­ gar despotisch oder scheu und unfähig, in der Welt wirksam zu werden. Wir können aber auch in uns so gefestigt sein, dass wir den Anstürmen des Lebens, den Anforderungen der Aussenwelt gewappnet gegenüberstehen und uns nicht so leicht durch äussere Ereignisse umwerfen lassen. Menschen mit Linkslagerung im Horoskop, das heisst mit Planeten vorwiegend in diesem Raum, haben oft Kontaktschwierigkeiten. Sie kommen nicht so leicht aus sich heraus und neigen eventuell zu Falschbeurteilungen der anderen, die aus einem zu starken Übertragen des eigenen Massstabes auf andere resultieren. Sie sind wohl zu Kontakten fähig, aber sie scheuen sich, tiefere Kon­ takte einzugehen, denn sie haben Angst vor Verletzung ihres eigenen ICH-Bereiches; sie neigen zur Introversion.

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4. Die rechte Hälfte-die DU Seite Alles in dieser Hälfte, in diesem Raum, bezieht sich auf die Umwelt, auf das, was ausserhalb meiner selbst liegt. Hier ist der Bereich des DU, des anderen Menschen, der menschlichen Gesellschaft. Hier finden wir alles, was Menschen geschaffen haben: Gedankensysteme, Gesellschaftsstrukturen, soziale Einrichtungen, wirtschaftliche Notwendigkeiten, Pflichten und Verantwortungen, Verhaltensnormen etc. Auf der DU-Seite ist auch angezeigt, wie ich auf meine Umwelt reagiere und wie die Umwelt auf mich ein­ wirkt. Es ist im Horoskop der Bereich, in dem man den Mitmenschen kennenlernt, ihm begegnet und die Welt und ihre Struktur verstehen lernt, sich ihr anpasst oder sich ablehnend verhält. Man ist vorwiegend an der Welt und der Auseinander­ setzung mit ihr interessiert. Dies kann zu einer starken Extraversion und bei Überbetonung zu einer Selbstentfremdung führen. Planeten auf der DU-Seite sind auf das DU eingestellt. Mit ihnen können wir mit der Welt in Kontakt kom­ men, auf das DU eingehen oder umgekehrt, bei Span­ nungsaspekten oder »harten Planeten«, unter dem DU leiden. Hier kommt man in Berührung mit dem Räder­ werk der Welt, mit Pflichten, die wir gegenüber dem DU, gegenüber der Gesellschaft haben, mit Freuden und Leiden, je nachdem, welche Häuser besetzt sind. Wir können entweder helfen und anderen Menschen liebend

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zur Seite stehen, oder wir können sie ablehnen. Wir kön­ nen Menschen manipulieren, sie uns gefügig machen, oder wir können selbst zum Sklaven anderer werden. Die Rechtslagerung im Horoskop zeigt immer an, wie wir auf die Welt und ihre Anforderungen reagieren. Wir können diese entweder erfüllen und erfolgreich sein, oder wir können darunter leiden und sogar an ihnen zer­ brechen. All dies kann man aus den Stellungen der Planeten auf der DU-Seite des Horoskopes erkennen. Sie zeigen an, in welcher Weise wir versuchen, auf unsere Umwelt ein­ zuwirken und auch, in welchem Sinne wir durch unsere Umwelt beeinflusst und geformt oder sogar zu ihrem Produkt werden können.

5. Die untere Hälfte der unbewusste Bereich Hier sind die unbewussten Trieb- und InstinktMechanismen wirksam, die ohne unser Zutun, ohne un­ sere bewusste Steuerung funktionieren. Es gibt im astro­ logischen Konzept die Unterscheidung zwischen dem bewussten und dem unbewussten Funktionieren, genau wie in der Psychologie. Vom unteren Raum wissen wir nicht viel, meistens überhaupt nichts. Wir müssen zuerst lernen, dass die Erde eine Kugel ist und dass der Himmel auf der anderen Seite weitergeht. Früher bestand die An­

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sicht, dass die Welt aus einer Platte und einer Halbkugelschale bestehe, an der die Götter die Sterne vorbeiziehen. Das war eine primitive Anschauung, die so lange be­ stand, bis ein grösseres und umfassenderes Wissen gefun­ den wurde. Genau so ist es mit dem unbewuss­ ten Raum. Von ihm wissen wir nicht viel. Alle Erleb­ nisse und Erfahrungen werden hier aufgespeichert, sin­ ken sozusagen ins Unbewusste ab und bilden dort ein eigenständiges System psychologischer Mechanismen und Antriebe, die unser Handeln instinktmässig steuern (Konditionierung und Automatismen).

Die Planeten in der unteren Hälfte sind für unser bewusstes Handeln schwierig einzusetzen. Wir reagieren meistens instinkthaft oder triebmässig, reflexartig auf sie. Wir erkennen dann meistens erst an den Resultaten, die dieses reflexmässige Reagieren hervorgerufen hat, was wir eigentlich gemacht haben. Man spricht in der astrologischen Terminologie bei den Zeichen und Planeten unter dem Horizont von einem »Sich-durch-sein-Tun-Erleben«. Man tut - und dadurch erlebt man sich. Deshalb ist der untere Raum auch der Tatbereich, der Raum der Tätigkeit, der Aktivität, in dem wir sehr tief und reflexmässig funktionieren und das tun, was uns aufgetragen ist und was wir gelernt ha­ ben. Menschen, Hälfte des gruppiert, borgenheit,

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die vorwiegend Planeten in der unteren Horoskopes haben, besonders um den IC versuchen vor allem das Bedürfnis nach Ge­ nach Sicherheit zu decken. Diese sucht man

in der Familie oder einem grösseren oder kleineren Kol­ lektiv, in einer Gemeinschaft, in die man sich auch willig einfügt, ihre Strukturen und Gesetze anerkennt und sich scheut, eigene Wege zu gehen.

6. Die obere Hälfte der bewusste Bereich Er beinhaltet all das, was wir im Leben bewusst erleben, sehen und wahrnehmen. Wir sind hier imstande, alle Eindrücke unmittelbar zu erfassen und denkend zu ver­ arbeiten, vorausschauend zu planen und zu handeln. Das Denken ist meist stark entwickelt, es kann funktionieren, überlegen, Stellung beziehen und Entscheidungen tref­ fen. Der Wille kommt zur Anwendung, es bestellt eine relative Freiheit von triebhaften, ungesteuerten Reaktio­ nen. Man macht sich Gedanken über die Welt und erkennt klar und sicher seinen eigenen Stand in ihr. Dadurch be­ steht die Möglichkeit, sich in der menschlichen Gesell­ schaft einen Platz zu schaffen, da man sich mit dem Ein­ zelnen und der Gesellschaft bewusst in Beziehung brin­ gen kann. Das ICH ist sich seiner bewusst, die ICH-Wahrnehmung ist nicht mehr von unbewussten Reflexen abhängig, sondern kann bewusst in der Welt wirksam werden, sich der Welt selbstbewusst präsentieren.

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Planeten in der oberen Hälfte zeigen auf eine grösse­ re Selbstsicherheit. Sie sind Fähigkeiten, mit denen wir im Leben bewusst funktionieren können, weil sie über dem Horizont im Tageslicht stehen. Wir können be­ wusst planen, etwas überdenken, mit Bedacht und weiser Voraussicht handeln. Im oberen Bereich haben wir deshalb mehr den theore­ tischen Teil, im Gegensatz zum unteren, der der Tat zu­ gewandt ist. Wenn alle Planeten oben stehen, besteht aber die Gefahr, dass man im Theoretischen hängen bleibt, indem man nur in einer ausgedachten Welt lebt, die mit der Wirk­ lichkeit nicht übereinstimmt. Auch Selbstüberheblichkeit, Stolz und Dünkel können durch entsprechend schwierige Konstellationen angezeigt sein.

Die Obenlagerung im Horoskop zeigt meistens eine selbstbewusste Persönlichkeit an, die in irgendeiner Wei­ se über die Masse herausragen möchte und nach einer selbständigen Aufgabe im Leben strebt. Diese Menschen können sich auch nicht leicht unterordnen, haben ihre eigene Meinung und auch den Mut, vor die Welt hinzu­ treten, ihre Rechte zu fordern, andere zu leiten und zu führen. Oft haben sie eine natürliche Autorität, die von anderen willig anerkannt wird. Manchmal sind sie aber auch anmassend und neigen zur Diskriminierung der Rechte anderer.

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Die Quadranten

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Die Quadranten

Der 1. Quadrant • Der 2. Quadrant • Der 3. Quadrant • Der 4. Quadrant • Die zwölf astrologischen Häuser •

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Das Fadenkreuz teilt das Horoskop in 4 Teile ein, die eine weitere Ver­ feinerung der psychologischen De­ finition bringen. In der Zeichnung auf Seite 82 finden wir die Bezeichnungen Trieb - Instinkt - Denken - Sein (entgegen dem Uhrzeigersinn gezählt). Die Quadranten sind Themenbereiche, die uns eine deutliche Orientierung geben. Es gibt Horoskope, in de­ nen alle Planeten in einem der Quadranten versammelt sind. Wir erkennen sofort, dass das Hauptinteresse dieses Menschen und auch seine besten Möglichkeiten im we­ sentlichen in diesem Bereich des Lebens liegen. Er funk­ tioniert und reagiert dort automatisch am stärksten und intensivsten. Das heisst nicht immer, dass er in den ande­ ren gar nicht funktioniert, aber am meisten dort, wo die Planetenansammlung liegt. Da lernt er auch am leichte­ sten, kann am besten aus der Situation, aus den Gegeben­ heiten etwas machen und seine Kräfte erfolgreich einsetzen. Das Funktionieren ist in jedem Quadranten anders. Diese Vierteilung ist ausserordentlich aussagekräftig. Auch der Geübte sollte zuerst ein Horoskop unter die­ sem Gesichtspunkt angehen und nicht gleich mit Planetenstellungen beginnen. Als erstes sollte man immer die Gewichtsverteilung in den Hälften oben, unten, rechts und links, und dann in den Vierteln betrachten. Dies er­ gibt eine Hauptthematik, eine Proportion des Ganzen.

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Wer nur einzelne Stellungen im Horoskop beachtet, verliert sich im Detail, ohne sich klar zu sein, ob das ein ‘ wichtiges oder ein weniger wichtiges, ein günstiges oder ein ungünstiges Detail ist. Man sollte sich also zuerst über die proportionalen Verhältnisse orientieren, und das er­ reicht man, indem man erkennt, wie die Planeten in den Quadranten verteilt sind

Der 1. Quadrant Trieb Ich-Beharrung, Erbanlagen, Konstitution 1., 2. und 3. Haus Die ersten 3 Häuser sind das erste Viertel im Horoskop, oder der 1. Quadrant. Es ist der Teil von uns selbst, den wir nicht genug kennen, weil er sich unter dem Hori­ zont befindet. Und trotzdem hat er mit dem ICH zu tun, mit der ichbezogenen Welt. Dieses ICH lebt hier aber im Bereich der undifferenzierten, triebgesteuerten Selbsterhaltungsfunktionen. Deshalb zeichnen sich in die­ sem Quadranten in erster Linie die Erbanlagen, die Kon­ stitution der Triebnatur ab. Wir sehen hier, wie der Mensch sich gegenüber den Unbillen der Natur und der menschlichen Umwelt zur Wehr setzt, um zu überleben. Ausgerichtet auf instinktive Selbstverteidigung baut er Sicherheits- und Schutzmassnahmen auf, beobachtet und lernt, sich zu erhalten, das Leben zu bemeistern. Das Leben ist hier dinghaft, auf sich bezogen, defensiv, es be­ steht aus Objekten.

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Die Hauptmotivierung dieses Quadranten ist die Selbsterhaltung.

Die Sonne oder Planeten im 1. Quadranten Diese sind hier vorwiegend auf die lebenserhaltenden Funktionen eingestellt und tatbetont. Die Triebkräfte kommen stark zum Zuge. Dieser Sektor sorgt dafür, dass wir überhaupt existieren und überleben. Wir müssen uns ernähren, müssen uns schützen und für Fortpflanzung sorgen. Das sind Triebfunktionen, die wir mit der Sonne im 1. Quadranten zu lenken versuchen, doch das fällt nicht leicht. Immer wieder stellen wir fest, dass wir schon reagiert haben, bevor wir uns der Situation bewusstge­ worden sind. Die Triebfunktionen setzen aufgrund einer dringlichen Situation automatisch ein. Eine solchc Sonne hat es deshalb schwerer, sich ihrer selbst bewusst zu sein. Sie erkennt immer erst nach einer gewissen Zeit, nach der Tat, was wirklich geschehen ist. Das Erkennen erfolgt durch das Tun. Man lernt aus Er­ fahrung. In der Zeichnung auf Seite 82 sehen wir, dass dieser Quadrant in drei gleich grosse Teile, in die Häuser, ein­ geteilt ist (im äusseren Band). Auch diese drei Räume ha­ ben einen speziellen Themenkreis innerhalb der Thematik des 1. Quadranten Wenn beispielsweise dort Planeten ste­ hen, dann sind sie durch die Qualität dieser Felder bestimmt. Im 1. Haus erleben wir uns als ICH mit all seinen tricb-

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massigen Ansprüchen an die Welt. Wir haben eine be­ stimmte Vorstellung, ein bestimmtes Bild von uns und möchten gerne denken: die Welt gehört mir. Hier sind wir eine Erscheinung, eine physische Gestalt, die den Menschen gegenübertritt und als solche auch von der Umwelt respektiert und wahrgenommen sein will. Wir bemühen uns deshalb, ein bestimmtes »Image« zu haben, einen möglichst guten Eindruck zu machen und Wech­ sel» dementsprechend auch häufig unsere Masken; wir manipulieren unseren »Habitus«, unsere Erscheinung.

Im 2. Haus sind wir mit der Lebenserhaltung beschäf­ tigt, sorgen für Nahrung, Sicherheit, Vorrat. Wir eignen uns Substanzen, Talente und Fähigkeiten an, um diese nutzbringend im Leben zu verwenden. Hier sind wir Be­ sitzende, sei es Grundbesitz, Geldbesitz oder geistiger Besitz. Alles, was zur Lebenserhaltung und Lebenssicherung gehört, zeichnet sich hier ab. Es ist das Feld der Ökonomie im kleinsten wie im weitesten Sinne. Deshalb bauen wir auch hier leicht Schutzmauern, um uns selbst und unseren Besitz abzusichern. Das ICH ist auf Selbst­ verteidigung ausgerichtet; das Eigenwertgefühl steigt mit dem Besitz, stützt sich auf das, was man hat, zu dem Dinge, Begabungen, Können wie auch Menschen gehö­ ren. Im 3. Haus wird die erste Verbindung mit der Um­ welt hergestellt. Es gibt Aufschluss über Beziehungen zu Geschwistern, Verwandten und Nachbarn, über den nächsten Umkreis, seine Denkweise und geistige Einstel­ lung, über das kollektive Denken also, das wir aus diesem engeren Umkreis als Prägung mitbekommen. Hier ist 87

angezeigt, in welcher Weise wir versuchen, uns dieser Umwelt anzupassen und auch gleichzeitig, in welchem Grade wir durch diese Umwelt beeinflusst und geformt werden. Dieses Mass prägt das kollektive, das umge­ bungsabhängige Denken.

Der 2. Quadrant Instinkt Umwelt-Beherrschung, Aktion-ReaktionsMechanismus, Konditionierung 4., 5. und 6. Haus Der Quadrant unten rechts zum Deszendenten hin stellt das Unbewusste dar, das vom Kollektiv und vom DU her bestimmt wird. Hier zeichnet sich die sogenannte Konditionierung ab, also das, was sich bereits in der Ju­ gend in uns als Reaktion auf die Einflussnahme der Umwelt bildet. Es sind Erziehungsresultate und Umwelteinflüsse, unser Heim, in dem wir aufgewachsen sind, in dem bestimmte Normen und Formen vorherrschen, spezifische Sitten und Gebräuche. Es sind unsere Lehrer, die auf uns ein­ wirken, die Pfarrer im Religionsunterricht, der Polizist auf der Strasse, die Spielgefährten, die Freunde, die ersten Liebeserlebnisse. Das sind bereits in frühester Jugend be­ ginnende und bis in die Mitte des Lebens hinein stark wirksame konditionierende Kräfte, die unserer Trieban-

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lage förderlich oder auch hinderlich sein können und unser Kontaktverhalten prägen. Aus diesen Erlebnissen und Erfahrungen entwickeln sich Sympathien und Antipathien, die sich mit der Zeit zu schablonenhaften Gefühlen, zu einem Aktions-Reaktions-Mcchanismus verdichten, der unwillkürlich rea­ giert oder agiert, reflexmässig oder instinktiv. Diese Instinktmechanismen bilden sich an der Erfahrung mit Personen, die mit uns in Berührung kommen und mit denen wir es zu tun haben. Das Leben wird in diesem Quadranten als eine Welt der Subjekte erlebt. Die Grundhaltung ist offensiv und betont emotional.

Die Sonne oder Planeten im 2. Quadranten Auch hier herrscht das unbewusste Tun und Reagieren vor. Man lernt durch die Erfahrung, durch die hautnahe Berührung mit dem DU; denn dieser Quadrant hat mit dem DU zu tun (rechtsliegend). Die Kontaktneigung, auch vom Verstand her, ist stark ausgeprägt. Das Interesse an der Umwelt ist hellwach, aber doch vorwiegend sensorisch gesteuert. Hier wirkt sich ein hochkomplexer Instinktapparat mit einem gi­ gantischen Reflexmechanismus aus, der lehrt, auf die subtilsten Feinheiten zu reagieren. Man lernt mit den Werkzeugen des Lebens umzugehen, seien diese körper­

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licher oder psychischer Art. Dabei kann man sich aber auch im TUN an sich verlieren und alles nur noch am Massstab der Leistung messen. Der Mensch mit der Sonne in diesem Quadranten erlebt sich selbst im Kontakt mit dem DU. Deshalb ist es wich­ tig, sein Selbstbewusstsein wahrzunehmen. Entsprechen­ de Überbetonungen bis zum Grad der Aggression kön­ nen hier angezeigt sein. Auch dieser Quadrant kann in drei Felder oder Häuser unterteilt werden.

Das 4. Haus entspricht der Herkunft, dem Ursprung, aus dem wir stammen - praktisch dem Elternhaus. Es ist das ursprüngliche »Nest«, unsere Vorstellung davon und auch, wie unser eigenes Heim einmal aussehen soll. Es ist der Ort, wo wir aufgewachsen sind, wodurch unsere In­ dividualität und unser Charakter zu einem bestimmten Grade vorgeformt wurden. Deshalb spricht man hier von der Tradition, den konservativen Einstellungen und von gemütshaften Familienbanden, von Kollektivabhängigkeit. Hier ziehen wir uns auch zurück in die eigene Häuslich­ keit und ins Privatleben. Es zeigt an, wie wir uns dort verhalten, welche Beziehungen wir zur eigenen Familie, zum Kollektiv haben.

Im 5. Haus ist man experimentierfreudig, unterneh­ mungslustig. Man erprobt hier sich selbst im engen Kon­ takt und wird die Erotik mit all ihren Hoffnungen und 90

Enttäuschungen erleben. Wir wollen eigene Erfahrun­ gen sammeln, alles selbst erleben, ausprobieren, aufs Spiel setzen. Deshalb wird es auch das Haus der schöpferischen Kräfte, der Künste, Spiele, der Liebe, der Kinder usw. ge­ nannt. Das 5. Haus dient sehr wesentlich der Selbstver­ wirklichung. Aus den Planetenstellungen kann man er­ sehen, auf welche Weise wir das vollbringen, ob wir eine natürliche Selbstdarstellung oder nur ein Imponiergehabe entwickeln.

Im 6. Haus findet der Existenzkampf statt, das sich Un­ terwerfen unter die Notwendigkeiten des Lebens. Hier müssen wir uns bewähren, die Fehler aus der Unver­ nunft des 5. Hauses wieder gut machen oder die Folgen tragen. Es zeigt die Art der Durchsetzung an, aber auch die Niederlagen und die oft daraus resultierenden psy­ chosomatischen Prozesse, die Krankheiten, Arbeit, Dienst und Abhängigkeit, Tüchtigkeit und Untüchtig­ keit und wie sich diese im körperlichen Zustand niederschlagen. Hier muss man auch seinen »Platz im Leben«, seine »Marktlücke« in der Arbeit finden, um in einer Weise existieren zu können, die den individuellen Fähig­ keiten einigermassen entspricht.

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Der 3. Quadrant • Denken Umwelt-Erkenntnis, Lebenseinstellung, bewusste Anpassung 7., 8. und 9. Haus Hier beginnt der Aufstieg ins Bewusste. Oben über dem Horizont, im Denk-Quadranten, wird das DU bewusst wahrgenommen. Das erfordert bewusste Anpassung. Es zwingt zur Auseinandersetzung mit dem DU, mit der menschlichen Gesellschaft an sich. Man ist aufeinander angewiesen und sucht nach Formen des Zusammenle­ bens, nach Wertmassstäben im Kontakt. Hier findet man Partnerschaftsverträge, Schutz- und Treueverhältnisse, Ehe- und Erbschaftsregelungen als Folge reflektierter Erfahrung. Während man im 2. Quadranten noch stark von der Umwelt geformt wird und darauf instinktiv reagiert, zeigt sich im 3. an, was wir selbst zu tun versuchen und inwieweit wir fähig sind, unserer Umwelt gerecht zu werden. Kennzeichnend für diesen Quadranten ist das Denken. Wir versuchen hier, unterschiedliche Anschauungen oder Interessen unter einem einheitlichen System zu ver­ einen, sei dies durch Verträge, Denksysteme, Philosophie oder Religion. Es ist der Bereich des Erkennens objekti­ ver Gesetze, geformter Denksysteme oder überpersön­ licher Ideen.

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Die Sonne oder Planeten im 3. Quadranten Sie sind hier darauf aus, sich in der menschlichen Gesell­ schaft einen Platz zu erobern. Das Selbstbewusstsein ist ausgeprägter; man kann seine Identität mit sich selbst feststellen und sich so im Kontakt mit dem DU, mit der Welt bewusst erleben. Die Sonne deutet hier auf den Versuch selbstbewussten Wirkens nach aussen. Es sind die Beziehungen und Kon­ takte zur Umwelt, die man hier kraft seiner Persönlich­ keit bewusst schafft und beherrschen will. Dadurch lernt man, die Beziehungen und Kontakte und die gesell­ schaftlichen Systeme zu handhaben und versteht es gut, sich inmitten dieser Gesellschaft den richtigen Platz zu si­ chern. Extraversion des Bewusstseins ist dafür die beste Bezeichnung.

Im 7. Haus ist die Beziehung zum DU angezeigt. Das ICH steht hier seinem Gegenpol, dem DU, direkt gegen­ über und erkennt, dass die eigenen Kräfte nicht ausreichen, um das Leben zu meistern. Hier wollen wir uns an das einzelne DU binden, es zur Mitarbeit bewegen, uns seiner versichern. Wir streben nach echter Partner­ schaft und müssen lernen, uns in diese einzuordnen. Dar­ aus können sich Reibungen ergeben, weil das DU auf etwa bestehende Mängel hinweist, die einem harmoni­ schen Zusammenleben entgegenstehen. Wir beginnen mit der bewussten Anpassung durch die Arbeit an uns selbst, am eigenen ICH. Das 8. Haus verlangt die Anpassung an die Wirklich93

keit der etablierten Gesellschaft, was häufig den Tod einer alten Auffassung, oder einer hinderlichen Einzel­ bindung bringt. Es wird auch das Haus des Todes, der Stirb-und-Werde-Prozesse genannt. Alles Unnötige, allen Ballast müssen wir abstreifen, oft durch eine schmerzliche Trennung, denn hier ist der Ort der Wen­ de, der Erneuerung, des Aufstiegs zur Individualität, die bewusst der Gesellschaft gibt, was diese zu Recht zu for­ dern hat (Pflichten). Aber dafür erhalten wir hier auch Legate, Erbschaften oder Unterstützungen, auch Ämter und Ehren vom Du oder von der Gemeinschaft.

Im 9. Haus geht es nicht mehr um das Tun, sondern ums Denken. Wir nennen es das Haus des unabhängigen, eigenen Denkens im Unterschied zum 3. Haus, dem Haus des anerzogenen Denkens. Hier wollen wir selbst die Lösungen für die Fragen des Lebens finden und des­ sen Sinn erfassen. Wir wagen es, die angestammten Grenzen zu überschreiten und versuchen, anderen Men­ schen Ziel und Richtung zu geben, sie zu begeistern, um an Aufgaben für die Gemeinschaft oder für ideelle Zwecke mitzuarbeiten. Es ist das Haus der Philosophie und Weltanschauung, der Pädagogik und der weltweiten Beziehungen.

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Der 4. Quadrant Sein Ich-Wahrnehmung, Selbstverwirklichung, bewusste ICH-Gestaltung 10., 11. und 12. Haus Im letzten Quadranten, dem SEINS-Quadranten, geht es um das Bewusstsein an sich, um die bewusste Selbstwahrnehmung. Hier wissen wir, was wir sind, wer wir sind und wo wir stehen. In diesem Quadranten geht es um das selbstgeformte ICH, das bewusst Gewordene, um das, was wir im Leben herausgearbeitet haben. Es ist der Raum der bewussten Individualität. Hier kön­ nen wir das ICH, das Selbst, unmittelbar erfahren, in un­ serem eigenen Bewusstsein als bekannte Grösse betrach­ ten und es auch als Massstab zur Bewertung der Welt verwenden. Hier hat man nicht irgendeine instinktive Reaktion auf Dinge, sondern man nimmt alles, was auf einen zukommt bewusst wahr und versucht, es zu sich selbst in Relation zu bringen. Der Massstab ist nicht das DU - sondern das ICH. Das theoretische Erkennen, das bewusste Verarbeiten, ist natürlich besonders ausgeprägt, weil es von Trieb- und Instinktreaktionen frei ist und sich in höheren Gefilden geistiger Zusammenhänge bewegen kann. Das Selbstbe­ wusstsein vereinigt in sich das individuelle und das uni­ verselle Bewusstsein und geht schliesslich in den SEINSZustand ein.

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Die Sonne oder Planeten im 4. Quadranten Introversion ist die beste Bezeichnung für diesen Son­ nenstand Der Mensch ist nicht so sehr an der Welt inter­ essiert, sondern an seinen eigenen, geistigen Qualitäten und Fähigkeiten, an seinen geistigen Interessen. Man be­ trachtet sich selbst und hat meist eine gewisse Zurückhal­ tung, lässt nur die Menschen an sich heran, denen man Vertrauen schenken kann, die auf gleichem Niveau ste­ hen und die einem von Fall zu Fall nützlich sind. Auch hier muss eine gewisse Sicherheit der Selbstbewusstheit und der Unterscheidung vorhanden sein, da­ mit andere Menschen einem nicht gefährlich werden können. Oft findet man bei gewissen Stellungen die Situation vom »elfenbeinernen Turm«, in dem der Mensch nur noch mittelbaren Kontakt zur Welt hat.

Im 10. Haus will man seinen Platz in der Welt haben. Der Mensch will erkannt sein als das, was er ist und will sich als freies Individuum bewegen können. Deshalb be­ deutet dieses Feld die soziale Stellung, Berufung und auch das Streben nach Macht. Hier geht es um echte oder falsche Autorität, um echte Führungsbefähigung oder um Prestige- und egoistisches Machtstreben. Die leitende Stellung, die hier angezeigt ist, sollte dem Reifegrad der bewussten Individualität und deren Verantwortungsbe­ reitschaft entsprechen. Macht um der Macht willen findet hier den gerechten Lohn durch Fall von der er­ reichten Höhe, durch Verlust der angemassten Autorität. Das 11. Haus ist das Haus der Freunde, der Wahlver96

wandtschaften. Hier wollen wir unsere Beziehungen frei wählen, werden nicht mehr getrieben von Wünschen und Begierden. Wir interessieren uns für den Menschen an sich und sind fähig, ihn ohne egoistische Motive zu lieben. Hier entsteht das ideale Menschenbild am Modell der erlebten Freundschaft mit der individuellen Vorstel­ lung einer perfekten menschlichen Gesellschaft. Diese Vorstellungen können auch oft zu weit gehen: dann fin­ den wir den Utopisten, der sich in wirklichkeitsfernen Spekulationen verliert.

Das 12. Haus liegt am fernsten von der Welt, ganz auf der linken Seite des Horoskopes und ist das letzte im gan­ zen Häusersystem. Hier geht es um Verinnerlichung, um alles, was den Menschen von den anderen absondert und zu sich selbst zurückführt, damit er sich in höhere geisti­ ge Zusammenhänge einordnen kann. Hier muss man die Fähigkeit erlangen, in der Stille, ganz im eigenen Selbst zu leben, auch isoliert, einsam und allein sein können. Es ist das Haus der erzwungenen oder freiwilligen Isolatio­ nen, der produktiven oder unproduktiven Einsamkeit.

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Die zwölf astrologischen Häuser

Häuser, Zonenund Achsengesetze

Das Zonengesetz in der Häuserbetrachtung • Das Fadenkreuz als räumliche Erfahrung • Die Expansionszonen nach dem kardinalen und veränderlichen Kreuz • Die vier Expansionsräume • Der ICH-Raum 12. und 1. Haus • Der DU-Raum 6. und 7. Haus • Der Kollektiv-Raum 3. und 4. Haus • Der Individual-Raum 9. und 10. Haus • Die Kontraktions-Zonen im Horoskop nach dem fixen Kreuz • Die fixen Häuser auf der ICH-Seite 2. und 11. Haus • Die fixen Häuser auf der DU-Seite 5. und 8. Haus • Die Achsen-Krcuze im Häusersystem •

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Seit dem Mittelalter sehen die Astrologen die Häuser als abgegrenzte Bereiche. Befindet sich ein Planet innerhalb dieser Grenzen, dann wird er entsprechend der speziellen Hausqualität gedeutet. Eine weitere Unterscheidung wird meistens nicht gemacht. Dies wird aus der Zeich­ nung auf Seite 98 ersichtlich. Es ist aber naheliegend, dass die Bereiche eines Hauses und die Einflusssphären nicht einfach mit einem Strich und einem festen Ab­ schluss begrenzt sein können. In Wirklichkeit greifen die Lebensbereiche ineinander über und durchdringen sich bis zu einem gewissen Grade. Sie haben aktive und passi­ ve Zonen, Bereiche mit durchschlagender Wirkung nach aussen und solche, in denen die Umwelt stärker und formender auf das Individuum einwirkt und man selbst nicht ohne weiteres durchkommt. Einige Astrologen des 20. Jahrhunderts haben herausge­ funden, dass Planeten in Achsennähe, d. h. im Bereich, wo ein Haus beginnt oder endet, viel stärker als Charakterzüge hervortreten als solche mitten in einem Haus. Man hat sich lange Zeit darüber gestritten, wie nahe an der Achse ein Planet stehen müsse, bis er stark wirksam ist. Auch war nicht klar, wie ein Planet dicht vor einer Häuserspitze zu bewerten sei Dies erforderte eine spezi­ fische Forschung. Wir haben nach langer und intensiver Forschungsarbeit entdeckt, dass im ganzen Häusersystem verschiedene Wirkungszonen bestehen, die in ihrer detaillierten Be­ trachtung einen echten verhaltenspsychologischen Beur­ teilungsschlüssel liefern. Dadurch erst wurde eine psy­ chologisch differenzierte Deutung des Horoskopes mög-

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lich. Die Astrologische Psychologie misst diesem ver­ feinerten Erfassen des Häusersystems eine besondere Be­ deutung zu. Damit können psychologische Verhaltens­ weisen erkannt und auch Lösungen für bestehende Pro­ bleme gefunden werden, die einen erfolgreichen Einsatz der Persönlichkeitskräfte im Leben ermöglichen. Da in den Häusern Milieuwirkung und Konditionierung er­ sichtlich sind und damit auch die Fehler, die in der Erzie­ hung gemacht wurden, können von dort her regulieren­ de und lösende Entwicklungen eingeleitet werden.

Das Zonengesetz in der Häuserbetrachtung Expansion

Die polaren Kräfte

Kontraktion

-

Ausdehnung

Zusammenziehen

Die Wechselwirkung der expansiven und kontraktiven Kräfte, wie etwa Ausdehnung und Zusammenziehung, Öffnen und Schliessen, Konzentration und Entspannung, Anstrengung und Ruhe, durchziehen unser ganzes Leben. Diese beiden Kräfte sind von der Naturbeobach­ tung genauso als grundlegende Haltung und Tendenz abzuleiten wie etwa die Horizontale und die Senkrechte. Körperlich erlebbar als der lebensbestimmende Rhyth­ mus von Herzschlag und Atmung ist es der ewige Puls­ schlag des Lebens an sich, der uns in unendlicher Varia­ tion in der gesamten Natur entgegentritt. 103

Dieselbe Entsprechung finden wir in den sogenannten »Bio-Rhythmen«, die im Laufe der Lebenszeit eines Menschen Phasen von Hoch und Tief von »Wellenber­ gen« und »Wellentälern« der physischen und psychischen Kräfte darstellen. Auch in der Graphologie gibt es eine Unterscheidung der Linkslage und der Rechtslage in der Schrift, die auf einen introvertierten oder extravertierten Charakter schliessen lässt. Wir finden diese Gesetzmässigkeit auch bei der Betrach­ tung des Raumgefüges des Horoskops. Selbst bei einem einfachen, leeren Blatt Papier haben wir eine aktive, dynamische und eine passive, stille Zone. Die meisten Menschen empfinden die linke Seite als passiv, wobei der passive Raum nicht bis in die Mitte des Blattes, sondern nur etwa ein Drittel vordringt - ins Mass des Golde­ nen Schnittes. Die rechte Seite ist dann die aktive. In dieser Masseinteilung liegt ebenfalls eine Naturgesetzlichkeit, die wir in der Häuserbetrachtung in einem späteren Abschnitt dieses Buches näher betrachten wollen. Wir suchen aber zunächst die Expansions- und Kontrak­ tionszonen im Horoskop auf

Die Häuser in den expansiven und kontraktiven Bereichen des Horoskopes Wir betrachten in der nachstehenden Abbildung den

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inneren gewölbten Kreis. Die Wölbung verläuft in vier gleichen Wellenlinien. Die Kurven gehen nach aussen und dann wieder nach innen und ergeben damit eine positive und eine negative Zone. Vom Zentrum aus ge­ messen, hat die gewölbte Linie ihren Höhepunkt an den Hauptachsen - das Sich-Ausdehnen der expansiven Kräfte - und jeweils ihren tiefsten Punkt in den Zwischenhäusern - das Sich-Zusammenziehen der kon­ traktiven Kräfte. Es sind insgesamt vier nach innen laufende Kurven, die vier Häuser einschliessen, und vier nach aussen laufende Kurven, die jedoch acht Häuser beinhalten. Wir haben also immer zwei Häuser, die von einer Wölbung nach aussen erfasst werden. Man kann das, etwas vereinfacht, optisch in der folgen­ den Zeichnung erkennen. Die stark gezeichneten äusseren Häuser entsprechen der nach aussen laufenden Kurve, die Kleinen gezeichneten der nach innen laufenden. Es fällt sofort auf, dass die stark gezeichneten Häuser um je eine Hauptachse, um einen der Balken des Fadenkreuzes, zu liegen kommen. Die Räume um diese zwei Hauptachsen oder Kardinalachsen nennt man die Expansionszonen. Zu ihnen gehören die vier Kardinalhäuser und die vier veränderlichen Häuser, die je ein sogenanntes Kreuz bilden. Es sind die Häuser 12 und 1, 3 und 4, 6 und 7 sowie 9 und 10. Dort, wo die Häuser klein sind und die Kurve nach innen gebogen ist, liegen die fixen Häuser in den kontraktiven Bereichen, nämlich das 2., 5., 8. und 11. Haus.

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Zonengesetz der Häuser

Diese Unterscheidung ist wichtig für unsere spätere Be­ trachtung der Achsen und ihrer Pole. Wir werden die in den expansiven Bereichen liegenden Häuser, also die kar­ dinalen und veränderlichen, wenn auch differenziert, so doch deutlich als Paar im Gegensatz zu den fixen Häusern in den kontraktiven Räumen sehen. In den expansiven Bereichen, die wir auch die aktiven Zonen nennen können, treffen wir produzierende Le-

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bensenergien an. Sie sind dem Sonnen- und Mondprinzip (kardinal = , veränderlich = ) verwandt. Die kontraktiven Räume mit den fixen Häusern müssen wir eher mit dem saturnischen Prinzip vergleichen: stabilisie­ rend, verfestigend, abgrenzend In den expansiven Räu­ men vollziehen sich Wachstums-Prozesse, in den kon­ traktiven tendiert alles auf Zustand hin; alle Prozesse laufen quantitativ ab. Wir wollen nun diese Bereiche der Reihe nach betrach­ ten und mit dem praktischen Leben vergleichen.

Das Fadenkreuz als räumliche Erfahrung Wir gehen zunächst wieder vom Fadenkreuz aus, das ja die Grundlage jeder räumlichen Darstellung ist. Wir stellen uns vor, dass die horizontale und die vertikale Linie nicht nur als Linien wirksam sind, sondern als ganze Bereiche. Die ICH-DU-Bezichung spielt sich natürlich nicht nur auf einer Linie ab (horizontal), sondern um sie herum, also unterhalb wie oberhalb derselben. Ebenso ist das Emporsteigen vom kollektiven Massen­ menschen zum selbstbewussten Individuum nicht nur

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auf einer Linie möglich (vertikal), sondern auch rechts und links davon. Wie bereits erwähnt, sind die Räume um die Hauptach­ sen die Expansionszonen. Hier laufen wichtige Erlebnisund Wachstumsprozesse ab, wie sie die Begegnung vom ICH zum DU und das Hinaufwachsen zur bewussten In­ dividualität kennzeichnen. Zur näheren Illustration nehmen wir das Fadenkreuz auseinander und werden die Häuser der Expansionszo­ nen in ihrer Gegenüberstellung aufzeigen.

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Die Expansionszonen nach dem kardinalen und veränderlichen Kreuz Um der Klarheit willen ordnen wir sie auch nochmals den Kreuzen und den entsprechenden Zeichen zu:

Kardinale Häuser: 1. Widder 4. Krebs 7. Waage 10. Steinbock

Veränderliche Häuser: 3. Zwillinge 6. Jungfrau 9. Schütze 12. Fische

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Wie man sieht, gehören zu den Expansionszonen sowohl das kardinale wie auch das veränderliche Kreuz. Ihnen ist das dynamische Prinzip gemeinsam. Aber jedes dieser Kreuze hat eine andere Motivation. Die Kardinalhäuser haben grundsätzlich eine extravertierte, auf Aktivität zielende Grundhaltung. Die veränderlichen Häuser sind mehr introvertiert, zum Fassiv-Erfahrenden geneigt. In den kardinalen Häusern sind es die handelnden Kräfte. Hier geht es um Taten. Es wird etwas getan, ge­ schaffen und produziert, über das man nachher verfügen kann. Das ist der Sinn aller kardinalen Häuser. Natürlich betreffen diese Schaffensprozesse verschiedene Interessensgebiete und sehen in der Folge auch anders aus, ent­ sprechend dem Quadranten, in dem das Haus liegt. In den veränderlichen Häusern sind es die erkennen­ den Kräfte. Es geht um Bewusstseinsprozesse, die sich dort ständig abspielen. Man sammelt Erfahrung, übt Kri­ tik an dem Vorhandenen, erleidet Niederlagen, löst sich von dem Bestehenden, sucht nach neuen und besseren Ideen. In diesen Häusern finden immer Erkenntnispro­ zesse statt, sei es im passiv erzwungenen oder im aktiv suchenden Sinne.

In beiden Häusergruppen jedoch geht es um Wachstumsprozesse, in den einen aktiv, in den ande­ ren passiv. Man kann als Gegensatz sagen, dass die kardi­ nalen Häuser die wirkenden und die veränderlichen die erkennenden sind. Vor den kardinalen Häusern stehen immer die veränderlichen, was nahelegt, dass dem Tun das Nachdenken vorausgehen sollte. 110

Bereits in der antiken Astrologie hat man diese Wahrhei­ ten erkannt. Im Mittelalter bezeichnete man die kardi­ nalen Häuser als aufsteigende, bestimmende, und jene vor den Achsen, also die veränderlichen, als fallende oder labile Häuser. Leider ist das ein negativer Wertbegriff ge­ worden, wie ja früher oft viele Dinge in Schwarz und Weiss oder Gut und Böse eingeteilt wurden. Fallende Häuser sind nicht »gefallene« und labile nicht schlechte oder negative, sondern ganz einfach nach aussen nicht sonderlich wirksame Häuser. Sie sind passiv, abwartend, nachdenkend. Dass man ausgerechnet im Mittelalter die­ se veränderlichen Häuser unterschätzt hat, ist erstaunlich, war doch diese Zeit der geistigen »Nach-innen-Wen­ dung« zugetan. Anscheinend hat aber gerade in dieser Epoche das, was nach aussen wirksam wurde, was »Er­ folg« hatte, sehr viel mehr Eindruck gemacht.

Die vier Expansionsräume ICH-Raum, DU-Raum, Kollektiv-Raum, Individual-Raum

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Bei den Kardinalpunkten AC, IC, DC und MC haben wir ebenfalls eine räumliche Wirkung. Auch hier ist es nicht nur ein Punkt, der wirksam ist, sondern die links und rechts davon liegenden Räume oder die ent­ sprechenden Zonen. Man kann diese Räume sehr differenziert unterscheiden, und es ist bedeutungsvoll, ob ein Planet im passiven oder im aktiven Raum einer Hauptachse steht.

Der ICH-Raum (oder die ICH-Zone) 12. und 1. Haus (Fische) (Widder) Im Falle des Ich-Raumes ist es nicht nur das 1. Haus, sondern auch das 12. Haus, das sich mit dem ICH beschäf­ tigt. Im 1. Haus will sich das ICH aktiv betätigen und darstellen; auch das 12. Haus arbeitet mit der gleichen Intensi­ tät am ICH, nur in einer völlig anderen Weise.

Das 12. Haus ist ein passiver Raum. Hier wird weder agiert noch gehandelt. Man neigt zum Überlegen, zum Betrachten, zum Kritisieren. Es ist ein besinnlicher Er­ kenntnisraum. Da es sich um den ICH-Raum handelt, denken wir über unser ICH nach. Wir sind für uns alleine und betrachten uns selbst. Es ist die stillste Ecke im ganzen Horoskop. Manche lieben sie nicht, denn Nachdenken über sich selbst kann recht schmerzlich sein.

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Im 12. Haus geht es um das Erkennen der eigenen inne­ ren Wesensart und des Existenzsinnes überhaupt. Men­ schen, die extrem extravertiert sind, haben grosse Mühe mit diesem Raum, weil er so weit weg ist vom aktiven Tätigsein und eigentlich schon in eine geistige, transzen­ dentale Dimension hineinführt

Mit der Sonne im 12. Haus beschäftigen wir uns gerne mit uns selbst Wir ziehen uns zurück und möch­ ten lieber im Verborgenen bleiben, dem Leben zuschau­ en, es in Distanz an uns vorüberziehen lassen. Wir neigen zur Beschaulichkeit, zur Selbstversenkung, mehr zum innerlichen Teilnehmen als zum aktiven Erleben. Wir haben hier keine grossen Ambitionen, uns am »Trubel der Welt« zu beteiligen, halten uns in sicherer Entfer­ nung, suchen die eigenen Tiefen auf, denken über das Leben, das SEIN, nach. Befindet sich die Sonne aber in einem aktiven, feurigen Zeichen, dann wird es schwierig, in dieser Zurückgezo­ genheit des 12. Hauses zur Entfaltung zu kommen. Wir fühlen uns vom Leben ausgeschlossen, von anderen ver­ kannt; wir leiden häufig an einem Nicht-angenommenSein oder Nicht-verstanden-Werden. Die dynamischen und vitalen Kräfte können sich im praktischen Leben nicht voll auswirken, und wenn wir den Zugang zur geistigen Welt hier nicht finden, dann werden diese Energien einen Ausweg suchen und können zu psychi­ schen oder sozialen Fehlentwicklungen führen. Das 1. Haus beginnt beim Aszendenten, dem ICHPunkt. Hier geht es um das ICH in einer aktiven und

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tätigen Weise. Es wird nicht viel über das ICH nachge­ dacht oder philosophiert, sondern etwas für das ICH ge­ tan. Im 1. Haus bereitet es uns Vergnügen, uns selbst in einer imponierenden Rolle zu sehen, und wir malen uns gerne in Gedanken aus, wie wir die schwierigsten Situa­ tionen im Leben spielend meistern.

Die Sonne im 1. Haus deutet fast immer auf eine starke Persönlichkeit, auf ein imponierendes und zwin­ gendes ICH-Bewusstsein, das andere in seinen Bann zieht Die vitalen ICH-Kräfte des 1. Hauses verbinden sich mit dem Selbstbewusstsein der Sonne und stärken das selbstsichere Auftreten. Mit der Sonne im 1. Haus werden wir von anderen be­ achtet, sie gehen nicht an uns vorüber, sie nehmen uns wahr und werden auf uns aufmerksam. Wir können uns im Leben durchsetzen und wir sorgen auch dafür, dass unsere eigenen Wünsche berücksichtigt werden. Wir arbeiten am eigenen ICH-Bild, bauen uns ein »Image«, um der Welt zu zeigen, was wir alles können, wie gut, wie tüchtig, wie sympathisch wir sind. Im ICH-Raum des 1. Hauses sehen wir die Welt durch unsere eigene Brille und sind überrascht, wenn andere nicht in der gleichen Weise reagieren, wie wir selbst. Wir schliessen von uns auf andere und sind enttäuscht, wenn die Realität damit nicht übereinstimmt Das 1. Haus ist also dazu da, sein ICH zu zeigen. Es ist unter Umständen auch das Haus, in dem angezeigt ist, ob wir uns wirklich selbst darstellen, oder ob wir nur eine

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Maske aufsetzen, die gar nicht unserem eigenen Wesen zu entsprechen braucht, sondern beim Betrachter den Effekt auslöst, den wir haben möchten. Es kann also auch ein Ort der Täuschung sein, vor allem der Selbst­ täuschung. Das hängt davon ab, welche Planeten und welche Zeichen im 1. Haus stehen. Im anderen Fall kann es auch ein Raum sein, in dem wir uns zeigen, wie wir wirklich sind, offen und ehrlich der Welt und dem DU entgegentreten. Hat jemand die Sonne noch auf der 12.-Haus-Seite des Aszendenten, dann hat er wohl den Wunsch, sich als ICH in der Welt durchzusetzen, aber vor der Achse, also »im Schatten der Achse«, gelingt ihm das nicht. Man nimmt seinen Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, nicht ernst. Die Sonne, also das Selbstbewusstsein, kommt nicht in dem Masse zur Geltung wie eine Sonne, die nach der Achse steht. Das ist also der ICH-Raum. Kurz gesagt: Auf der passi­ ven Seite (vor dem AC) sind wir gezwungen, über uns selbst nachzudenken; auf der aktiven Seite (nach dem AC) können wir unser »Image« aufbauen und unsere Persönlichkeit durchsetzen.

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Der DU-Raum 6. und 7. Haus (Jungfrau) (Waage) Er liegt dem ICH-Raum gegenüber. Auch hier ist wie­ der die Unterteilung in ein passives, betrachtendes oder überlegendes Haus und in ein aktives, tätiges Haus gege­ ben. Im DU-Raum wollen wir das DU erkennen, wie es ist. Hier geht es darum, mit dem DU in bestmögliche Bezie­ hung zu kommen. Diesem Bestreben dienen die beiden Häuser.

Im 6. Haus wollen wir erkennen, wie sich das DU ver­ hält, wenn wir uns präsentieren. Hier kann man die Wir­ kung seines 1. Hauses beobachten. Es liegt diesem ja unter dem Horizont gegenüber. Im 6. Haus haben wir oft nicht so viel Glück mit dem Kontakt wie im 7. Haus. Hier geht es zuerst einmal um Erkenntnisprozesse. Wenn wir uns dem DU annähern wollen, müssen wir uns zuerst einmal selbst gut kennen. Täuscht man sich und andere, dann kommt man beim DU nicht an. Die anderen merken das schneller als wir selbst, wenn wir uns selbst betrügen, uns selbst falsch einschätzen oder uns etwas vormachen. Wenn wir un­ fähig sind, uns unangenehm aufführen, zu grosse Forde­ rungen an das DU stellen, dann kommen wir in Konflikt mit dem DU, wir werden zurückgewiesen. Wenn man höflich bittet, wenn man etwas zu bieten hat, kommt

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man im 6. Haus besser zurecht. Wir müssen uns auf das genau gegenüberliegende, auf das 12. Haus beziehen. Das heisst, unsere Selbsterkenntnis muss selbstkritisch und ehrlich sein. Das wird auch vom DU anerkannt und positiv ausgewertet Wenn wir hingegen auf das 1. Haus, auf das ICH pochen, dann beginnen die Schwierigkeiten.

Die Sonne im 6. Haus verlangt eine ständige seelischgeistige Bewährung. Hier müssen wir zeigen, was wir leisten können und was wir zu geben vermögen. Es ist ein dienendes Haus. Wir werden erst dann etwas vom DU erhalten, wenn wir etwas gegeben haben. Meistens ist man auch willig, dem DU, dem anderen Menschen, dienstbar zu sein. Je nach Zeichenqualität und Aspektierung kann auch diese edle Eigenschaft ausarten. Man wird zum »dienstbaren Element« herabgewürdigt und bekommt niemals das zurück, was man verdient. Dienst­ barkeit darf also nicht servil sein, sonst ist Ausbeutung durch die Umwelt zwingend die Folge. Im 6. Haus geht es aber immer um die Existenzbewälti­ gung, die Leistung, die Arbeit, die Gründlichkeit und die Hilfsbereitschaft.

Im 7. Haus, dem aktiven DU-Haus (kardinal), klopft man nicht mehr an wie im 6. Haus und fragt: »Ist es genehm, dass ich komme, dass ich etwas von dir will?« Hier tritt man einfach ein und zeigt je nach Kon­ stellation offen und ehrlich oder sogar manchmal her­ ausfordernd, was man vom DU will. Im 7. Haus geht es immer darum, ein funktionell tüchti-

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ges Verhältnis zum DU zu schaffen. Wir versuchen, mit dem DU eine Bindung einzugehen, in der jeder klar postuliert, was er will. Eine Art Handel wird abgeschlos­ sen. Wir sprechen uns ab, treffen Vereinbarungen und legen diese schriftlich nieder, damit wir auch die Sicher­ heit haben, dass sie erfüllt werden. Es ist wichtig, dass wir mit dem DU ein Arrangement haben, auf das man sich verlassen kann. Es ist ein aktiver Prozess, Beziehungen zu schaffen, die einen bestimmten Modus, eine Gültigkeit auf Gegenseitigkeit haben. Dies ist echte Partnerschaft; deshalb wird das 7. Haus auch das »Partnerschafts-Haus« genannt

Die Sonne im 7. Haus bedeutet immer, dass das DU und die Verbindungen mit ihm für das Selbstbewusstsein wichtig sind. Man erlebt sich häufig erst im Kontakt mit anderen. Das eigene ICH wird in andere projiziert und erwartet die entsprechende Reaktion, die Antwort vom DU, vom Partner. Gibt der Partner nicht die richtige Antwort, dann wird er bearbeitet und manchmal mani­ puliert, bis er so reagiert, wie man es gerne möchte. Man versucht, auf andere einzuwirken mit dem ganzen We­ sen und wirkt dadurch auch überzeugend. Immer strebt jemand mit der Sonne im 7. Haus nach einem intensiven Austausch mit dem DU und kann mit seinen vitalen Le­ bensenergien dem DU auch viel geben. Je nach Planetenstellung werden wir uns anders im Kon­ takt mit dem DU verhalten. Zum Beispiel mit Jupiter im 7. Haus werden wir dem DU gefällig sein wollen und die Möglichkeit haben, es aus schwierigen Lagen zu befreien.

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Mit Mars werden wir das DU aktivieren, zu Leistungen, zur Mitarbeit anspornen. Mit Venus sind wir liebens­ würdig, charmant, zuvorkommend und auch nachgie­ big, weil wir immer nach Harmonie streben, usw.

Der Kollektiv-Raum 3. und 4. Haus (Zwillinge) (Krebs) Der Kollektivraum ist die Wurzel, der Nährboden, auf dem wir wachsen oder gewachsen sind. Im 3. Haus ist es ein passives Aufnehmen aller vorhandenen Denkformen, im 4. Haus ein empfindungsmässiges Geborgenfühlen im Kollektiv. Hier ist unser natürliches Stammkollektiv, von dem wir emotional und im Denken abhängig sind. Es ist der Raum der aktiven oder passiven »Zugehörigkeit«. Der Kollektivraum ist auch ein archetypischer Raum, der zum Kollektiv-Unbewussten gehört. Im Unbewuss­ ten sind wir durchtränkt von archetypischen Symbolen und Denkweisen. Darüber liegt meistens eine Super­ struktur kollektiver Denknormen, die durch die Erzie­ hung, durch die Eltern und das Schulwissen und von der gängigen Meinung geprägt werden. Von den Tiefen unseres Wesens, von unten her, wissen wir aber, wie etwas wirklich sein sollte. Wenn die Über­ struktur etwas anderes lehrt, z. B. aus ökonomischen oder politischen Gründen, Nutzdenken, oder weil es irgend eine Autorität gesagt hat, dann müssen wir uns

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entweder gegen diese kollektive Meinung stellen, oder wir verdrängen unser Unbewusstes und »handeln wider besseres Wissen«. Inhalte, die aus dem Unbewussten kommen, sind immer natürliche Auffassungen, die nicht in Diskrepanz zur Naturordnung stehen, sondern vollkommen organisch sein wollen. Solche Strukturen harmonieren mit dem Kollektiv-Unbewussten und sind keine Störfaktoren für die Persönlichkeitsentfaltung. Hingegen kann das kollek­ tive Denken, beispielsweise die herrschende Meinung oder Modeströmungen, das eigene innere Wissen über­ lagern und das selbständige Denken behindern. Dies ist eine sehr häufige Erscheinung, mehr als wir glau­ ben. Wir wollen es an einem Beispiel deutlich machen. In der Astrologie haben wir z. B. eine archetypische Denkform. Wenn wir uns der Astrologie zu wenden, können wir es aus zwei Gründen tun: Erstens, es hat uns jemand gesagt, die Astrologie sei gut. Zweitens kann ich vom inneren Wissen her den archetypischen Symbolgehalt erspüren, intuitiv erfassen und mich damit identifi­ zieren. Wenn ich die Astrologie ablehne, dann identifi­ ziere ich mich mit einer Super-Denkstruktur, dem wis­ senschaftlichen Denken, in dem die Dinge, die rational nicht erklärbar sind, nicht anerkannt werden. Viele Men­ schen haben deshalb Schwierigkeiten, sich für die Astro­ logie offen zu bekennen, weil die rational-wissen­ schaftliche Denkweise diese uralten, symbolhaften und im Kollektiv-Unbewussten schlummernden Wahrhei­ ten überlagert und dadurch im Unbewussten zurückhält.

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Wenn sich aber Menschen dieser Dimension archetypi­ scher Denkformen wieder öffnen, dann verstehen sie sofort, was mit den astrologischen Symbolen gemeint ist (siehe C. G. Jung, Gesammelte Werke, Band 7). Das 3. Haus ist also der Bereich, in dem sich die kollekti­ ven Denkformen oder Super-Denkstrukturen entwikkeln. Das 4. Haus kann direkt ins Unbewusste hineinfüh­ ren. Hier am tiefsten Punkt des Horoskopes, besonders in der Nähe des IC, kann man »den Weg zu den Müttern betreten«, wie die archetypischen Räume auch genannt werden.

Das 3. Haus zeigt an, wie unser Denken beschaffen ist, die Denkweise, die uns in der Kinderstube geliefert wird. Durch das Milieu, in dem wir aufwachsen, wird unsere Denkstruktur sehr wesentlich beeinflusst. Die Gewohn­ heiten des Denkens in der eigenen familiären Umgebung prägen sich stark ein, färben meist unbewusst das eigene Denken. Es sind die Grundüberzeugungen, die in unse­ rem Milieu als üblich gelten und gegen die wir kaum et­ was einwenden können. Es ist das kollektive Denken, das axiomatischen Charakter hat und Denkgewohnheiten bildet, die wir uns nur schwer bewusstmachen können. Im 3. Haus denkt man zu einem sehr hohen Grade nicht selbst, sondern »man wird gedacht« und von den kollek­ tiven Massstäben und Verhaltensweisen bestimmt. Hat jemand die Sonne Selbstbewusstsein immer Wissen beherrscht oder das, was er gelernt hat

im 3. Haus, dann misst er sein an dem, was er an kollektivem aufgesammelt hat. Er baut auf und ist immer damit beschäftigt, 121

sein Wissen zu erweitern, sich eine gute Bildung anzu­ eignen, einen »gesunden Menschenverstand« zu haben. Er wendet sich mit Geschicklichkeit an die Massgeben­ den, die Wissen vermitteln und für die eigene Entwick­ lung nützlich sein können. Er ist auch stets bemüht, sein Wissen zu zeigen, es bei anderen anzubringen, um inner­ halb der nächsten Umwelt anerkannt und akzeptiert zu werden. Von dieser Anerkennung hängt auch sein Selbstbewusstsein ab.

Im 4. Haus ist man ein Mensch, der zu irgendeinem Milieu gehört, nicht nur mit den Gedanken, sondern vor allem mit den Gefühlen, die dazu gehören. Im 4. Haus kommt es auf die Gefühle und Empfindungen an, die man zu seinem eigenen Kollektiv, der Familie, hat. Das 3. Haus enthält die kollektiven Denknormen, das 4. Haus die kollektive Psyche. Die Psyche ist ein seltsames, immer wieder variables Gemisch von Gedanken, Emp­ findungen und Gefühlen. Man fühlt sich irgendeiner Gruppe zugehörig. Das ist in erster Linie ein Gefühl, in zweiter Linie ein Konzept. Wir gehören zunächst einmal dazu: Als Kind zu einem Elternhaus, einem Nest, aus dem wir hervorgehen; als Erwachsener zu unserer eige­ nen Familie. Das 4. Haus ist der Wurzelboden, dem wir entstammen, oder auch das grössere Kollektiv, zu dem wir gehören. Diese Zugehörigkeit ist schon da, bevor wir anfangen, selbst richtig zu denken. Sobald wir in der Pubertät uns selbst richtig wahrnehmen, beginnen wir auch zu fragen, wie das eigentlich mit dieser Zugehörigkeit ist, ob wir da

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hineinpassen. Dann erwacht der Trieb im Menschen, der hinaus will in die Weite, in die Ferne. Dies ist oben im Horoskop angezeigt.

Die Sonne im 4. Haus zeigt an, dass wir ein eigenes Heim brauchen. Wir sind stark an die Familie, an die Herkunft, gebunden und fühlen uns sicher im vertrauten Kreis. Wir haben ein starkes Bedürfnis, uns ein »eigenes Nest« zu schaffen, möglichst ein eigenes Haus, um uns darin wohl und sicher zu fühlen. Die Familie und die Zu­ gehörigkeit zu einem Kollektiv geben uns Halt und Stärke im Leben. Allerdings sind wir dann auch zu Hause festgebunden und werden meistens keine grösseren Möglichkeiten im Leben wahrnehmen.

Der Individual-Raum 9. und 10. Haus (Schütze) (Steinbock) Hier versucht man seine eigene Basis im Denken zu fin­ den, jemand anderer zu sein, als man ursprünglich war. Hier will man eine eigene Individualität werden, die sich durch Eigenschaften, Fähigkeiten und Denkweise von den anderen abhebt. Das heisst nicht, dass man die, zu denen man ursprünglich gehörte, negiert; man weiss aber, dass man sich von ihnen unterscheidet. Im Zusammenhang mit dem Individual-Raum und dem damit zusammenhängenden Individualisierungs-Prozess schreibt C. G. Jung:

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»Die Individuation ist ein Differenzierungsprozess, der die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit zum Ziele hat. Die Notwendigkeit der Individuation ist inso­ fern eine natürliche, als eine Verhinderung der Indivi­ duation durch überwiegende oder gar ausschliessliche Normierung an Kollektivmassstäben eine Beeinträchti­ gung der individuellen Lebenstätigkeit bedeutet... Da das Individuum nicht nur Einzelwesen ist, sondern auch kollektive Beziehungen zu seiner Existenz voraussetzt, so führt auch der Prozess der Individuation nicht in die Vereinzelung, sondern in einen intensiveren und allge­ meineren Kollektivzusammenhang.« (Gesammelte Werke Band 6, Paragr. 825, S. 477)

Im 9. Haus denken wir über uns und unser Leben nach, wir entwickeln unsere eigene Philosophie, erlangen eine eigene Weltanschauung und eine eigene Ethik. Dadurch können wir für uns selbst - und im 10. Haus auch für an­ dere - eine Autorität, ein Wissender werden. Wenn jemand viel nachdenkt, weiss er auch etwas zu sagen. Er fühlt sich verantwortlich, brauchbare Lösun­ gen für die bestehenden menschlichen Probleme zu fin­ den, und er fühlt sich auch berufen, diese Lösungen anzubieten, und zwar aus eigener Verantwortung und aus eigener Überzeugung, die aus der natürlich gewachsenen Autorität heraus entstehen. Diese hat nichts zu tun mit der angemassten Autorität, die nur mit Titeln und Namen »herumwirft«, sich auf den hohen Stuhl setzt, aber sonst nichts mitbringt. Gewachsene Autorität wird von niemandem angezweifelt und auch nicht als autori­ tär bezeichnet, weil echte Substanz geboten wird.

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Die Sonne im 9. Haus braucht Weite und Raum zur Selbsterfüllung. Sie ist ein Zeichen philosophischer Denkweise und Weltbetrachtung. Hier haben wir mei­ stens eine eigene Meinung, für die wir uns auch mutig einsetzen. Mit dem, was wir denken und sagen, identifi­ zieren wir uns und wirken dadurch überzeugend und belehrend auf andere. Wir können ihnen mit Ratschlä­ gen helfen, ihre Probleme zu lösen oder diese zumindest von einer anderen Warte aus zu betrachten. Bei gewissen Konstellationen sind wir auch rechtha­ berisch und verkünden mit fanatischem Eifer unsere Überzeugungen, wollen alle zu unserer eigenen Ansicht bekehren. Aber immer streben wir nach Bewusstseinserweiterung, sei dies, indem wir grosse und viele Reisen unternehmen oder lange und ausführliche philosophi­ sche Diskussionen führen.

Im 10. Haus wollen wir das sein, das »leben«, was wir im 9. Haus an Wissen gewonnen haben. Unsere Philoso­ phie, unsere Erkenntnisse sowie das erlangte Wissen müssen wir in der eigenen Haltung und auch in einer entsprechenden Funktion zum Ausdruck bringen kön­ nen, damit die Selbsterfüllung gefunden werden kann, die in diesem Haus immer angestrebt wird. Im 10. Haus müssen wir uns individualisieren, in unse­ rem eigenen Bewusstsein differenzieren, um zu einem Individual-, zu einem Selbstbewusstsein zu kommen. Dies zeigt sich auch darin, dass man auf seine Art kompe­ tent wird, wodurch Einfluss- und Machtbereich wach­ sen. Hier identifizieren wir uns mit unserer Arbeit, die

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zur Berufung wird, und wir erlangen die Möglichkeit, die Selbsterfüllung in einer Aufgabe für die Gemein­ schaft zu finden. In dem Masse als wir bereit sind, dem Kollektiv zu die­ nen, erlangen wir auch eine Stellung, die von der Ge­ meinschaft vergeben wird, und die uns in die Lage setzt, aus der Masse herauszuwachsen und zum Individuum, zum Leiter und Führer anderer zu werden.

Die Sonne im 10. Haus ist fast immer ein Zeichen einer voll bewussten Persönlichkeit. Man will jedenfalls eine eigene, uneingeschränkte Individualität sein. Mit der vitalen Sonnenkraft ist man fast immer in der Lage, sich eine Position im Leben zu schaffen, die persönliche Frei­ heit und die Möglichkeit bietet, sich aus dem Kollektiv oder aus dem herkömmlichen Milieu zu einer höheren Position hinaufzuarbeiten.

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Die Kontraktions-Zonen im Horoskop nach dem fixen Kreuz Wir betrachten die Abbildung Seite 106 und erkennen im mittleren, gewölbten Kreis, wo die Kurve nach innen geht, jenen Bereich, den wir die »Kontraktionszonen« nennen. Wie bereits im vorigen Kapitel erwähnt, haben wir bei der nach aussen schwingenden Kurve immer 2 Häuser, die erfasst werden (Expansionszonen), jedoch nur ein Haus, wenn sie sich nach innen wölbt. Diese sind die fixen Häuser oder die »Kontraktionszonen«. Die Kurve geht in diesen Häusern in die invertierte Form über; sie wölbt sich nach innen und kommt in den kontraktiven Raum, in den fixierenden oder festigenden Bereich des Horoskopes. Das, was in der Expansionszone geschaffen wurde, wird jetzt fixiert, stabilisiert und geht in einen festen Zustand über. Um es nochmals zu wiederholen: Kontraktion heisst Zu­ sammenziehen oder Kristallisieren, Stabilisieren, Bewahren oder Festigen.

Wir kennen diese Begriffe schon von den Zeichen her, vom fixen Kreuz. Tatsächlich sind das die Häuser, die den fixen Zeichen entsprechen, die wir auch die »fixen Häuser« nennen.

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Die fixen Häuser:

2. Stier 5. Löwe 8. Skorpion 11. Wassermann

Wir haben dieselben Grundqualitäten in diesen Häusern wie in den entsprechenden Zeichen. In diesen vier fixen Häusern oder in den Kontraktionszonen sind keine dynamischen Prozesse, keine Geschehnisse angezeigt, sondern Zustände, feststehende und stabile Zustände. Wenn es sich um Prozesse handelt, dann laufen diese quantitativ ab, durch Wiederholung und mehrfache Er­ fahrung. Sie beziehen sich auf messbare Grössen, greif­ bare Resultate, die einem bestimmten Zweck dienen. Das fixierende Prinzip dient grundsätzlich dazu, einmal Geschaffenes zu erhalten, zu pflegen und es funktionell brauchbar zu machen, damit es voll ausgewertet werden kann. Verwendung und Auswertung sowie Be­ harrung sind Begriffe, die mit allen fixen Elementen zu­

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sammenhängen. Die Ökonomie (nicht nur im materiel­ len, sondern auch im geistigen und psychologischen Sinne) spielt dabei eine hauptsächliche Rolle. Menschen mit Fixhaus- oder Fixzeichenbetonung geht es im wesentlichen darum, gegebene Zustände zu verfestigen, ihnen Bestand zu verleihen, um dadurch die Sicherheit zu erlangen, die das Vertraute, das Bekannte und das, was man erreicht hat, versprechen. Sie sind darum bemüht, dass möglichst alle Lebensfunktionen gut organisiert, d. h. ohne Einsatz unnötiger Energien ablaufen. Die »Schwungmasse« dieser einmal in Bewegung gesetzten Energien folgt dem Gesetz der Trägheit und besorgt einen Grossteil der Leistung durch Routine und Auto­ matismen. Alles, was man durch Organisation und durch Planung festlegen kann, wird in den fixen Häusern gemacht. Das führt zwar mit relativ wenig Anstrengung zu Erfolg, in­ dem viel aus einer Situation herausgeholt werden kann, aber es führt auch zu einer starken Gebundenheit an die gegebenen Umstände und dadurch zur Unfreiheit im geistigen Sinne. Diese Gebundenheit an einen Zustand oder Umstand, von dem man profitieren will, spielt grundsätzlich in allen »Fixhäusern« und damit in den kontraktiven Zonen eine wichtige Rolle und ist auch deren Schattenseite. Das Streben nach Fixierung eines Zustandes ist nicht nur auf Gemütlichkeit und Bequemlichkeit ausgerichtet, sondern es ist auch ein Versuch, sich durch Vorbeu­ gungsmassnahmen gegen mögliche Gefahren abzusichern.

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Das Sicherheitsstreben wird in allen fixen Häusern gross geschrieben. Im 2. Haus geht es um die materielle Sicherheit, im 5. Haus um die Anerkennung und Sicherung der Persönlichkeitssphäre, im 8. Haus geht es um einen sicheren Platz in der menschlichen Gesellschaft und im 11. Haus um die sichere Organisation und Ein­ planung aller Beziehungen. Ein Mensch, in dessen Horoskop die Expansionszonen durch Planeten betont sind, wird mehr seinem Freiheits­ drang nach individueller Betätigung folgen. Ein Mensch, dessen Horoskop mehr Besetzungen in den Kontrak­ tionszonen aufweist, wird versuchen, sein Leben defini­ tiv einzurichten. Er will sich überall absichern, sich möglichst am gleichen, bekannten Ort aufhalten und sich an Menschen binden, die er gut kennt In diesem be­ stimmten, abgegrenzten Bereich wird er alles tun, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Er wird den Lebenslauf gut regeln und bestens organisieren, damit Ruhe und Ordnung nicht gestört und die Sicherheit nicht gefähr­ det wird. Menschen mit mehreren Planeten in fixen Häusern hal­ ten eisern an Zuständen fest, die sich bewährt und zu Er­ folg geführt haben. Sie sind vorwiegend konservativ ein­ gestellt und sind mit dem Alten, mit der Tradition, fest verwachsen; sie stehen dem Neuen zweifelnd, misstrau­ isch und oft ablehnend gegenüber. Es ist viel einfacher, etwas Neues zu schaffen, als einen bestehenden, in Kristallisation übergegangenen Zustand aufzubrechen oder zu verändern.

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Erst wenn die Einsicht des veränderlichen Kreuzes und die Impulskraft des Verstandes stark genug sind, kann die Unhaltbarkeit alter Formen oder Zustände eingesehen und durch neue Ideen verändert werden. Deshalb folgt auf jedes fixe Haus ein veränderliches Haus. Nun wollen wir die einzelnen fixen Häuser betrachten, und zwar im Hinblick auf die ICH-Seite und die DUSeite des Horoskopes.

Die fixen Häuser auf der ICH-Seite 2. und 11. Haus (Stier) (Wassermann)

Im 2. Haus geht es um die Absicherung des eigenen ICH-Raumes, um die Selbsterhaltung und die Assimila­ tion von Substanzen. Wir bemühen uns hier um die Herbeischaffung der notwendigen Mittel, die Erwer­ bung und Aneignung von Fähigkeiten, Talenten und Besitz, um für andere etwas zu gelten und Um in der Welt bestehen zu können. Alle Dinge, die wir uns aneig­ nen können, seien diese nun materieller oder geistiger Art, gehören in das 2. Haus. Beim Sonnenstand im 2. Haus messen wir das eigene Wertgefühl an dem, was wir haben und was wir können. Mit dem eigenen Können, mit dem was wir uns ange­ 131

eignet und errungen haben, steigt nicht nur der Wert unserer eigenen Persönlichkeit, sondern auch unsere innere Sicherheit. Das 2. Haus entspricht dein Stier, dem fixen Erdzei­ chen. Unsicherheiten auf dem Gebiet des Besitzes, des Vermögens oder des Sclbstwertes können die persön­ liche Entfaltung hindern. Schwierige Konstellationen im 2. Haus machen geneigt, ängstlich am eigenen Besitz festzuhalten, sich gegen mögliche Eingriffe - oft ohne wirkliche Gründe - zur Wehr zu setzen und sich in jeder Weise abzusichern. Es ist das Haus, in dem wir »Burgen bauen«, um uns zu schützen oder zu verteidigen. Selbstwert und Selbstverteidigung sind zwei Schlüssel­ wörter für die richtige oder falsche Funktionsweise dieses Hauses. Ist ein Mensch zur Selbstverteidigung ge­ zwungen und hat starke Spannungen im 2. Haus, dann baut er eine Wand um sich auf, durch die nichts mehr hindurchdringen kann. Er verkapselt sich in seinem eige­ nen ICH, geht in »Igelstellung«, betrachtet andere Men­ schen als seine Feinde, was bis zum Beziehungswahn aus­ arten kann. Die freie Kontaktnahme zum DU wird erheblich er­ schwert, weil der Mensch zu sehr auf sich und seine eigene Sicherheit bedacht ist Hat man irgendeine enge Beziehung zu einem anderen Menschen, dann wird aus diesem Zusammengehören ein Besitzanspruch abgeleitet. Man hält den anderen Menschen eisern fest, lässt ihm keinen Bewegungsraum; er wird zu einem festen Bestandteil des eigenen Lebensraumes, oftmals zu einem

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Objekt. Auch daraus können sich Probleme ergeben, vor allem, wenn man diesen Menschen, an dem man so sehr gehangen hat, eines Tages verliert. Dasselbe gilt auch für alle anderen Wertverluste. Diese können das Selbstbewusstsein derart erschüttern, dass das Lebensvertrauen und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwinden und kein neuer Anfang mehr ge­ wagt wird. Deshalb trifft man im 2. Haus alle Vorkeh­ rungen, um Verluste zu vermeiden und den einmal er­ reichten Zustand aufrechtzuerhalten. Daraus resultiert eine konservative Einstellung und häufig die Weigerung, sich zu ändern. Aber gerade aus dieser Angst heraus ver­ liert man oft alles, was man hat. Im 11. Haus geht es ebenfalls um das ICH, jedoch mehr um die persönliche Eigenart, die von anderen respektiert werden muss.

Steht die Sonne oder sonst eine wichtige Konstellation im 11. Haus, dann messen wir unseren Selbstwert nicht an dem, was wir haben, sondern an den Freunden, die wertvoll oder etwas Besonderes sein müssen. Wir wollen mit Menschen Zusammensein, die zu uns passen, die unserer persönlichen Entwicklung entsprechen, die den gleichen Status haben, oder die sozial und menschlich höher stehen. Wir wollen uns in der richtigen, in der »guten Gesellschaft« bewegen. Wir beteiligen uns mit Vorliebe an kulturellen, schöngeistigen oder idealisti­ schen Bestrebungen. Wir fühlen uns in unserem Selbst­ bewusstsein geschmeichelt, wenn wir ausgewählt oder eingeladen werden. 133

Mit einer Mission oder einer fortschrittlichen Idee iden­ tifizieren wir uns und empfinden uns auf diese Weise als wertvoll, wichtig oder sogar besser als die anderen. Oft suchen wir nach einem Allheilmittel für die Lösung menschlicher Probleme oder nach einer Heilslehre, für deren Verbreitung wir uns energisch und mit Überzeu­ gung einsetzen. Auch hier spielt wie in jedem fixen Haus die Sicherheit eine besondere Rolle, die wir im 11. Haus durch das Da­ zugehören, das Zusammensein mit Gleichgesinnten erle­ ben. Wir fühlen uns sicher und im Selbstbewusstsein aufgewertet, wenn wir mit dabei sind, wenn etwas Wichtiges für die Verbesserung der Welt geschieht. Das kann in einer fortschrittlichen Gruppe sein, in Vereini­ gungen, Organisationen, auch in Konzernen, Fabriken oder in der gehobenen Gesellschaft. Wir werden immer alles tun, um in einer Gruppe, einem Teamwork einen Platz zu finden und Freunde zu haben. Wir schaffen uns die entsprechenden Beziehungen oder organisieren Gruppen, in denen wir eine Rolle spielen. Das Wesentliche im 11. Haus sind die selbstgewählten Freunde, die »Wahlverwandtschaften«, die echten und wahren Freundschaften. Der Freund, der Freundeskreis, der durch sein Verstehen, seine gleiche Gesinnung, eine geistige Sicherheit gibt, kann viel bedeuten, oftmals so viel, dass wir darüber alle anderen Dinge des Lebens ver­ gessen und andere Menschen vernachlässigen, denen wir verpflichtet sind. Wir setzen uns für Freunde viel mehr ein als z. B. für die eigene Familie. Die Meinung der Freunde oder des Clubs, zu dem wir gehören, gilt mehr,

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als das, was beispielsweise die Familienangehörigen sagen. Auch hier gibt es Fehlentwicklungen und Probleme. Bei schwierigen Planetenstellungen bilden sich leicht fana­ tische und übertriebene Vorstellungen von der Welt und von Freunden. In unserem Bedürfnis nach Freun­ den, nach Zusammenschluss, können wir an die »Fal­ schen« geraten. Wir täuschen uns leicht, wenn wir zu sehr auf unsere Freunde bauen oder unsere höchsten Ideale in sie hineinprojizieren. Verhalten sich diese nicht so, wie wir es erwarten, dann kann eine Welt zusammenbrechen. Wir sind tief gekränkt, in unserem eigenen ICH verletzt, fühlen uns enttäuscht, missverstanden, von allen verlassen, ausgeschlossen. Dann schliessen wir uns ab, werden misstrauisch und hochselektiv, d. h. wählerisch; niemand passt mehr zu uns, an jedem haben wir etwas auszusetzen. Wir be­ schränken uns nur auf ein paar wenige Menschen, denen wir vertrauen können und von denen wir sicher wissen, dass sie uns nicht schaden können. Alle anderen weisen wir brüsk zurück, werden snobistisch und arrogant oder zum Eigenbrötler. Das eigene ICH wird aufgebläht, die anderen sind nichts mehr wert. Dadurch entsteht eine Isolierung, der »elfenbeinerne Turm«, eine Blockierung im Kontaktverhalten, je nachdem, welche Planeten im 11. Haus stehen.

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Die fixen Häuser auf der DU-Seite 5. und 8. Haus (Löwe) (Skorpion)

Im 5. Haus suchen wir uns selbst in der Welt und vor allem im engen Kontakt mit dem DU zu erproben und zu erfahren. Mit der Sonne im 5. Haus ist man von sich selbst überzeugt und tritt der Welt unbekümmert entgegen. Hier suchen wir die Berührung mit dem DU, schrecken nicht vor Abenteuer, vor Experimenten zurück. Wir haben den Mut, uns selbst darzustellen, hinzustehen, etwas zu riskieren oder aufs Spiel zu setzen und wollen aus uns selbst eine neue Welt schaffen. Die schöpferische Potenz und die Eigengestaltung des inneren Menschen wollen sich entfalten und auswirken, sei dies nun in der Liebe, in der Kunst oder indem wir unser Leben eigen­ willig gestalten, uns über Grenzen und Vorschriften hin­ wegsetzen und das tun, was uns passt. Immer geht es um die Selbstverwirklichung, um die Präsentation der eige­ nen Persönlichkeit. Eigene Unternehmungen, eigene Er­ zeugnisse (auch Kinder) dienen dazu. Im 5. Haus wollen wir beim DU ankommen. Deshalb machen wir einen gewissen »Lärm« um uns, damit das DU auf uns aufmerksam wird. Es ist das »Imponierge­ habe«, mit dem wir Eindruck machen wollen, mit dem auch die Tiere ihren Partner anlocken. Im 5. Haus wollen wir uns im intimen Verkehr mit dem Partner selbst er­ 136

fahren. Deshalb suchen wir die Selbstbestätigung auch in der Erotik, in der Liebe mit ihren Hoffnungen und Ent­ täuschungen. Enttäuschungen in der Liebe treffen uns tief, und wenn wir unser Selbstbewusstsein zu sehr da­ von abhängig machen, dann sind wir sehr eifersüchtig auf alles, was uns den Lebensgenuss streitig machen will. Wir leiden unter allem, was sich in den Beziehungen, im vertrauten Kontakt, ändert. Wir versuchen krampfhaft, die Liebe festzuhalten und müssen lernen, dass diese ihren eigenen Gesetzen folgt und nicht »manipuliert« werden kann. Das 5. Haus entspricht dem fixen Feuerzeichen Löwe. Es besteht hier eine Tendenz zur Absicherung wie in allen fixen Zeichen. Die Sicherheit im 5. Haus suchen wir in der Abgrenzung unserer eigenen Persönlichkeitssphäre, zu der eventuell auch Personen als »Besitz« gehören. Wird diese Sphäre angetastet oder streitig gemacht, dann entstehen harte Kämpfe um das Territorium, um die Einflusssphäre, um das Prestige, den Kompetenzbereich, und auch um die Menschen, die dazu gehören. Auch in den intimen Kontakten mit anderen Menschen darf niemand störend eingreifen. Die Intimsphäre wird wie ein »Hoheitsgebiet«, eine heilige Kultstätte, gehütet, bewahrt und gegen äussere Einflüsse abgesichert. Das eigene Selbst, das eigene Innere wird vor fremden Blicken verschlossen gehalten. Im 5. Haus will man »sein Gesicht nicht verlieren«, man muss Haltung bewahren

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und erträgt Schicksalsschläge stolz mit hocherhobenem Haupt, vor allem, wenn die Sonne darinnen steht. Bei gewissen Mondstellungen kann es im 5. Haus auch Entwicklungen geben, wo wir Kind bleiben und das Leben geniessen und in Freuden erleben wollen. Wir weigern uns, erwachsen zu werden oder uns mit einem DU enger einzulassen. Wir wollen lieber spielen, als uns mit dem Ernst des Lebens befassen. Mit Saturn im 5. Haus haben wir meistens Angst vor der realen Lebenserfahrung, vor dem Experiment, vor der Liebe, der hautnahen Berührung mit dem anderen Men­ schen. Wir schliessen uns ab und versäumen die eigene Entwicklung. Das führt je nach Planetenstellung entweder zu einer infantilen Haltung, zur Unterdrückung der Lebenslust, zu einer Abschnürung der Triebkräfte oder zu Sterilität und Frustration im erotischen Erlebnisbereich mit allen psychologischen Folgeerscheinungen. Diese haben mei­ stens ihre Ursache in einem nicht »ausgelebten« und »er­ fahrenen« 5. Haus.

Das 8. Haus entspricht dem fixen, wässrigen Zeichen Skorpion. Hier müssen wir uns mit der menschlichen Gesellschaftsstruktur, ihren Gepflogenheiten, ihren Ge­ setzen, ihren Absicherungstendenzen befassen. Wir sind hier weniger am einzelnen DU interessiert, als vielmehr an der Stellung, der Kompetenz, dem Machtbereich, den das DU in der Welt einnimmt Wir achten auf das, was der andere hat und was er mitbringt. Dazu gehört so­ 138

wohl materieller Besitz, der ihm eine gesicherte Position gibt, wie auch sein geistiger Besitz, Kenntnisse, Erfah­ rungen, Wissen und das, was er erreicht hat.

Die Sonne im 8. Haus deutet fast immer auf ein Erbe, das man materiell oder geistig zu übernehmen hat. Des­ halb interessiert man sich für die Gesetze, die vor den Eingriffen oder Übergriffen dritter Personen schützen. Man vertritt diese Gesetze und die Gesellschaftsordnung, setzt sich dafür ein, wann immer eine Möglichkeit dazu besteht oder benutzt diese auch zum eigenen Vorteil. Durch Gesetze, Verhaltensvorschriften, durch Legate und Treueverhältnisse sichert man seine eigene Stellung in Beruf und Stand sowie den Besitz des Einzelnen wie den der Gesellschaft. Im 8. Haus streben wir also danach, eine Funktion, eine Stellung zu erlangen, die uns einen Status, ein gewisses Prestige gibt. Man wird Verwalter von Besitztümern, die Gemeingut sind, oder Beamter, der die Gesetze des Staates vertritt und sich mit der Macht des Staates identi­ fiziert. Bei schwierigen Konstellationen im 8. Haus neigt der Mensch dazu, sich konformistisch zu verhalten. Er verschanzt sich hinter dem, was von oben herunter ange­ ordnet wird oder was andere als Vorbilder, als Säulen der Gesellschaft, Vorleben. Man übernimmt die Mittel des anderen, wird häufig Nachfolger grösserer Geister, tritt in deren Fussstapfen oder übernimmt einen dynasti­ schen Auftrag.

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Das konformistische Verhalten kann so weit gehen, dass der Mensch nicht mehr sich selbst lebt, sondern gelebt wird. Er geht dann ganz in seiner Funktion, in seinem »Rollenspiel« auf und verliert den Kontakt zum wirk­ lichen Leben. Es wird nur noch die äussere Form, die Maschinerie, aufrechterhalten, ohne mehr nach dem Sinn zu fragen und ohne Bezug zum Menschen. Da­ durch wird er menschenfeindlich und verliert den Zu­ gang zum innersten Wesen. Es können sich psycholo­ gische und geistige Krisen entwickeln, die mit den »Stirb-und-Werde-Prozessen« des Skorpionhauses be­ schrieben werden. Diese Krisen werden einsetzen, wenn die Form, die Struktur, die Gesetze mit ihrer mechanistischen Handha­ bung überhandgenommen haben oder wenn ein bis da­ hin andauernder Zustand von aussen her zusammenbricht. Das unterdrückte Eigenleben, das in der Routine und Mechanik eingefangene ICH, das mit tausend Fesseln an Pflichten, an Menschen gebunden ist, revoltiert und will sich freie Bahn schaffen. Dann fragt man sich: welchen Sinn hat das Ganze eigentlich, lohnt es den Aufwand, soll man sich weiterhin so definitiv einspannen lassen in Vor­ schriften, in Gesetze, in Aufgaben, in Pflichten? Es er­ wacht ein nagender Zweifel. Je nachdem, welche Planeten im 8. Haus stehen (vor allem beim Saturn), wird dieser Zweifel ständig da sein. Daraus kann sich die »Weisheit des Pessimisten« entwikkeln, der im vornherein verzichtet, um sich selbst Leid zu

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ersparen. Man fühlt sich unfähig, etwas gegen die Festgefahrenheit zu unternehmen und denkt: »Es hat ja doch keinen Zweck.« Bei gewissen Spannungen, vor allem, wenn man das, was man gerne haben möchte, nicht er­ reichen kann, gibt man sich selbst auf, versinkt in Ver­ zweiflung und Selbstmitleid. Daraus können sich bei schwierigen Konstellationen Selbstvernichtungswünsche entwickeln oder man klagt die anderen, die Gesellschaft, Gott und die Welt an und macht diese für das eigene Versagen verantwortlich. Das 8. Haus ist ein schwieriger Bereich, und wir müssen auf der Hut sein, dass wir trotz gesellschaftlicher Ver­ pflichtungen und dem Drang, innerhalb der Gesellschaft eine Rolle zu spielen, uns nicht selbst verlieren. Nicht umsonst wird es in der alten Astrologie das »Todeshaus« genannt.

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Die Achsen-Kreuze im Häuser-System kardinal

Haus

1/7

ICH-DU-Achse,

Haus 4/10 Individualachse

fix

Haus 2/8 Besitzachse Haus 5/11 Beziehungsachse

veränderlich

Haus 3/9 Denkachse Haus 6/12 Existenzachse

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Begegnung

Die Polarität der Achsen Bearbeitung von Heinz Kern nach Tonbandniederschriften

Die polaren Gegensätze im fixen Kreuz • Die fixe Achse 2/8 • Die fixe Achse 5/11 • Die Lösung oder der Ausweg über den »dritten Pol« am Beispiel des fixen Achsenkreuzes • Die polaren Gegensätze im kardinalen Kreuz • Die kardinalen Achsen 1/7 und 4/10 • Die Lösung der Achsenpolarität 4/10 • Die Lösung der Achsenpolarität 1/7 • Die polaren Gegensätze im veränderlichen Kreuz Die veränderliche Achse 12/6 • Die Lösung der Achsenpolarität 6/12 • Die veränderliche Achse 3/9 • Die Lösung der Achsenpolarität 3/9 Zusammenfassung •

Die Gegensätze ihrer Pole bei dualistischer Betrachtungs­ weise und der mögliche Spannungsausgleich über den »dritten Pol«.

Dort, wo der Einzelmensch seiner Umwelt und vor allem den Menschen in dieser Umwelt gegenübersteht, finden wir ihn in einem der Häuser oder Felder unseres astrologischen Systems. Der Tierkreis mit seinen Zeichen zeigt uns an, wie der Mensch ist, wie und was er sein kann. Das Häusersystem weist uns seinen Standort aus, seine Interessenssphäre, die Lebensbereiche, in denen er agiert oder reagiert. In die Umwelt sind wir hineingestellt, ihr sind wir ausgesetzt, mit ihr setzen wir uns auseinander. Wir und unsere Umwelt: das ist das praktische Leben. Deshalb ist das Häusersystem der uns naheliegendste und interessan­ teste Bereich der modernen Astrologie. Hier finden die Auseinandersetzungen statt zwischen dem ICH und dem DU, zwischen dem Individuum und dem Kollektiv. Hier ergeben sich die sozialen Spannun­ gen, und hier finden sich auch die Möglichkeiten des Ausgleichs in allen zwischenmenschlichen Bereichen. Aber so, wie sich im zwischenmenschlichen Bereich die Probleme nicht auf der Grundlage von Entweder-Oder, von Gut und Böse lösen lassen, ist in bezug auf das Häusersystem und dessen Achsenpole die herkömmliche

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dualistische Betrachtungsweise nicht das mögliche Re­ zept. Wenn es überhaupt ein Rezept gibt, dann kann es nur die Suche nach einer dritten Möglichkeit, nach einem »dritten Pol« sein. Um die Möglichkeit des »dritten Poles« leichter zu ver­ stehen, wollen wir vorerst das Häusersystem in seiner Achsen-Poligkeit näher untersuchen.

Die polaren Gegensätze im fixen Kreuz Die fixe Achse 2/8

Besitzachse

Betrachten wir zuerst die Achse 2/8, und zwar vorerst rein dualistisch, d. h. unter Herausstellung der Gegensätz­ lichkeit ihrer Pole. Es wird sich zeigen, dass die Gegen­ sätze, die das 2. und das 8. Haus an den Polen dieser fixen Achse beherbergen, bei dieser Betrachtungsweise unver­ einbar sind. Die aus diesen Gegensätzen erwachsenden Probleme sind erst lösbar, wenn wir uns von dualisti­ schen Betrachtungen freimachen. Wenn wir die Achse 2/8 als Besitzachse bezeichnen, dann ist das insoweit zutreffend, als beide Häuser mit die­ sem Oberbegriff etwas zu tun haben, allerdings in einem

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offensichtlich sehr unterschiedlichen Sinne, wenn wir das 2. Haus wie üblich als das »Geldhaus«, das 8. dagegen als »Todeshaus« sehen. Mit so einfach gewählten Begrif­ fen lässt sich der polare Zusammenhang der beiden Häuser kaum verdeutlichen. Gehen wir indessen von der Lage der beiden Häuser aus, dann wird der Zusammen­ hang erkennbar. Das zweite Haus liegt auf der linken Seite, in der ICH-Hälfte des Horoskopes. Es repräsentiert meinen Besitz. Das 8. Haus dagegen liegt auf der rechten, der DU-Seite. Es repräsentiert deinen Besitz. So wird klar, warum in der Literatur das 8. Haus auch als das Haus der »Erbschaft« bezeichnet wird. Setzen wir Besitz mit Substanz gleich, aus der wir unsere Energie aufbauen, dann finden wir eine Erklärung dafür, dass die an der Besitzachse liegenden Häuser auch mit dem Essen in Zusammenhang gebracht werden. Men­ schen mit betontem 2. und 8. Haus neigen in der Regel zu voluminösen Mahlzeiten, und zwar um sich aus­ reichend mit Substanz zu versorgen. Substanz können wir auch mit Vorrat gleichsetzen. Die Vorratshaltung ge­ hört zu den typischen Merkmalen des 2. Hauses. Die Vorräte speichern wir in Scheunen, und an die Tore der Scheunen hängen wir schwere Schlösser, damit niemand an unseren Besitz herankommt. Was ich besitze, darf mir niemand nehmen, und die extremste Form dieser Siche­ rung des Besitzstandes ist der Geiz. Mein ausgeprägter Sinn für Besitz kann sich indessen auch auf den Besitz des anderen Menschen, also den Be­ sitz im 8. Haus richten. Möglicherweise ist dort der Be­ sitzstand grösser als der eigene. Bin ich ein anständiger

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Mensch, werde ich warten, bis ich auf legale Weise an den Besitz des anderen gelange, d. h., ich warte, bis er tot ist, denn dann erbe ich. Oder ich bin ein asozialer Mensch, dann hole ich mir einfach den Besitz im 8. Haus, wenn nötig mit Gewalt. Also Erbschaft und Tod im 8. Hause - Tod auch für mich, wenn ich Gewalt anwende und mich die Strafe des Gesetzes trifft. Natürlich kann ich Verzicht leisten auf den Besitz im 8. Haus, oder ich muss Verzicht leisten, muss einfach zusehen, wie der andere alles im Überfluss besitzt. Was mir dann bleibt, ist der Neid. Geiz im 2. Haus, Neid im 8. Haus - zwei allzu menschliche Schwächen an den Polen dieser Achse, der BesitzAchse! Neid kann den Menschen übrigens umbringen: Tod im 8. Hause. Wir haben uns Gesetze geschaffen, um unseren Besitz­ stand gegen unrechtmässige Zugriffe zu sichern. Gesetze sind Einschränkungen, Schranken, in die wir verwiesen werden. Gesetze zwingen uns in irgendeiner Form zum Verzicht auf etwas. Unter diesem Verzicht leiden wir. So liegt in der Besitzachse auch Leid begründet, das uns oft unerklärlich oder in den Ursachen schwer erkennbar ist. Mein Besitz, dein Besitz. Der Wunsch nach mehr Besitz, auch nach dem Besitz des anderen. Das Gesetz, das mei­ nen Besitz schützt, das mich aber auch in die Schranken verweist Wunsch hier, Verzicht dort und daraus Leid.

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Es ist die Achse, in der noch in früheren Zeiten das Gesetz galt: »Aug um Aug, Zahn um Zahn.« Im 2. Haus wurde der eigene Besitz als unantastbar angesehen, im 8. Haus der Besitz der Sippe. Wehe, wenn irgendwer diesen angetastet hat; dann war oftmals die Schuld nur durch den Tod zu bezahlen (Blutrache). Diese Blutrache und die damit zusammenhängenden Tabus und Schutzgesetze bezogen sich auf die Achse 2/8 und auch 5/11, denn die Frau war ebenfalls ein Besitz, und wenn sie von jemandem begehrt wurde, dann konnte die Tat nur durch den Tod gerächt werden. Auch Duelle, Offiziersehre, Ehrenkodex gehören auf dieses Achsenkreuz. Das sind die polaren Gegensätze der Besitz-Achse - zwei astrologische Beziehungsfelder, die den Konflikt klar anzeigen. Die Konfliktlösungen liegen jenseits des Entweder-Oder der Achse 2/8, wie wir später sehen werden.

Die fixe Achse 5/11

Beziehungsachse

Wir unterscheiden auch hier das auf der linken Seite lie­ gende von dem auf der rechten Seite liegenden Haus. Natürlich bedeutet die Lage des 11. Hauses auf der ICHSeite nicht, dass dort keine Beziehungen zum DU ge­ pflegt werden, aber die Betonung liegt eben auf dem ICH. Beim 5. Haus liegt dagegen das Gewicht auf dem DU.

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Tatsächlich ist die Verhaltensweise entsprechend dieser Betonung in beiden Häusern recht verschieden. Im 5. Haus läuft man dem Mitmenschen nach. Man geht auf ihn los; es kann zu aggressiven Kontakten kommen. Typisch am Kontaktnehmen im 5. Haus ist, dass jeder Mensch immer die ihm eigene »Masche«, immer den gleichen Trick oder Kunstgriff anwendet, um beim DU anzukommen. Der Kontakt im 5. Haus ist eindeutig triebbestimmt, d. h., wir suchen die physische Beziehung zum geschlecht­ lichen DU. Dass hierbei jeder mit seiner »Masche«, mit seinem Trick oder Imponiergehabe arbeitet, hat entscheidende Bedeu­ tung bei der Partnerwahl, denn auf meinen Trick fallen nicht alle herein. Mit meiner »Masche« fange ich nur eine bestimmte Anzahl von möglichen Partnern. Ich spreche, im wesentlichen unbewusst, mit meinem Grundmecha­ nismus des Kontaktnehmens nur jene Menschen an, die meinem Wesen komplementär sind Jeder Mensch sucht im Partner die ideale Ergänzung. Natürlich wäre eine hundertprozentige Ergänzung das Ideal. Liegt die Ergän­ zung nur bei fünfzig Prozent, geht der Mensch auf die Suche nach den fehlenden fünfzig Prozent, d. h., er sucht die Ergänzung bei mehreren Partnern, wovon im Falle der Ehe natürlich jeweils nur einer legal sein kann. Die »Illegalen« sind die Ursache für die Ehedramen. Ich kann natürlich aus moralischen Gründen auf die an einer totalen Ergänzung fehlenden Prozente verzichten. Dann

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werde ich leiden, und das Leid kann zum tragischen Ereignis führen. Oft leidet eine Ehe am Mangel der hochprozentigen Ergänzung; unerfüllte Bedürfnisse stauen sich - das Ende sind Aggressionen. Das 5. Haus bietet also einige Möglichkeiten für kleine und grosse Dramen, die ihren eigentlichen Grund, ähn­ lich wie im anderen fixen Achsenpaar, im Besitzwunsch haben. Hier will ich den anderen Menschen besitzen, für mich allein. Ich bekomme es mit der Angst zu tun, wenn er nach anderen Ausschau hält; meine Eifersucht er­ wacht. Wenn sich der Wunsch nach Besitz des anderen Menschen in seine Extremform steigert, dann sind wir bei der Versklavung angelangt Wird mir mein Besitzwunsch am Einzelmenschen nicht erfüllt, resigniere ich nach angestrengten Bemühungen; dann wird mein Bcsitzwunsch politisch. Ich suche Macht über das Kollektiv. Ich will diese Art von Machtaus­ übung nicht, um zu besitzen; ich will kontrollieren, indi­ rekt besitzen. Wem der Liebesrausch verwehrt bleibt, der sucht den Machtrausch! Im 5. Haus möchte der Mensch den unmittelbaren Kon­ takt zum DU. Hier befindet er sich mitten im bunten, menschlichen Treiben, und seinen Trieben lässt er hier freien, wenn auch genormten Lauf Anders im gegen­ überliegenden 11. Haus auf der ICH-Seite. Hier blickt er aus luftiger Höhe - aus einem Lufthaus - distanziert auf das ausgelassene Treiben hinab. Gleichzeitig aber wird er sich der damit verbundenen Lusteinbusse bewusst. Im 11. Haus wird er fern vom Alltagstreiben zum Philo­

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sophen, neigt aufgrund gemachter Erfahrungen zur Betrachtung seiner selbst und zur kritischen Wertung des anderen Menschen, um daraus wieder Gewinn für sich selbst zu ziehen. Im 11. Haus findet man zu sich selbst zurück. Wie in jedem fixen Hause wird auch im 11. etwas ge­ sammelt. Hier sind es Erkenntnisse, und zwar Erkennt­ nisse, die man aus der Kenntnis des Menschen gewonnen hat. Hier bilden sich die Ideale vom Menschen. Ausser­ dem ist im 11. Haus erkennbar, welche Ideale der Mensch selbst hat. In allen Fällen haben Menschen mit einer starken Betonung des 11. Hauses nicht nur ausge­ prägte ideale Vorstellungen vom Menschen, sondern sie stellen auch entsprechend hohe Forderungen an das soziale Verhalten des Menschen. Im Extremfall werden für das Ideal Kreuzzüge geführt, Feuer und Schwert ein­ gesetzt und Massen so fanatisiert, dass am »Endsieg« kein Zweifel sein kann. Der Liebes- oder Machtrausch im 5. Haus und die Menschheitsideale und deren Verfechtung im 11. Haus sind Pole, die bei dualistischer Betrachtungsweise nur als Entweder-Oder existent sind, wie wir das auch für die Pole der Achse 2/8 bereits festgestellt haben. Wir haben die Gegensätzlichkeit der Pole vorerst am Fixkreuz des Häusersystems untersucht, weil sich Fixes, Feststehendes, besser und intensiver beobachten lässt als das, was beweglich oder veränderlich ist. Wir werden die Gegensätze und ihre Unvereinbarkeit bei dualistischer Betrachtungsweise später auch an den kardinalen und

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veränderlichen Kreuzen studieren. Vorerst kam es darauf an aufzuzeigen, dass die Beschränkung auf das EntwederOder nicht zu Lösungen führt. Wir brauchen vielmehr eine dritte Dimension, einen »dritten Pol«, um uns aus der Spannung der Gegensätze zu befreien.

Die Lösung oder der Ausweg über den »dritten Pol« am Beispiel des fixen Achsenkreuzes Da uns das vorangegangene Kapitel über die Unvereinbarkeit der Achsenpole beim fixen Kreuz noch lebendig im Gedächtnis ist, wollen wir am Beispiel dieses Kreuzes mit dem Versuch beginnen, uns aus den Pol-Spannungen zu befreien, indem wir uns von der dualistischen Betrachtungsweise lösen. Im nächsten Kapitel untersuchen wir die gleiche Proble­ matik und die Lösungsmöglichkeiten am Beispiel der kardinalen und veränderlichen Achsen. Es ist die Art der fixen Häuser, dass sich Zustände nicht sprunghaft verändern lassen. Veränderungen gibt es hier nur in kleinen Schritten und nur mit grossem Kraftauf­ wand. Was hier vorgegeben ist, angezeigt vor allem durch Oppositionen, das sitzt wie ein Anker.

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Wer Oppositionen auf diesen Achsen hat, weiss darüber ein Lied zu singen. Wie finden wir nun die Lösung, die Befreiung aus der Achsenpolarität? Keinesfalls, indem wir auf der Span­ nungsachse selbst unser Heil etwa im Gegenpol suchen. Um zu Lösungen zu kommen, brauchen wir die dritte Dimension. Besteht beispielsweise die Spannung auf der Achse 2/8, also auf der Besitzachse (Besitz im Sinne von Substanz), dann finden wir die Lösung auf der zweiten Fix-Achse, also auf der Achse 5/11, auf der Beziehungsachse. Wer durch Oppositionen im Spannungsfeld der BesitzAchse lebt, ist einseitig sachlich-technisch orientiert. Er sieht nur die Mechanismen, wie sie computerhaft ablau­ fen, und er sucht auf diese Weise seine Besitzprobleme zu lösen, sogar mit Gewalt, wenn es nicht anders gelingt. Er glaubt an die Organisierbarkeit von allem. Wer derart in die Besitzproblematik der Achse 2/8 ver­ strickt ist, dem hilft nur die Dimension, die auf der Achse 5/11 liegt: das Menschliche. Er muss sich von der Sache, von der Substanz weg und hin zum Menschen wenden, - dann findet er Befreiung aus dieser Verstrickung oder Verspannung. Weg von der Besitzachse, hin zur Beziehungsachse, und zwar nicht einseitig zu einem Pol dieser Achse, sondern zur Achse in ihrer Gesamtheit. Wir lösen uns aus dem Spannungsfeld der Besitzpole der Achse 2/8, indem wir das »Menschliche an sich« bewusst

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suchen, so wie es die Achse 5/11 beinhaltet. Die senk­ recht auf der Spannungsachse stehende zweite Achse des betreffenden Kreuzes - nicht in ihrer Polarität gesehen, sondern als Einheit -, das ist der »dritte Pol«, der uns ech­ te Lösungen bietet. Die Lösung liegt also immer auf der Achse des Kreuzes, die nicht oder weniger stark von Spannungsfaktoren besetzt ist. Wichtig ist indessen, dass wir diese »LösungsAchse« als Einheit betrachten und dass wir nicht - wie bei dualistischer Betrachtung - nur die Gegensätzlichkeit der Pole auf dieser Achse sehen. Machen wir uns das klar bewusst: Eine Achse, die nicht oder nicht mehr unter der Spannung ihrer stark besetz­ ten Pole steht, ist tatsächlich eine Einheit. Wir sehen dann beispielsweise an den Polen der Achse 5/11 nicht die Gegensätzlichkeit von Erotik und Menschheitsideal, son­ dern begreifen diese Achse als die dem Menschen für sein Denken und Fühlen gebotene Spannweite. Es gibt nicht nur die Gegensätzlichkeit, sondern auch die Synthese der Achsenpole: man muss sich das nur be­ wusstmachen. Das geistige Ideal vom Menschen oben im 11. Haus und das tierisch triebhafte im 5. Haus sind Spielraum für nicht zählbare Kombinationsmöglichkei­ ten positiver zwischenmenschlicher Beziehungen. Der Streit zwischen zwei Menschen, z. B. in der Ehe, resultiert - so gesehen - doch nur aus der Fixierung auf eine Spannungsachse. Liegen die Spannungen im zwi­ schenmenschlichen Bereich, also auf der Achse 5/11, muss man den Ausgleich, den Ausweg auf der Achse 2/8 suchen. Man wird ihn finden, wenn man die dort bereit­ liegende Möglichkeit der Versachlichung des Streites

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sieht und nutzt. Beides muss klappen in der Ehe, die Erotik und die Ökonomie. Spannungen im erotischen Bereich haben ihren Grund oft in der Vernachlässigung des ökonomischen Bereiches. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche. Sex und Geld haben häufig miteinander zu tun. Machen wir uns die Möglichkeiten bewusst, die zum Spannungsausgleich auf der anderen Achse des Kreuzes liegen, dann haben wir leichteres Spiel mit unse­ ren Problemen.

Die polaren Gegensätze im kardinalen Kreuz Die kardinale Achse 4/10 Individualachse

Die kardinale Achse 1 /7 Begegnungsachse

Über diese Achsen haben wir bereits ausführlich Kapitel über den Kollektiv- und Individualraum den ICH- und DU-Raum geschrieben. Wir werden deshalb hier nur auf die polaren Gegensätze und Lösungsmöglichkeit beschränken.

im und uns ihre

Die Achse 1/7 vom AC zum DC ist die Begegnungs­ achse. Der Unterschied zur Beziehungsachse 5/11 liegt im wesentlichen darin, dass hier Dynamik, Aktivität, Schaffensprozesse das Feld beherrschen, während es auf

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der Beziehungsachse mehr um die Form der Beziehun­ gen zueinander geht Auf der Achse 1/7 begegnen sich ICH und DU zum gegenseitigen Vergleich. Man sucht kritisch nach den Schwächen und Stärken des DU und nimmt Wertungen mit Plus- und Minuspunkten vor. Die Achse 1/7 ist die Ebene des Wettbewerbes, der Konkurrenz in allen Bereichen des Lebens, vom Kampfspiel bis zur Wer­ bung. Das ICH will das DU ausstechen, ihm imponieren, zumindest aber auf dessen Niveau stehen. Hier tritt der Existenzkampf in seinen härtesten Formen auf, hier finden aber auch die Begegnungen statt, die die Liebe arrangiert. Das sind die Extreme dieser Achse. Menschen mit starker Linksbetonung dieser Achse, be­ sonders mit Sonne- und Mondbesetzung, sind ichbetont, egoistisch oder auch egozentrisch. Liegt die Betonung am DC, im 7. Haus, dann wird vor allem das Harmonieerlebnis gesucht. Dies kann soweit gehen, dass ein ICH-Verlust, eine Selbstentfremdung eintritt und nur noch für das DU gelebt wird. Egoismus und Altruismus sind hier die Spannungspole, die zu be­ wältigen sind. Auf der Achse 4/10, der Verbindung zwischen IC und MC, ergeben sich die Spannungen aus dem Gegensatz Kollektiv (4. Haus) und Individuum (10. Haus). Der

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Mensch, in ein Kollektiv hineingeboren, ist sehr früh be­ müht, sich als Individualität von der Masse ab-, sich aus ihr herauszuheben. Deutlich erkennbar wird dieses Bemühen dann, wenn das 10. Haus starke Besetzung hat. Dann haben wir es in der Regel mit ausgeprägten Individualisten zu tun. Die in dieser Achse liegende Spannung wird dann ernst­ haft ausgelöst, wenn das Kollektiv den Individualisten ab- oder ausstösst, und wenn der Individualist das Kollektiv ignoriert Das Kollektiv fordert ein gleichför­ miges Verhalten seiner Mitglieder. Diese Kollektivverhaltensweise ist aber gerade das, was der Individualist als Hindernis empfindet und deshalb überwindet. Er muss sich im Interesse seines persönlichen Zieles anders verhal­ ten als die Mitglieder des Kollektivs, was ihn in schwer­ wiegenden Gegensatz zu diesem bringt Andererseits kann der Mensch im eigenen Interesse das Kollektiv nicht völlig entbehren; er wäre sonst schutzlos. Das Kollektiv schützt seine Mitglieder, aber nur um den Preis des Kollektivverhaltens. Und da beginnt für den Individualisten die Schwierigkeit. Hat er überhaupt eine Alternative?

Die Lösung der Achsenpolarität 4/10 Die Lösung liegt auch hier - wie im fixen Kreuz - im »dritten Pol«, d h., in der anderen Achse des Kreuzes. Die Lösung liegt in der Begegnung. Der Individualist darf

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seinem Kollektiv nicht nur gegenüberstehen, er darf, so hoch er auch über ihm ist, nicht auf sein Kollektiv hinabschauen. Auch als Individualist muss er Mensch bleiben und im anderen den Menschen sehen können, der ihm im biologischen Sinne gleich ist. Er darf den echten menschlichen Kontakt zum DU nicht nur nicht verlieren, er sollte ihn immer suchen und pflegen. Aktive Begegnung, die Achse 1/7, das ist der »dritte Pol«, der Ausweg aus der Polarität der Achse 4/10.

Die Lösung der Achsenpolarität 1/7 Bei der Problematik auf der ICH-DU-Achse 1/7 geht es darum, die individuelle Entwicklung anzustreben, d. h., man sollte sich aus der DU-Abhängigkeit lösen und zur selbständigen Persönlichkeit werden. Wer zu sehr am DU hängt und nicht fähig ist, ohne ein DU zu leben, der wird auch immer wieder Enttäuschun­ gen erleben. Immer ist er in Sorge, dass er beim DU nicht ankommt, dass man ihn falsch einschätzen könnte. Er hat Angst vor Missachtung, Herabsetzung oder Zurückweisung seiner Person. Ständig ist er bemüht, sich des DU, seiner Zuneigung und Unterstützung zu ver­ sichern. Mit allen möglichen Manipulationen und einem ausgeklügelten Netz von Verteidigungsmechanismen will er in jeder Situation - bei Angriffen oder auch oft nur bei natürlichen Reaktionen des DU - bereit sein und mit Vorbedacht oder »diplomatischen Schachzügen« reagieren.

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Dadurch wird jeder echte und lebendige Kontakt, jeder natürliche Austauschprozess zwischen dem ICH und dem DU erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Die daraus resultierenden Kontaktschwierigkeiten und Abhängigkeiten vom DU, die immer bei einer Verspan­ nung (oppositären Aspekten) auf der Begegnungsachse (AC/DC) bestehen, können nur gelöst werden, wenn man sich auf die andere Pol-Achse 4/10 begibt und sich seiner selbst bewusst wird. Das geschieht auf der Indivi­ dualachse. Dort richten wir uns auf zu unserer vollen Grösse, und mit erhobenem Haupt bekommen wir einen grösseren Überblick und gleichzeitig ein Rückgrat, mit dem wir fest stehen. Wir erkennen dann, wie falsch wir uns dem DU gegenüber verhalten haben und wie wir es besser machen können. Wir beschliessen, uns ernsthaft zu än­ dern und kultivieren eine neue Einstellung dem DU gegenüber. Wir werden das DU richtiger einschätzen und andere Menschen so sehen, wie sie wirklich sind. Frei von Wunschprojektionen und Zwangsvorstellun­ gen können wir dann dem DU begegnen - ein echter Austausch wird ermöglicht, wodurch wir selbst und auch das DU glücklicher sind Erst wenn man in sich selbst gefestigt ist, aus sich selbst leben und bestehen kann, ist man fähig, dem DU ein wirklicher Partner zu sein.

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Die polaren Gegensätze im veränderlichen Kreuz: Achse 12/6 und 3/9 Im Kreuz der veränderlichen Häuser ist die Polarisierung längst nicht so stark betont wie im kardinalen oder gar im fixen Kreuz, wo sie am schmerzhaftesten wirken kann. Mitunter sind die Gegensätze der Pole hier gar nicht wahrnehmbar, was wohl mit dem veränderlichen, also leichter anpassungsfähigen Charakter dieser Häuser erklärbar ist.

Die veränderliche Achse 12/6 Existenzachse

Auf der linken Seite, im 12. Haus, wird die Frage nach der Existenz an sich gestellt, d. h., die Frage nach der eigenen Existenz ins Bewusstsein gerückt. Hier wird in der Stille über das eigene ICH nachgedacht, meditiert Andacht und Kontemplation gehören zum Wesen dieses Hauses, das auf der ICH-Seite liegt. Die Umwelt ist weit entfernt. Auf der rechten Seite, im 6. Haus, steht der Mensch dem DU gegenüber. Da wird die Frage nach der Existenz wieder ganz konkret gestellt, und zwar bei der Arbeit, bei der Zusammenarbeit mit dem DU. Diese wird nur dann funktionieren, wenn das ICH sachlich und menschlich genügend dafür ausgerüstet ist. Hier kann man in jeder Hinsicht versagen. Darin liegt die Proble­ matik in diesem Hause. Erkenne ich diese, und liegen

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meine Schwierigkeiten vor allem im menschlichen Be­ reich, dann ziehe ich mich am besten in die Stille des 12. Hauses zurück. Im 12. Haus kann ich mich als das erleben und erkennen, was ich wirklich bin. Durch diese Innen­ wendung nähere ich mich meiner eigenen Wesenssub­ stanz. Ausgerüstet mit dem Selbstvertrauen, das ich hier gefunden habe, werde ich sehr viel erfolgreicher wieder nach aussen treten und meinen Lebenskampf, meine Exi­ stenz mit Erfolg bestreiten können. Gelingt mir die innere Abstützung meines Selbst nicht, dann wird die Welt mit ihren Forderungen zur Last. Ich fühle mich erdrückt von Pflichten und Arbeit und unfähig, diese zu bewältigen - gebe ich mich selbst auf Meistens ist es das fehlende Selbstbewusstsein, was mich im 6. Haus, also bei der Arbeit, versagen lässt. Die Existenzachse 6/12 hat mit dem Selbstbewusstsein im direkten Sinne zu tun. Nicht das äussere Selbstbe­ wusstsein, das immer und überall gezeigt wird, sondern die innere Überzeugung, dass es mich gibt, dass ich für etwas da bin und dass ich gebraucht werde. Dies hängt mehr mit der existentiellen Grundfrage des Lebens, mit der Existenzberechtigung und schliesslich mit dem soge­ nannten »SEIN« zusammen. Diese Fragen erlebt man auf dieser Achse immer wieder an den Realitäten des Lebens. Es ist die Existenz im Sinne von »Sein oder Nichtsein«, die hier zum Problem wird, und die nur von der geisti­ gen oder inneren, psychologischen Seite her gelöst wer­ den kann. Im 12. Haus muss ich mit mir selbst ins reine kommen

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und erkennen, wo ich stehe, was ich bin, welche Stärken und Schwächen ich habe. Die Fragestellung lautet: Habe ich der Welt etwas zu geben, bin ich »zu etwas nütze«, bin ich fähig, meine Aufgaben im Leben zu erfüllen? Warum versage ich im Leben und bei der Arbeit? Falle ich anderen zur Last? Bin ich selbst existenzfähig? Das 6. Haus ist der eigentliche Raum des Existenz­ kampfes. Es ist ein akuter Raum; man muss etwas tun. Es geht aber nicht nur um die Tätigkeit an sich, sondern um das WIE der Tätigkeit. Man beobachtet sich und seine Umwelt. Wie wird gearbeitet? Was wird verlangt? Was muss ich können und mitbringen, um neben den ande­ ren bestehen zu können? Es gilt herauszufinden, wie ich optimal aufgrund meiner Fähigkeiten existieren kann, wo der richtige Platz für mich ist, wo meine Fähigkeiten verlangt werden. Wenn man dies im 6. Haus herausfin­ det, ist das eine der besten Bestätigungen für das Selbst­ bewusstsein und für die eigene Existenzbewältigung. Das Selbstbewusstsein baut sich hier an der eigenen Leistungs- und Arbeitskapazität auf Durch Reibung, Auseinandersetzungen, Misserfolge und Niederlagen in der Arbeit und im Leben werden wir uns schmerzlich bewusst, welche Mängel und Fehler wir haben. Mit allen Mitteln versuchen wir, diese Mängel zu beseitigen, uns weiterzubilden, unsere Kenntnisse zu er­ weitern, um noch besser zu werden und eine dement­ sprechend »bessere Stellung« zu erlangen. Im positiven Sinne wird man alles daransetzen, so tüchtig wie möglich am Arbeitsplatz zu sein, Mitarbeitern und Vorgesetzten durch gute Arbeit und ein menschliches, soziales Verhal­

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ten etwas zu bedeuten. Dabei kann man jedoch übertrei­ ben und unterwürfig, kriecherisch und servil werden. Man hat kein Selbstbewusstsein mehr, man lässt sich alles gefallen, wird ausgenützt, häufig deshalb, weil man Angst hat, seine Stellung, seine »Brötchen« zu verlieren. Im 6. Haus wird viel gearbeitet; wir überanstrengen uns leicht, nehmen Lasten und Arbeiten auf uns, die eigent­ lich nicht nötig sind und häufig über unsere Kräfte gehen. Bei gewissen Konstellationen reissen wir uns so­ gar darum, die Lasten des DU tragen zu dürfen, weil wir uns dann gut, heldenhaft und tüchtig Vorkommen. Wir bauen unser Selbstbewusstsein daran auf, anderen dienst­ bar und nützlich zu sein. Spannungen auf der Existenzachse deuten meistens auf einen Konflikt zwischen den Forderungen des Lebens und den Möglichkeiten und Fähigkeiten, diese zu erfül­ len. Oft ist es die Angst vor dem DU, vor der Umwelt mit ihren Aufgaben und Pflichten, die Angst vor dem möglichen Versagen, den persönlichen Niederlagen und Zurückweisungen, die man erleiden könnte, die es unmöglich macht, seinen Platz im Leben zu finden. Man flüchtet sich dann geradezu ins 12. Haus und versteckt sich vor den anderen, wird zurückhaltend, scheu, misstrauisch; man baut sich eine illusionäre Welt, die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat. Dieser Konflikt der Existenzbemeisterung oder des Nichterfol­ ges im äusseren Leben ist häufig die Ursache, sich durch einen »Drogenrausch« über die realen Bedingtheiten hin­ wegzutäuschen und sich in ein Phantasiereich der Träume zu flüchten

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Damit wird aber diese Problematik nicht gelöst, denn immer wieder müssen wir hinaus ins »harte Leben« und im 6. Haus herausfinden, wie wir unsere Existenz bestrei­ ten, unseren Broterwerb finden können. Haben wir nicht den erwarteten Erfolg, kommen wir mit dem, was wir versuchen, nicht durch, dann ist es ein kleiner Schritt, die Niederlagen zu kompensieren; entweder werden wir krank oder wir setzen uns ins Unrecht. Das Scheitern und Versagen in der Arbeit, in der Existenzbewältigung führt fast immer zu irgendeiner Krankheitsform. Das kann temporär sein, denn jeder hat einmal im Leben eine Niederlage zu erleiden; es kann aber auch lange dauern und chronisch werden. Es sind meistens psychosomatische Prozesse, die das Krankwer­ den verursachen und die auf der Existenzachse angezeigt sind Es ist in jedem Horoskop aus den Stellungen im 6. Haus oder in oppositären Spannungen auf der Achse 6/12 ersichtlich, wie wir selbst auf diesen psychosomati­ schen Mechanismus bei Versagen oder Überbelastungen reagieren. Oft ist das Krankwerden eine ganz natürliche Schutzmassnahme der Natur. Nicht immer geht man freiwillig, sondern in unserer heutigen Leistungsgesellschaft macht man oft noch lange weiter. Wir glauben »ohne mich geht es nicht« oder »ich habe keine Zeit, um mich zu erholen«, bis sich schliesslich die Natur einschaltet und wir krank werden. Es gibt viele Formen falscher oder richtiger Verhaltens­ weisen auf dieser Achse. Eine Form, die noch nicht er­ wähnt wurde, ist jene des asozialen oder kriminellen Verhaltens. Wenn z. B. jemand nicht arbeiten will und

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die Lösung seiner Probleme darin sieht, auf Kosten des DU zu leben, seine Intelligenz, seinen Charme dafür einsetzt, irgendeinen Menschen gefügig zu machen, dass er ihm dient, für ihn sorgt etc., dann wird sich das früher oder später rächen. Solche Übergriffe werden vom DU, von der Umwelt zurückgewiesen, und bei kriminellen Handlungen greifen die Gesetze ein. Solch ein Mensch wird isoliert und landet im Gefängnis; das ist wiederum im 12. Haus. Das 12. Haus ist ja auch das Haus der freiwilligen oder er­ zwungenen Isolation. Wenn wir krank sind, befinden wir uns im 12. Haus, sei dies nun im eigenen Zimmer zu Hause, wo wir uns selbst überlassen bleiben, oder im Spital. Wenn wir etwas Unrechtes getan haben oder mit unerlaubten Mitteln unsere Existenz bestreiten wollen, werden wir von den Mitmenschen isoliert. Wir haben menschlich versagt, wenn wir das DU schädigen und seine Rechte nicht anerkennen. Was im 6. Haus nicht klappt, reagiert im 12. Das eine ruft das andere hervor; die Polaritäten hängen immer zusammen, sind kausal miteinander verbunden.

Die Lösung der Achsenpolarität 6/12 Auch hier bietet der »dritte Pol«, nämlich die zweite Achse des beweglichen Kreuzes, die Denkachse 3/9, die Lösung an. Wer Existenzprobleme auf der Achse 6/12 hat, wird am besten versuchen, einmal philosophisch über die Dinge des Lebens nachzudenken. Durch Er­ kenntnisse gelangt man zur Einsicht und kommt damit zum richtigen Verhalten im mitmenschlichen Bereich.

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Im 3. Haus können wir uns eine gute Bildung aneignen und uns für das Leben ausrüsten. Wir beobachten, wie es die anderen machen, eignen uns aus dem kollektiven »Denkschatz« das an, was uns noch fehlt und für die be­ rufliche Fortbildung nützlich ist. Im 9. Haus erkennen wir, dass es noch andere Dinge gibt. Wir dehnen unser Bewusstsein aus, lösen uns von den kleinen oder grossen belastenden Existenzsorgen und gewinnen einen klaren Überblick. Die Dinge ordnen sich dann wieder sinnvoll zueinander. Es ist gut, den Blick nach oben zu richten, »Luft zu schöpfen« in einer von den alltäglichen Sorgen freien, geistigen Atmosphä­ re. Von dieser erhöhten Warte aus werden die Dinge, die einem so belastend vorkamen, wieder in die richtige Proportion rücken. Wir können eine mehr überpersön­ liche und vom Existenzdruck freiere Zielrichtung einschlagen und eine neue Sinngebung finden.

Die veränderliche Achse 3/9 Denkachse

Bei der Betrachtung dieser Achse müssen wir beachten, dass das 3. Haus im Kollektivraum und das 9. Haus im Individualraum liegt. Im 3. Haus liefert mir das Kollek­ tiv die Denkvorlagen: in der Familie und in der Schule wird mir von Geschwistern und Lehrern das vom Kollektiv akzeptierte Wissen angeboten. Bald wird der Mensch jedoch kritisch und stellt durch praktische Er­ fahrungen fest, dass das vom Kollektiv gelieferte Wissen nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist.

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Er beobachtet, gewinnt seine eigene Anschauung von den Dingen, macht sich seine eigenen Gedanken und schafft sich so die Grundlage für seine eigene Lebensphi­ losophie, die ihren Platz im 9. Haus hat. Es stehen sich also auf dieser Achse zwei Typen gegenüber: einmal der Typ, der die Denkschablonen des Kollektivs vorbehaltlos akzeptiert und zum anderen der Denker an sich, der für sein individuelles Philosophieren Einsamkeit erdulden muss und überdies - im Gegensatz zum »Kollektivdenker« - von Skrupeln geplagt wird. Das 9. Haus im Individualisierungsraum des Horosko­ pes bringt durch die Gegenüberstellung zum kollektiven Denken den Prozess der Selbstwerdung in Gang. Wir stellen uns zunächst in Gegensatz zu dem, was der allge­ meinen Volksmeinung entstammt, und kommen in Konflikt, indem wir uns gegen die bestehende Meinung auflehnen. Für die eigene Überzeugung müssen wir oft die Verständnislosigkeit der nächsten Angehörigen im 3. Haus auf uns nehmen und uns aus dem standardisierten Verhalten lösen, normale Massstäbe ablegen, um die innere Unabhängigkeit im Denken zu erreichen. Dann werden wir auch die notwendige »Zivilcourage« haben, für unsere Überzeugung einzutreten und den Mut zur individuellen Tat und zum eigenen Denken entwickeln.

Im 3. Haus ist es nicht einfach, sich aus den kollektiven Denkgewohnheiten zu befreien. Wir denken nach be­ stimmten Strukturen und Schablonen, und wir wissen oft selbst nicht, dass sie Teil unseres Milieus sind, das wir automatisch übernommen haben und das im Unbe­ wussten unser Denken steuert 167

Gewisse Gedankengänge fallen uns manchmal schwer, weil sie nicht diesen Schablonen entsprechen. Werden uns neue Gedankengänge zugetragen, dann erscheinen uns diese oft abwegig, fremd und »ketzerisch«. Es kann sein, dass wir uns dagegen wehren und sie von uns wei­ sen, sie als schlecht oder unwahr bezeichnen. Manchmal wird einfach ein moralisches Verdikt darüber verhängt. Wir glauben, die Sache sei damit erledigt und wir müs­ sen uns nicht weiter darum bemühen. Man hat seine Ruhe und kann ruhig im »alten Trott« weiterleben Es gibt Menschen, die eisern in ihrem eigenen Denkkreis bleiben und mit allen Mitteln das verteidigen, was schon immer Gültigkeit hatte, was schon immer so getan und gedacht wurde. Sie lehnen dann kategorisch alles Neue ab, ja sie beschimpfen die »9.-Häusler«, die immer wieder neue Ideen haben und sie aus ihrer Ruhe aufrütteln wollen. Das ist eine wichtige Problematik auf der Denkachse 3/9. Im 9. Haus geht es anders zu. Da sind immer originelle Denkprozesse im Gange, die nicht auf die eingeschulten Denkgewohnheiten bauen, sondern durch intensives Nachdenken zu eigenen Resultaten führen. Im 9. Haus wissen wir, dass wir selbst denken können, und wir sind überzeugt, »es« genau so gut zu wissen oder vielleicht noch besser als die anderen. Im 3. Haus meinen wir, die anderen wüssten alles, die Lehrer und Professoren, die Pfarrer oder die Eltern. Wir haben keine eigene Stellung­ nahme und getrauen uns nicht, unsere eigene Meinung zu sagen. Man glaubt immer, die anderen hätten recht, und man macht sich auch keine allzugrossen Gedanken, ob irgend etwas richtig oder falsch ist.

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Der Mensch hat ganz deutlich diese beiden Möglichkei­ ten: Er kann in seinem Denken kreatürlich, milieugebun­ den und »liniengetreu« bleiben und entlang den Schablo­ nen leben, die ihm eingegeben worden sind, oder er kann den Mut haben, diese anzuzweifeln und beginnen, sich langsam daraus zu lösen und sich ins 9. Haus hinauf­ zuentwickeln »vom nahen 3. Haus zum fernen 9. Haus«. Das heisst, dass man sich von Dingen, die ausserhalb der eigenen Reichweite liegen, beeindrucken lässt, sie als Wahrheiten und Realitäten erkennt und dann selbst ver­ sucht, sie zu verstehen. Dadurch ist eine Bewusstseinserweiterung möglich, ein echtes Wachstum. Der Reiz, die­ sem Fernen und Neuen nachzugehen, neue Denkwege zu suchen, dieser Reiz liegt im 9. Haus. Je nach Besetzung der beiden Häuser 3 und 9 kann man sehen, ob ein Mensch konservativ beim alten bleibt, oder ob er neue Wege aufsucht und geistig lernfähig bleibt. Es gibt aber auch den extremen Typ im 9. Haus, der immer wieder neue Gedanken und Ideen hat, der nichts Gegebenes hinnimmt und grundsätzlich alles in Frage stellt, was durch Tradition und Kultur gegeben wurde. Er will ganz besonders originell sein und anders denken als alle, was natürlich zur Manie ausarten kann. Er verliert sich in Theorien, die in der Praxis nicht verwertet wer­ den können und die er allen anderen mit Überzeugung beibringen will. Wenn diese kein Verständnis zeigen, dann straft er sie mit Verachtung und schaut auf die Mittelmässigkeit des kollektiv gebundenen, konformi­ stisch ausgerichteten »braven Bürgers« herunter. Er fällt

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damit vielen Menschen auf die Nerven, weil er nur von sich selbst und seinen Ideen redet, sich für etwas Besseres hält, immer recht und für nichts anderes mehr Interesse hat.

Die Lösung der Achsenpolarität 3/9 Und hier kommen wir wieder zum »dritten Pol«, der die Lösung anbietet. Die Notwendigkeit, die eigene Existenz zu bestreiten, bringt den Theoretiker des 9. Hauses dazu, »normal« zu werden, von seinem »hohen Ross« herunterzusteigen und wie jeder andere zu arbeiten. Auch die geistige Überheblichkeit, die ein selbständiger und unabhängiger Denker oft hat, kann durch die Existenzachse ausgeglichen werden. Denn auf der Achse 6/12 sind wir mit der Realität, mit der Not und dem Überlebenmüssen nicht nur von uns selbst, sondern auch anderer Menschen konfrontiert. Die Erkenntnis, wie viele Notleidende es in der Welt gibt, kann den geistig Überheblichen berühren und das Helfen-, Heilen- und Dienen-Wollen auf der 6/12-Achse erwecken. Er wird demütig, indem er die Verantwortung spürt, die gerade er durch sein selbständiges und überschauendes Denken gegenüber den vielen Notleidenden hat. Er wird seine Denkkraft auf die Lösung der vielen Probleme mensch­ licher Existenz richten und belehrend, beratend und hei­ lend tätig sein. Jener im 3. Haus kommt mit seinen alten, längst über­ holten Denkgewohnheiten nicht mehr im Leben zu­ recht. In der Existenzbewältigung erweist es sich, dass sie

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nicht mehr tauglich sind; er muss sich bemühen, sein Denken der neuen Zeit anzupassen. An den Misserfolgen merkt er, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, dass er sich ändern muss. Er wird nachdenken, bis ihm etwas einfällt, bis er einen neuen Weg, einen Ausweg aus sei­ nem Dilemma findet. In der realitätsbezogenen Existenzachse 6/12 begegnen sich die Gegensätze der Achse 3/9. In der Praxis der Lebensbemeisterung zeigt es sich, dass sowohl das kollek­ tive Denken wie auch das individuelle Denken sich im Leben bewähren müssen. Auch der Individualist wird er­ kennen, dass es im kollektiven Denken viele wertvolle Dinge gibt, die nicht einfach über Bord geworfen wer­ den können. Man trifft sich in der Mitte: was sich an eingeschulten, angewöhnten Denkvorgängen und Denkresultaten als richtig erweist und an der Realität nach­ prüfen lässt, das wird man weiter benützen. Wo sich aber Denkgewohnheiten, Voreingenommenheiten, fixe Mei­ nungen und Verhaltensweisen an der Realität immer wieder stossen, dort muss nach neuen Erklärungen, nach neuen und besseren Wegen gesucht werden; oder man muss sich wenigstens darum bemühen und dafür offen sein.

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Zusammenfassung Bei den zwei Achsen im veränderlichen Kreuz geht es immer um Erkenntnisse. Im 12. Haus geht es um das Er­ kennen der eigenen, inneren Wesensart und des Exi­ stenzsinnes überhaupt: gibt es mich, gibt es mich nicht? Im 6. Haus geht es um das Erkennen der Welt und um mein Verhältnis zu ihr im Sinne der Existenzfrage, in­ dem ich meine »Marktlücke«, meinen Platz finde. Im 3. Haus geht es um das Erkennen der eigenen Herkunft und der Strukturierung meines Denkens durch das Kollektiv. Hier ist die Denkgrundsubstanz, der Denkboden, was man mitbringt als Start für die eigene »Denkkarriere« im Leben. Und im 9. Haus schlagen sich die Endresultate dieses Denkens und Erkennens aller beweg­ lichen Häuser nieder, und zwar in der eigenen, selbsterrungenen Lebensphilosophie. Jeder Mensch hat irgendeine Philosophie, nach der er sein Leben erklärt. Diese Philosophie ist im 9. Haus zu suchen. Hier tauchen die Fragen nach dem Sinn des Lebens auf Es sind die Sinnfragen des 9. Hauses, die den Zusammenhang mit der Existenzachse aufzeigen. Im 9. Haus geht es um prinzipielle Erkenntnisse, die nicht un­ bedingt mit dem Existierenkönnen zu tun haben, sich aber an der speziellen Erkenntnislage nähren, an der Fähigkeit oder Unfähigkeit, mit dem Leben fertigzu­ werden und ihm einen Sinn zu geben. Wir haben versucht, am Beispiel aller drei Achsenkreuze die Problematik jenes Menschen aufzuzeigen, der die Gegensätzlichkeiten der Polachsen ausschliesslich duali­

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stisch sieht Dabei konnten wir erkennen, wie sich Lösungen und Auswege immer über den »dritten Pol«, nämlich über die zweite Achse des gleichen Kreuzes, anbieten, und so halten wir uns zwischen Gut und Böse, zwischen Entweder-Oder stets diesen dritten Weg offen, der uns aus dem Dilemma führt

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Astrologe beim Erstellen eines Horoskops. Abbildung aus dem Werk des Gautier de Metz, eines Dichters des 13. Jahrhunderts "L'image du monde" (Das Abbild der Welt). Britisches Museum, London Harley MS 3234.

Die Intensitätskurve

Der Goldene Schnitt • Unterschied der Intensität von Häusern und Zeichen • Die Häuserspitzen • Der »Invertpunkt« • Der »Talpunkt« • Berechnung der »Talpunkte« • Die drei Bereiche in jedem Haus nach den Kreuzqualitäten • Die dreiphasigen Entwicklungsprozesse im Horoskop •

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Häuserspitze (Sp) Invertpunkt (IP) Talpunkt (TP) Wir kommen nun zu einem Kapitel, das für die differen­ zierte Beurteilung der Planeten im Häusersystem sehr wichtig ist. Es ist die Intensitätslinie oder -kurve, die ebenfalls eine dreiteilige Unterscheidung im Wir­ kungsbereich jedes Hauses anzeigt. Um den äusseren Kreis verläuft eine gezackte Linie, die wir die Intensitätskurve nennen. Sie bewegt sich in einem wellenförmigen Verlauf um das ganze Häuser­ system, erreicht jeweils an den Achsenpunkten am Haus­ anfang ihre höchste Intensität, um dann abzufallen zum sogenannten »Nullpunkt« oder »Talpunkt« der Hausin­ tensität. Dieser entspricht in Wirklichkeit dem »Goldenen-Schnitt-Punkt« des Hauses. Dieser Punkt wurde auf Grund langer Untersuchungen pragmatisch gefunden und erst hinterher als Gold­ schnittpunkt erkannt. Deshalb entstand auch eine kleine Abweichung in der dritten Kommastclle des Gold­ schnittpunktes (0.615 anstatt 0.618). Die Alterspunktund Talpunkt-Tabclle ist auf diese pragmatische Zahl berechnet. Die Intensitätslinie, die sich auf Häuserspitze und Gold­ schnittpunkt bezieht, hat mit der Wirksamkeit der Häuser zu tun. Sie zeigt an, in welchen Räumen die Hausqualität am stärksten und in welchen sie am schwächsten ist. An dieser Kurve wird deutlich, dass eigentlich die Qualität eines Hauses bereits beim Tal­ punkt des vorhergehenden Hauses beginnt, dass sie an

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der Spitze am stärksten ist und bis zum Talpunkt des nächsten Hauses reicht. Dadurch überschneiden sich so­ zusagen die einzelnen Lebensbereiche.

177 I

Wie bereits früher erwähnt, beginnt das Haus nicht erst bei der Achsenspitze, noch endet es abrupt wie vor einer Barriere bei der nächsten Spitze. Die Qualitäten der Häuser fliessen vielmehr ineinander über, durchdringen sich bis zu einem gewissen Grade, wodurch ebenfalls die Interessensbereiche gefärbt und eine noch grössere Fein­ unterscheidung möglich wird. An dieser Kurve und den speziellen Bereichen lässt sich die Wirkungsintensität eines Planeten, also einer Wesenskraft, sofort erkennen und spezifizieren. Aber zuerst wollen wir uns noch kurz mit dem »GoldSchnitt-Mass« befassen.

Der Goldene Schnitt In der dynamischen Raumbetrachtung hat das Gesetz des »Goldenen Schnittes« eine wichtige Bedeutung. Be­ kanntlich ist der Goldene Schnitt die Teilung einer Strecke, deren kleinerer Abschnitt sich zum grösseren verhält wie dieser zur Gesamtstrecke: a b

b (a+ b)

ungefähr 3:5 (genau: 1 = 0.382 + 0.618)

Der Goldene Schnitt kann von beiden Eckpunkten einer Linie ermittelt werden. Es gibt dafür eine geometrische Figur:

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Das Pentagramm (der Fünfstern)

Dieses entsteht dadurch, dass fünf Punkte, die in einem Kreis in gleichen Abständen liegen (5 x 72°) untereinan­ der verbunden werden, indem immer je einer über­ sprungen wird. Jede Linie wird schliesslich von zwei anderen durchschnitten. Die sich dadurch ergebenden Linienteilungs-Verhältnisse sind immer im Mass des Goldenen Schnittes. Diese Gesetzmässigkeit finden wir auch in den Propor­ tionen des menschlichen Körpers. Früher hat man den Menschen in das Pentagramm hineingezeichnet, mit den fünf Zentren Kopf, Hände und Füsse in den jeweiligen Ecken. Dasselbe harmonische Massverhältnis zeigt sich auch in der Blattstellung von Pflanzen, in vielen anderen Naturerscheinungen sowie in der Kunst und Architektur des Altertums und der Renaissance. In der Anwendung des Goldenen Schnittes im Horo­

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skop ergibt sich eine Gesetzmässigkeit, die in der um das Häusersystem fortlaufenden Kurvenlinie auf der Zeich­ nung deutlich erkennbar ist. An den jeweiligen Spitzen sind die vitalsten, impulsgebenden Kräfte des Hauses wirksam, und in den »Tälern«, den sogenannten »Tal­ punkten«, kommen die Kräfte zur Ruhe, werden ge­ sammelt, verarbeitet und reifen zu neuem Einsatz Man kann dieses Kräftespiel auch mit der Zentrifugalund Zentripetalkraft vergleichen. An den Spitzen der Häuser drängen die Kräfte nach aussen (Zentrifugal­ kraft), und an den Talpunkten fallen sie auf sich selbst zu­ rück (Zentripedalkraft). Dort werden sie gleichsam vom eigenen Mittelpunkt angezogen, erhalten neue Kraft, Richtung und Zielsetzung, um wieder hinausgeschleudert zu werden. Dieser Rhythmus vollzieht sich im Mass des Goldenen Schnittes. Das »Gold-Schnitt-Mass« kann nun in der einen und in der anderen Richtung um »das Häuserrad« angewendet werden. Folgen wir ihm im Uhrzeigersinn, dann finden wir den sogenannten »Invertpunkt« eines jeden Hauses, im Gegenuhrzeigersinn den »Talpunkt«. Bleiben wir beim Beispiel der Zentrifugalkraft oder der Schleuder und stellen uns vor, dass wir an einer Schnur einen Stein kreisen lassen: Die Rechtsdrehung entspricht dem Invertpunkt und die Linksdrehung dem Talpunkt. Psycho­ logisch gesehen ist links immer innen und rechts immer aussen. Wir können uns aber auch diese Kräfte an einer Spirale deutlichmachen: Die Spirale nach innen dreht sich links herum und die Spirale nach aussen rechts herum. (6 u. 9)

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Unterschied der Intensität von Häusern und Zeichen Die Gesetzmässigkeit des »Goldschnitt-Masses« in der Intensitätslinie finden wir auch in den Zeichenqualitäten. Die Zeichen sind ja bekanntlich die Energiequellen für die Planetenkräfte, und es wurde immer vermutet, dass diese ungefähr in der Mitte eines Zeichens am stärksten sind. Nahe der Zeichengrenze ist die Energieanreizung offensichtlich relativ schwach. Richten wir uns auch hier nach dem Mass des Goldenen Schnittes, so finden wir bei einer Rechtsdrehung um den Zodiak in jedem Zeichen den 12. Grad Wenn also ein Planet in einem Zeichen auf 12 Grad steht, dann hat er seine grösste Kraft; er bekommt vom Zeichen her ein grösseres Potential an Energie als am Anfang oder Ende des Zeichens. In nebenstehender Abbildung sehen wir den Tierkreis, der mit dem Zeichen Widder am Aszendenten zu ste­ hen kommt. Ferner bemerken wir, dass die AC-DCAchse nicht genau bei 0 Grad Widder steht, sondern auf 12 Grad Widder! Damit sind gleichzeitig die stärk­ sten Zonen in den Zeichen und in den Häusern ange­ zeigt. Die Spitze eines Hauses steht jeweils auf dem stärksten Punkt (also 12 Grad) eines Zeichens und der »Talpunkt« auf der Zeichengrenze. Dies ist eine genaue Entsprechung der beiden Beziehungssysteme, nur sind die Beziehungskategorien ver­

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schieden, je nachdem, ob wir nun vom Häusersystem oder vom Zeichensystem sprechen.

Das Zeichensystem deutet auf die Anlagen hin, auf das, was schon bei der Geburt vorhanden ist. Wenn wir also einen Planeten im Zeichen betrachten, so gibt er uns darüber Auskunft, woher die ihn beeinflussenden Ener­ gien kommen, welche Erbanlagen, welche Konstitution ihn bestimmen. Wenn wir einen Planeten aber vom Haus her sehen, so wird deutlich, wohin sich diese Fälligkeiten im prakti­ schen Leben wenden, auf welchen Gebieten sie sich umsetzen wollen. Deshalb ist ja das Häusersystem ein so zen­ traler und wichtiger Punkt in der psychologischen Horoskopdeutung. Wir wollen nun die drei wichtigen Punkte: Häuserspitze, Invertpunkt und Talpunkt einzeln und in ihrer Relation zueinander genauer betrachten.

Zeichen und Häuser

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Die Häuserspitzen (abgekürzt Sp) Sp

QUALITÄT: Die Bereiche der Häuserspit­ zen sind hoch aktive Leistungszonen. Die Kräfte kumulieren sich, sind inten­ siv nach aussen gerichtet, aufs höchste gesteigert.

An den Spitzen der Häuser entsteht eine Aktivierung der Leistungspotenz und des Vitalfundus. Es ist ein Impetus, der schaffende Energien in Gang bringt. Die entspre­ chenden Fähigkeiten, angezeigt durch die Planeten, kön­ nen voll im Leben eingesetzt werden. Die Umsetzung im Leben, die Veräusserlichung, erreicht das höchste Mass. Man setzt sich über Grenzen hinweg und kann auch häufig »über das Ziel hinausschiessen«. Alle Planetenkräfte an Häuserspitzen strömen nach aus­ sen, sie sind immer einsetzbar in der Umwelt, werden von aussen wahrgenommen, werfen unmittelbare Re­ sultate ab. Es kommt vor, dass man lange von einem Menschen nur die »spitzenscharfen« Planeten wahr­ nimmt und dass man erst beim näheren Kennenlernen nach und nach erfährt, dass noch andere Wesenszüge in ihm vorhanden sind, die meistens verborgen in Zwi­ schenräumen oder am Talpunkt stehen. LEITSATZ: Alle Eigenschaften der Planeten, die an Häu­ serspitzen oder deren Nähe stehen, können voll im Leben verwendet und wirksam eingesetzt werden. Sie reagieren intensiv auf äussere Reize, und sie finden Bestätigung durch die Umwelt. (Erfolgserlebnis)

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Wirkungsweise: Es ist nicht immer so, dass ein Planet direkt auf einer Spitze ist, sondern er kann auch vor oder nach der Spitze stehen. Diese Räume oder Zonen vor oder nach einer Häuserspitze haben ebenfalls verschiedene Bedeutungen. Psychologisch gesehen verursacht das Streben nach einem Gipfel, wie ihn die Spitze eines Hauses darstellt, eine Krise mit einem speziellen »Krisenmechanis­ mus«. Vor der Spitze oder dem Gipfel muss man sich anstrengen, um das Ziel zu erreichen. Diese Anstrengung kann zu gross werden, so dass es zu einem »Zielstreckenkollaps« kommen kann. Man möchte aufgeben, sich fal­ len lassen, resignieren. Je nach Naturell eines Menschen kann diese Situation aber auch zu ungewöhnlichen Leistungen anreizen (Kompensation). Die Gefahr an der Spitze ist, dass man die Energien nicht kontrollieren kann und sich voller Begeisterung in alle möglichen Unter­ nehmungen stürzt und seine Kräfte im Hochgefühl des erreichten Gipfels sinnlos verschleudert. Drüben geht es wieder hinunter, was eine andere psychische Haltung bewirkt: Das Hochgefühl wird abgeschwächt, die neue Sicht, die Vision, die man vor dem Gipfel erarbeitet hat, kann in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Dies geschieht nach der Achse fast wie von alleine, ohne viel Mühe, und man kann die Früchte der vorherigen Anstrengung ernten.

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Beispiel: Diese Wirkung sei an folgendem Beispiel deutlich ge­ macht: Wir wissen, dass jedes Haus ein psychologisches Thema hat, einen bestimmten Interessens- oder Betäti­ gungsbereich. Im 9. Haus z. B. geht es um die eigene konstruktive und produktive Denkweise, um die Philosophie, die Geistes­ haltung, die richtige Sinngebung. Alle Planeten im 9. Haus sind mit diesen Themen beschäftigt. Aber es gibt Unterschiede, die sich davon ableiten, in welchem Teil eines Hauses ein Planet steht Ein Planet vor der Spitze des 9. Hauses ist bereits an Philosophie interessiert. Ob­ wohl er im 8. Haus steht und noch mit gesellschaftlichen Belangen, mit seinem Pflichtenkreis beschäftigt ist, interessiert er sich schon für die Freiheit des schöpferi­ schen Denkens, und zwar von dem Punkt des grössten Tiefstandes in der äusseren Intensitätslinie, also vom Talpunkt des 8. Hauses an. Wenn ein Planet bei einem Menschen vor der 10. Hausspitze steht, philosophiert er zwar noch (entsprechend der Qualität der Planeten), aber er interessiert sich bereits für seine Karriere, das heisst, er möchte verwirklichen, was er sich »ausgedacht« hat.

Planeten vor einer Häuserspitze sind im Zwiespalt: Sie sind noch mit dem vorherigen Thema beschäftigt, streben aber mit ihren Interessen schon dem nächsten Haus zu. Die Energien konzentrieren sich auf das Kommende. 185

Planeten nach der Spitze identifizieren sich voll und eindeutig mit dem Thema des entsprechenden Hauses. Durch diese Eindeutigkeit sind sie erfolgreich im Leben einzusetzen. Sie sind also im allgemeinen wirksamer als die Planeten vor einer Hausspitze. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, vor allem in der Beurteilung von Horoskopen etwa von Zwillingsge­ burten, weil sich der einzige, aber wesentliche Unter­ schied oft nur darin zeigt, dass sich bei dem einen ein Planet vor und beim anderen derselbe Planet nach einer Achse befindet. Im allgemeinen sind die Räume zwi­ schen dem Beginn eines Hauses und dem Talpunkt am intensivsten. Hier ist die Intensität, die Umsetzung der Potenz ins Leben, am wirkungsvollsten, weil Intensitäts­ richtung und Hausthematik übereinstimmen. In diesem Bereich findet sich aber ein weiterer Markierungspunkt, der Beachtung verdient:

Der »Invertpunkt« (abgekürzt IP) Der Goldschnittpunkt in jedem Haus im Uhrzeigersinn gezählt Der Talpunkt liegt an der tiefsten Stelle der Intensitätskurve und der »Invertpunkt« spiegelgleich dane­ ben. Wir rechnen also die »Tal­

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punkt-Distanz«, die wir sonst von der Hausspitze nach vorwärts rechnen, von der Spitze des folgenden Hauses rückwärts. QUALITÄT: Der »Invertpunkt« deutet auf eine Sammlung der Kräfte, die durch das »Energiegefälle« von der Spitze des Hauses und dem »Energiestopp« des Tal­ punktes entsteht. Psychologisch erzwingt dieses »Schwinden der Kräfte« eine erhöhte Konzentration der verbleibenden Energien auf verwirklichungs­ fähige Ziele mit Langzeit-Wirkung.

An den Häuserspitzen sind die Planeten oder Funktions­ organe nach aussen am intensivsten wirksam. Sie wirken häufig derart expansiv, dass sie schwerlich kontrolliert werden können und leicht zu »Energieverschleiss« füh­ ren. Wenn sie aber über die starke Reizwirkung der Achse hinweg sind, geraten sie bereits in den Sogbereich der Bremswirkung des Talpunktes, was eine starke Sammlung und Konzentration der Kräfte notwendig macht. Einerseits ist noch die Schubkraft der Hausspitze da, andererseits aber bereits genügend Bremskräfte, wo­ durch eine besondere, disziplinierte Handhabung der vorhandenen Energien und der speziellen Fähigkeiten gegeben ist, die durch die dort vorhandenen Planeten an­ gezeigt sind. LEITSATZ: Alle Eigenschaften von Planeten, die am »Invertpunkt« oder in dessen Nähe stehen, können be­ wusst kontrolliert und intelligent gezielt im Leben produktiv gemacht werden. Sie reagieren auf eigene Willensimpulse.

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Wirkungsweise Beim »Invertpunkt« (IP) erreicht die Intensitätskurve schon einen gewissen »Niedrigstand«. Da kommt die Einsicht, dass die Kraft nicht immer währt, dass man seine Kräfte einteilen muss, und dass es besser ist, planvoll und überlegt vorzugehen, als die Kräfte im Hochgefühl zu vergeuden. Am »Invertpunkt« wird ein Gleichgewichtszustand der polaren Kräfte erreicht, der durch die eigene Einsicht und Willenskraft aufrechterhalten wird. Es ist aber kein statisches, sondern ein dynamisches Gleichgewicht, das immer in der Dreipoligkeit entsteht. Die Energien wer­ den auf das richtige Mass und die richtige Mitte einge­ stellt. Das Verhältnis der Kräfte kommt in einen antago­ nistischen Ausgleichsprozess. Jede Kraft kontrolliert die andere. Durch diese disziplinierende Wirkung können die Planeten am »Invertpunkt« erfolgreich und gezielt im Leben eingesetzt werden. Der Impuls schiesst nicht über das Ziel hinaus, und die Stabilisierungskräfte führen nicht in einen kristallisierten oder erstarrten Zustand. Dinge, Unternehmungen oder Pläne, die am »Invertpunkt« ein­ geleitet werden, haben immer Bestand, sind von langer Dauer, weil sie lebensfähig sind; deshalb können wir ihn auch den »Lebenspunkt« nennen. Die Idee, die Vision, der Impuls kann mit der Wirklich­ keit in Übereinstimmung gebracht werden; dadurch wird die richtige, lebensfähige Form gefunden und ge­ schaffen, die das Gewollte und Gewünschte ausdrückt. Das ist ein echter schöpferischer Prozess, der mit Intelli­

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genz und einsichtsvoll geleitetem Willen vor sich geht. Die eigenen schöpferischen Kräfte können im Leben produktiv und erfolgreich verwirklicht werden. Das Selbstbewusstsein stärkt sich am Erfolg in erheblichem Masse, denn hier kann man sich selbst verwirklichen. Deshalb ist es gut, bei eventuellen Schwächen im Selbst­ bewusstsein die Planeten oder Funktionsorgane an den »Invertpunkten« zur Stärkung des Selbstbewusstseins heranzuziehen.

Beispiel: Wenn die Sonne am »Invertpunkt« steht, dann hat der Mensch ein besonderes Selbstvertrauen; er weiss, was er kann, und schätzt sich und seine Fähigkeiten richtig ein. (Bei Sonne an der Häuserspitze neigt man vergleichs­ weise eher zur Selbst-Überschätzung.) Er konzentriert sich auf ein zu erreichendes Ziel, vermeidet jegliche spe­ kulative oder unverantwortliche Handlungsweise. Er bescheidet sich auf eine Sache, richtet all seine Kräfte darauf ein - und ist fähig, das Beste daraus zu machen. Alles Überflüssige wird weggelassen. Der Realsinn ist stark entwickelt und damit auch die Verwirklichungsfähigkeit. Aber es gibt auch am »Invertpunkt« eine »Gefahr«, die in dem Wahn besteht, alles selbst einleiten, ausführen und erreichen zu können. Man ist Herr seines eigenen Systems, und die durch den eigenen Willen kontrollier­ ten Funktionsorgane (Planeten) werden nur noch mechanistisch betätigt. Daraus entsteht dann eine »Knopfdruck-Mentalität«, d. h., man muss erst wollen, bevor die Energie frei wird. Man blockiert oder akti-

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viert, öffnet oder schliesst sich, wie man gerade will. Die spontane Reaktion, die durch äussere oder innere Reize vor allein bei den Kontaktplaneten notwendig ist, wird dadurch unterbunden. Der Mensch kann zum Sklaven seines eigenen »Kontroll-Apparates« werden, wenn er ihn nur zur Verteidigung seiner eigenen Rechte, zur Verfechtung seiner persönlichen Interessen verwendet Die Gefahr am »Invertpunkt« ist also die, dass man den Erfolg, den man in der Welt erringt, ausschliesslich sich und seinen eigenen persönlichen Kräften zuschreibt Da­ durch wird meistens eine Wand zwischen sich und den Mitmenschen aufgerichtet. Einsamkeit, Angst, Miss­ trauen und Leere nehmen oft genau in dem Masse zu, als man von anderen beneidet, bewundert oder gefürchtet wird. Das kann zu einer inneren Krise führen, die meistens am Talpunkt ihren Höhepunkt erreicht.

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Der Talpunkt (abgekürzt TP)

Der Goldschnittpunkt in den Häusern im Gegen Uhrzeigersinn gezählt Wenn wir in der Abbildung Seite 177 die äussere Intensitätslinie anschauen, bemerken wir, dass jedes Haus einen Tiefpunkt hat. Das ist der Talpunkt des Hauses, hier hat die Energie ihren Tiefstand erreicht. QUALITÄT: An den Talpunkten kommen die impuls­ gebenden Kräfte zur Ruhe, zum Stillstand. Die Le­ bensaktivität ist gehemmt und auf die inneren Berei­ che des Lebens eingestellt. Die Kräfte ziehen sich nach innen zurück. Dadurch ist eine Festigung, Ver­ tiefung und Stabilisierung möglich. In den Talpunkten findet immer ein Reifungsprozess, eine inne­ re Sammlung und Neuorientierung, statt. Hier voll­ zieht sich häufig eine Wandlung, eine Vorbereitung zu einem neuen Start.

Mit den Planeten an den Talpunkten werden Erfahrun­ gen und Erkenntnisse, Erlebnisse und Begebenheiten be­ trachtet, verarbeitet und erhärtet Je nachdem wie diese beschaffen sind, können sie zu einer Reifung oder de­ pressiven Entmutigung führen. Am Talpunkt muss man Bilanz machen und die Konsequenzen aus den Erfahrun­ gen, den Niederlagen, den Fehlschlägen oder unerfüll-

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ten Wünschen ziehen. Der Talpunkt hat immer eine innere, introspektive Qualität. Hier kann man Zugang erhalten zu seinem innersten Wesenszentrum, zu seinen eigenen seelischen Bereichen und das eigene Innenleben als unmittelbar zum Selbst gehörend erleben. Selbstbe­ obachtung und Selbstwahrnehmung können experi­ mentell erfahren werden. LEITSATZ: Eigenschaften, die Planeten an Talpunkten oder in deren Nähe anzeigen, wirken nach innen und können im äusseren Leben nicht voll eingesetzt wer­ den. Sie brauchen besondere Reizwirkungen und oft lange Zeit der Entwicklung.

Planeten, die an den Talpunkten stehen (kurz davor oder danach), werden nur durch höchste Konzentration, durch unablässiges Bemühen, Ausdauer und Beständig­ keit in der äusseren Welt wirksam. Es ist innen meist mehr vorhanden, als nach aussen durchkommen kann. Im besten Falle zeigt sich das als ein reifer Mensch, der in sich selbst gefestigt ist, zurückhaltend und introspektiv lebt und meistens auf äussere Erfolge verzichtet

Wirkungsweise In unserer heutigen leistungsorientierten Zeit ist ein Planet am Talpunkt oftmals kritisch. Man findet für diese bestimmte Fähigkeit nur wenig Interesse, wenig Betäti­ gung im Leben. Sie wird von der äusseren Lebenssitua­ tion nicht gefragt; man kann sie wenig gebrauchen. Je nach Eigenschaft, je nach Planeteneinfluss, um den es sich dabei handelt, kann das schmerzhaft sein.

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Den drei neuen Planeten, den sogenannten »geistigen oder höheren Planeten« Neptun, Uranus und Pluto wird das weniger ausmachen als etwa Sonne oder Mars, die sich betätigen wollen und die Bestätigung durch ihr Tun und die Umwelt brauchen. Wenn diese Wesenskräfte nicht genügend Betätigung im äusseren Leben finden, kann sich das in psychischen und nervösen Störungen, in depressiven Zuständen und komplexhaften Stauungen zeigen. Deshalb ist es wichtig, dass man die Talpunktstellungen vorwiegend in ihrer geistigen Bedeutung versteht. Man kann die dort vorhandenen Planeteneinflüsse gewissermassen als »Eintrittstellen« oder »Zugangspunkte« zum inneren Zentrum, zum Kreis in der Mitte, ansehen. Dann wird man die Talpunktstellungen als eine geistige Gele­ genheit ergreifen, mit seinen innerseelischen Qualitäten und Möglichkeiten in Kontakt zu kommen. Man kann sich bewusst auf die eigene Mitte ausrichten und ganz andere Möglichkeiten der Lebensäusserung vorfinden, als die extravertierten Qualitäten der Häuserspitzen anbieten. Die meisten Menschen jedoch verstehen nicht, was hier verlangt wird. Sie sperren sich am Talpunkt gegen den Werdedrang des inneren Selbst Deshalb wird an dieser Stelle viel gelitten. Man sollte in sich hineinlauschen, auf den Willen des zentralen Wesens achten, in sich hinein­ gehen, der inneren Stimme gehorchen, alles loslassen und Platz machen für das neue Leben, das sich kundtun will. Dadurch wird nicht nur eine völlig neue, frische Energie aus den unerschöpflichen seelischen Quellen frei, son-

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dem auch die Verwurzelung im innersten Wesen ge­ festigt Man lebt nicht mehr durch die äusseren Reize und Aufgaben, sondern durch und mit dem inneren Selbst. Wenn man diese ursprüngliche Einheit mit dem inneren Wesen einmal erfahren hat, wird eine grundsätz­ liche Wandlung durch eine neue Einstellung angestrebt. Man spürt die Forderungen zu einem neuen Stand und einem neuen Start. Diese Umkehr findet am Talpunkt statt und beginnt mit dem Fallenlassen alles Gewordenen, mit der Aufgabe alles Gewohnten und Vertrauten, um frei zu werden für das Neue, das da werden will. Das bedeutet oftmals eine ungewöhnliche Forderung für den Menschen, der an Besitz und Leistungsfreuden hängt. Und doch hängt das Neuwerden von der Erfüllung dieser inneren Umkehr oder Kehrtwendung ab. Diese Wandlung hat mit den »Stirb-und-Werde-Prozcssen« zu tun, die sich in grösse­ rem und kleinerem Masse an jedem Talpunkt im Häuserrad vollziehen und durchgemacht werden müs­ sen. Natürlich besteht ein gradueller Unterschied, ob es sich dabei um den Talpunkt in einem kardinalen, fixen oder in einem veränderlichen Haus handelt.

In den kardinalen Häusern wird am Talpunkt die Impulskraft festgehalten und nach innen geleitet. Die Aktivität kann zum Selbstzweck kompensativ überstei­ gert werden, bleibt aber ohne bestätigende Resultate, was zu verzweifelten Depressionen und widerspensti­ gen Ausbruchsversuchen führen kann. In den fixen Häusern wird der Talpunkt durch ein 194

Gefühl der Verunsicherung vorwiegend ein starres Fest­ halten an den vorhandenen Zuständen, Gewohnheiten und Besitztümern bringen, was zur Starre und Uneinsichtigkeit führen kann und meistens Isolation zur Folge hat.

In den veränderlichen Häusern wird die Umkeh­ rung und Neuwerdung weniger Schwierigkeiten berei­ ten. Dort wird man sich diesen verwandelnden Kräften aus dem eigenen Innern bewusster aufschliessen. Neuen Zielen zuzustreben fällt viel leichter, da die Bereitschaft, statische Zustände hinter sich zu lassen, den veränder­ lichen Häusern entspricht. In allen Häusern aber können Planetenstellungen am Talpunkt empfindlichen Druck auf das Selbstbewusst­ sein ausüben, da in jedem Falle äussere Bestätigung durch die Umwelt weitgehend fehlt

Beispiel: Nehmen wir eine Sonnenstellung am Talpunkt eines Hauses, aber auf 12 Grad eines Zeichens, also am inten­ sivsten Punkt im Zeichen und am schwächsten Punkt im Haus. Das Selbstbewusstsein ist von einer starken Potenz, weil es mitten im Zeichen steht, hat aber keine Möglichkeit ein Echo im Leben zu finden, weil es sich nach aussen gar nicht richtig zeigen kann. Meistens will die Umgebung eines solchen Menschen nichts von seinem Selbstbewusstsein wissen - es wird

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auf ihm »herumgetrampelt«. Die Umwelt sagt: »Du bist zu egoistisch«, »Du musst bescheiden sein und nichts machen, was die anderen Menschen belastet oder auf­ regt«, »Du wirst es nie zu etwas bringen, wirst niemals etwas schaffen«, etc. So etwa kann sich eine Sonne am Talpunkt im Leben zeigen (repressive Erziehung). Die innere Potenz ist zwar stark, die äusseren Anwendungsmöglichkeiten aber sind offensichtlich nicht gegeben. Das führt zu einer Stauung der dynamischen Lebens­ energien. Die Energie des Selbstbewusstseins, der Drang nach Selbstverwirklichung, kann nicht nach aussen weiterflicssen; sie wird zurückgehalten. Das ruft Depres­ sionen hervor, Minderwertigkeitsgefühle oder das stän­ dige Gefühl, versagt zu haben. Man fühlt sich verkannt und in seinem defsten Innern nicht angenommen, un­ verstanden und einsam. In manchen Fällen kann dies auch zu überkompensativen Ausbruchsversuchen füh­ ren. Die einzige Möglichkeit, mit diesen »gestauten Kräf­ ten« etwas anzufangen, ist die Innenwendung. Alle Kräf­ te dieser Planeten, die an einem Talpunkt stehen, ziehen sich ins eigene Innere zurück und kommen durch diese »Nachinnenstülpung« mit den innersten Wesenskräften in Berührung, wie bereits eingehend erläutert wurde. Dadurch können die Planeten oder Wesenskräfte an Tal­ punkten zu Quellen geistiger Kraft werden. Auf diese Weise wird man auch entschädigt für das Versagen, sich als Persönlichkeit durchzusetzen oder uneingeschränkte äussere Macht zu haben. Auch hier gilt die Regel: Steht ein Planet vor dem Tal­ punkt, dann unterliegt er stark den Beharrungs- und Stagnationskräften. Er resigniert leicht und sperrt sich

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gegen die Talpunkt-Erfahrung. Er kann sich schwer von selbst aktivieren und verändern. Steht ein Planet nach dem Talpunkt, dann kommt er schon in den Einzugs­ bereich der folgenden Häuserspitze und kann sich aus den zurückhaltenden Kräften leichter lösen und durch Erkenntnisprozesse des veränderlichen Bereiches vor der Achse neue Wege der Entfaltung finden. Er wird »innere Werte« eher als Massstab akzeptieren können.

Die Berechnung der Talpunkte in den Häusern Auf der übernächsten Seite finden wir die AP-TP-IPTabelle, mittels welcher man den Talpunkt sowie den Invertpunkt und die Wanderung des Alterspunktes errechnen kann1 Die zuerst zu berechnende Hausgrösse eines individuellen Hauses wird in der hervorgehobenen Kolonne »Hausgrösse« aufgcsucht.

1. Beispiel: 1. Haus In unserem Beispielhoroskop auf S. 16 haben wir den Aszendenten mit 7° Löwe und die 2. Häuserspitze mit 1° Jungfrau. Wir nehmen nur die abgerundeten Grade und errechnen die Zahl der dazwischenliegenden Grade: Von 7° bis 30° fehlen 23° und bis zur Spitze 1°

das gibt zusammen 24°

Diese 24° suchen wir in der Rubrik »Hausgrösse« auf unserer Tabelle. Bei 24° finden wir (waagr. in der 4. Rub.) 1) Lebensuhr

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die Talpunkt-Zahl dieser Hausgrösse mit 14° 50’ Diese Gradzahl addieren wir mit 7° 06’ dem Aszendenten (AC): Der Talpunkt ist dann 21° 56’ Löwe Diese Stelle können wir am äusseren Rand des Horo­ skopes mit einem kleinen grünen Strich bezeichnen. In dieser Weise verfahren wir mit all den anderen Häusern auch, so dass wir bei allen 12 Häusern die Talpunktstelle sofort erkennen. (Es gibt einen Winkelmesser, mit dem man diese Stelle sofort ermitteln kann = ReduktionsZirkel)

2. Beispiel: 10. Haus Der MC (die 10. Häuserspitze) befindet sich auf 20° Widder. Die 11. Spitze auf 10° Zwillinge. Wir haben eine Hausgrössc von: 30° + 10° + 10° = 50° vom Stier vom Widder von den Zwillingen Die 50° suchen wir wieder in der Tabelle im mittleren dickeren Balken und finden unter der Rubrik »Tal­ punkt« die Zahl 30° 54’, die wir zum MC 20° addieren und dann die Zahl 50° 54’ erhalten. Da unsere Tierkreiszeichen nur 30° gross sind, dürfen wir 30° davon abziehen, das gibt: 20° 54’ Stier.

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AP-TP-IP-Tabelle

Beispiel: Aus dem Musterhoroskop MC 20°00’ Widder Aus der Talpunkt-Tabelle + Talpunkt 30°45’ 50°45’ 30°00’ Talpunkt im 10. Haus Sonnenstand im Beispielhoroskop

20°45’ Stier 19°15’ Stier

Die Sonne steht also 1° vor dein Talpunkt, weshalb wir hier von einer Tal- oder Totpunkt Sonne sprechen können. Bei der Berechnung der »Invertpunkte« verfahren wir in der gleichen Weise, nur in der Zählrichtung umgekehrt.

Die drei Bereiche in jedem Haus nach den Kreuzqualitäten kardinal - fix - veränderlich Natürlich wirken diese drei Punkte nicht nur als Punkte, sondern auch räumlich. So haben wir mit den drei Punk­ ten - »Haus-Spitze, Invert- und Talpunkt« - auch in je­ dem Haus drei verschiedene Bereiche entsprechend den drei motivierenden Kreuzqualitäten.

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Die impulsgebende Kraft des kardinalen Kreuzes ent­ spricht dem Bereich ab Spitze bis zum »Invertpunkt« eines Hauses; die fixierende und formgebende Phase des fixen Kreuzes liegt im Bereich »Invertpunkt« bis Tal­ punkt. Vom »Talpunkt« bis zur nächsten Haus-Spitze haben wir den Bereich, der dem Erkennen und Neube­ ginnen des veränderlichen Kreuzes entspricht Dadurch erklärt sich der »Krisenmechanismus« der ein­ zelnen Punkte, der jeweils eine andere Kreuzqualität ein­ leitet und eine neue Einstellung auf diese Energien ver­ langt. Bei der Häuserspitze vollzieht sich die Änderung darin, dass man vom Optimum, vom Gipfel, wieder hinunter­ steigen muss und die Energien reduziert werden auf das richtige Mass. Am »Invertpunkt« wird eine lebensfähige Form geschaffen, die im fixen Bereich stabilisiert und gefestigt wird. Dabei darf diese Form nicht in einen kristallisierten Zustand übergehen; sie muss lebensfähig erhalten bleiben. Beim Talpunkt kommen nicht nur die

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Kräfte zur Ruhe und Entspannung, sondern es ist ein Punkt der Besinnung und der Umkehr. Man gelangt vom fixen Bereich in den veränderlichen, in dem ein neuer Abschnitt beginnt, der die Überwindung der zu­ rückhaltenden Kräfte der fixen Zone verlangt. Das führt dann zur nächsten Spitze mit einer vollständigen Neu­ orientierung. Die Bereiche zwischen diesen drei Punkten entsprechen den drei Kreuzqualitäten und können etwa wie folgt gesehen werden:

Häuserspitze bis Invertpunkt Kardinal Leistung Energie Anspannung Ausführung Schaffensprozessc

bis Talpunkt

bis Häuserspitze

Fix Konzentration Form Sammlung Festigung Verwertung

Veränderlich Entspannung Gedanke Kühe Planung Ideenbildung

Diese Liste dient nur zur Anregung und kann beliebig erweitert werden. Es ist naheliegend, dass die drei verschiedenen Bereiche eines Hauses eine andere Bedeutung erhalten, wenn sie in einem kardinalen, fixen oder veränderlichen Haus wirk­ sam werden. In jedem Haus werden sie durch die be­ stimmte Hausthematik etwas anders modifiziert. Ein »Talpunkt« in einem fixen Haus wird sich typischer in der Beharrungstendenz äussern als in einem veränder­ lichen Haus, wo er weniger zur Wirkung kommt. Auch

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wird der »Invertpunkt« in einem kardinalen Haus anders ausfallen als in einem veränderlichen, und eine Häuser­ spitze ist in einem kardinalen Haus stärker wirksam als in einem anderen usw. In der Folge haben wir eine Unterteilung der 12 Häuser in je drei Bereiche, die zusammen 12 x 3 = 36 verschie­ dene Möglichkeiten der Kombination ergeben, was eine sehr differenzierte Beurteilung menschlicher Verhaltens­ weisen zulässt.

Die dreiphasigen Entwicklungsprozesse im Horoskop Noch einen anderen Ablauf der drei Kreuzqualitäten wollen wir hier kurz beschreiben nach der Formel »Gedanke, Energie, Form«. Im veränderlichen Kreuz bildet sich die Idee (Gedanke) Im kardinalen Kreuz kommt der Impuls, etwas daraus zu machen (Energie) Im fixen Kreuz wird ihr eine beständige Form gegeben (Form) Diesen Prozess wollen wir Beispiels verständlich machen:

anhand

eines

praktischen

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Beispiel: Man denke sich einen Töpfer, der eine Vase formt. Er nimmt Ton, feucht und nass, den er zu formen beginnt. Dieser Formungsprozess wird mit der Vitalenergie be­ sorgt, die in den kardinalen Häusern angezeigt ist. Wenn er damit fertig ist, wird er zufrieden sein. Er hat etwas ge­ schaffen, er hat die perfekte Darstellung dessen erreicht, was er wollte. Dann lässt er die Form eine Weile antrocknen und gibt sie in den Brennofen. Dieser Brenn­ ofen macht sie hart und stabil. Der Ton zieht sich zusam­ men, weil das Wasser entweicht. Solange das nicht ge­ schieht, wird sich die Form unter Feuchtigkeitseinfluss noch verformen können, auch unter zu starken Reibun­ gen oder mechanischen Einwirkungen. Nach dem Bren­ nen ist sie hart und stabil und viel weniger anfällig für zerstörende, d h. negativ formende Prozesse. Diese Funk­ tion haben wir in den fixen Häusern. Jede geschaffene und gefestigte Form wird zu einem Zweck benützt. Man geniesst sie eine Weile, man kommt in den Genuss der Sache. Eines Tages hat man vielleicht das Gefühl: »So perfekt ist das gar nicht. Da ist ein kleiner Fehler, dort gibt es etwas, was nicht meiner Vorstellung entspricht«. Vielleicht gefällt mir auch das Äussere, das Ästhetische, die Erscheinung nicht mehr. Ich fange an nachzudenken, wie es besser gemacht werden könnte. Solche Gedanken pflegt man im Erkenntnisraum, in den veränderlichen Häusern. Man überlegt sich, indem man

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zuerst gegenüber dem Vorhandenen kritisch wird, ob man nicht etwas Besseres machen könnte. Und dann kommt man auf neue Ideen. Haben sich diese verdichtet, ist man schon an der nächsten Hauptachse angelangt, in den kardinalen Häusern. Hier kommt der Impuls, etwas Neues aus diesen Ideen zu schaffen, die dann im fixen Kreuz wiederum ihre Form und Festigkeit erlangen. An diesem Beispiel wird der tiefere Sinn des Häuser­ systems sichtbar, dass nämlich durch diesen Kreislauf die ewigen Wandlungen des Lebens, die Entwicklungen und Reifungen des Menschen garantiert werden. Denselben Ablauf können wir im ganzen Häusersystem in einer viermaligen Abfolge feststellen. Zum besseren Einprägen wählen wir eine »Kurzform«: Im 1 . Haus kommt der Impuls, etwas zu schaffen, das dem ICH dient. Im 2. Haus wird etwas in Besitz genommen, die entsprechende Form ge­ schaffen und gefestigt. Im 3. Haus lernt man die Gemeinschaft kennen und lernt von ihr einiges dazu. Im 4. Haus macht man sich in der Gemeinschaft heimisch. Im 5. Haus geniesst man Beziehungen, um sich selbst zu erleben. Im 6. Haus will man es noch besser machen, weil man seine Schwächen erkennt Im 7. Haus kommt der Impuls, sich mit dem DU zu verbinden. Im 8. Haus erlebt man die Partnerschaft als Teil einer Gesellschaftsstruktur, die alles regelt und schützt, und man nimmt die Pflichten wahr. Im 9. Haus strebt man nach Freiheit und entwickelt entsprechende Ideen. Im 10. Haus ist man seiner selbst sicher und will andere leiten und führen. Im 11. Haus sucht man Gleichgesinnte und macht sie zu Freunden. Im 1 2 . Haus muss man Abschied nehmen, sich von allem lösen, um eine ganz neue Einstellung zu gewinnen.

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Durch diesen dreiphasigen Prozess läuft alles, was lebt. Überall, wo ein Schaffensprozess im Gange ist, sei es im geistigen, seelischen oder materiellen Bereich, immer wird zuerst ein Impuls auftreten, der zum Schaffen an­ regt, danach folgt die Fixierung, und schliesslich kommt man als Ergebnis in den Genuss des Geschaffenen. Da­ nach hat man die Erkenntnis, dass man eigentlich noch etwas Besseres schaffen könnte, womit dann der ganze Prozess wieder von vorne beginnt. Alles, was der Mensch macht, unterliegt diesem Rhyth­ mus: Schaffen, Bewahren, Auswerten, Geniessen, dann Kriti­ sieren, Neuausdenken und wieder neu schaffen. Alle Kulturen, menschliche Verhaltensweisen, mensch­ liche Werke und menschliche Beziehungen, alles geht immer durch diesen Prozess, und zwar in dieser Abfolge. In Wirklichkeit ist es die dem Schöpfungsgeschehen selbst zugrunde liegende Evolutions- oder dynamische Entwicklungskraft

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Psychologische Horoskopdeutung

Praktische Anwendung und Deutung am Beispielhoroskop Als Abschluss werden wir anhand des Beispielhoroskopes Sonne- und Mondstellung sowie einige weitere Häusereinflüsse besprechen, die mit der Entwicklung des Selbstbewusstseins und der Themenstellung des 4. Qua­ dranten Zusammenhängen. Sie finden das Beispielhoroskop auf Seite 16, es wurde nach einem fiktiven Datum berechnet, gehört also zu keiner Person. Wenn wir dieses Horoskop betrachten, sehen wir sofort, dass nur eine Hälfte von Planeten besetzt ist. Die Opposi­ tion auf der Achse 3/9 schliesst den DU-Raum ab; die Häuser 4 bis 8 werden also nicht als wesentliche Interessensgebiete für die Persönlichkeits-Entfaltung ins Ge­ wicht fallen. Diese Opposition wirkt gleichzeitig wie eine Sperrung oder ein Filter und lässt nur die Menschen heran, die den idealen Vorstellungen der Neptun- und Mondstellung und des 4. Quadranten entsprechen. Die hauptsächliche Verteilung der Planeten befindet sich im 4. Quadranten, dem Seins-Quadranten, der die Selbst­ verwirklichung und bewusste ICH-Gestaltung anstrebt

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und sich immer nach den inneren Idealen ausrichtet. Die Opposition auf der Denkachse hält die anderen Funk­ tionsorgane, Wesenskräfte (Planeten), zurück, was auf eine introvertierte Bewusstseinslage schliessen lässt. Dieser Mensch ist mehr an geistigen Dingen interessiert. Die Ansammlung der Planeten um die 11. Häuserspitze deutet auf humanitäre Bestrebungen, fortschrittliche Ge­ sinnung und ein ideales Bild vom Menschen, dem alles andere untergeordnet wird. Auch die Sonne, die in dem auf materielle Genüsse an­ sprechenden Erdzeichen Stier steht, wird am Talpunkt festgehalten und spielt durch die fast losgelöste Stellung vom gesamten Aspektbild aus gesehen - eine unterge­ ordnete Rolle; sie kann aber gerade deshalb zum Pro­ blem werden. Losgelöste Planeten wirken häufig als »autonomer Mechanismus«, wenn sie in ihrer Funktions­ weise nicht erkannt werden. Da die Sonne das zentrale Organ für das Selbstbewusstsein darstellt, wollen wir diese genauer untersuchen: Die Sonne steht also in unserem Beispielhoroskop am Talpunkt des 10. Hauses im Zeichen Stier. Aus den bisherigen Ausführungen wissen wir, was die Sonne im 10. Haus bedeutet: Sie will eine selbstbewusste Persönlichkeit sein und will von allen als solchc aner­ kannt werden. Sie strebt nach einer Stellung in der Welt, die ihr die Möglichkeit zu wirken geben soll. Die Sonne am »Talpunkt« (Goldschnittpunkt) wird aber

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damit nicht durchkommen. Die äusseren Möglichkeiten sind nicht gegeben; das Selbstbewusstsein kann sich nicht demonstrativ nach aussen zeigen. Dieser Mensch lebt mehr nach innen und wird vom weltlichen Leistungsmassstab falsch eingeschätzt und in seiner inneren Wesensart leicht verkannt. Dazu kommt noch, dass die Sonne nur ganz schwach am Aspektbild über den »Tole­ ranzaspekt« zum Mond angehängt ist. Also auch vom Bewusstsein, vom »inneren Schaltplan« her, kann die Sonne nicht aktiviert werden. Rein physisch kann auf eine anfällige Konstitution geschlossen werden. Vom psychologischen Standpunkt aus ergibt die Unverbun­ denheit mit dem Aspektbild die Gefahr, von der Um­ welt beeinflusst oder gesteuert zu werden, jedenfalls in jungen Jahren und so lange, bis der innere Entwicklungs­ weg erkannt wird. Die Umwelt verlangt von einer »10. Haus-Sonne« eine persönliche Haltung, ein individuelles Format. Die Stel­ lung oben im Individualraum deutet auf ein Streben nach oben, der Talpunkt auf die Entwicklung innerer, menschlicher Werte. Das Format, das hier gefunden werden muss, ist vorwiegend von der Entfaltung innerer Werte und der eigenen Wesens-Substanz abhängig. Dieser Mensch wird ehrgeizige Ziele und persönliches Geltungsstreben zugunsten innerer Reifung aufgeben müssen. Obwohl das Zeichen Stier, in dem die Sonne steht, das Selbstbewusstsein an Werten, am Besitz von materiellen oder geistigen Fähigkeiten oder am eigenen Können

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misst, wird hier vom Leben verlangt, auf materielle Er­ folge zu verzichten und sich auf geistige, innere Werte auszurichten. Das Zeichen Stier befindet sich in einer ähnlichen Lage wie der Sonnenstand: es ist »eingeschlos­ sen«, d. h., es hat keine Häuserspitzen. Wie wir uns erin­ nern, werden die Energien eines Zeichens durch die Häuserspitzen ins praktische Leben umgesetzt. Die Ten­ denz des Zeichens Stier, Substanz anzureichern, kann in diesem Falle weniger im äusseren Leben als vielmehr im inneren Bereich verwirklicht werden. Diese innere Ent­ wicklung muss aber erst erkannt und akzeptiert werden. Durch die losgelöste Sonnenstellung wird dieser Mensch zunächst durch die Umwelt, das eigene Milieu, beein­ flusst und angespornt, etwas in der Welt zu werden, über die Masse durch besonderen Status herauszuragen (10. Haus). Er wird sicherlich alles Mögliche versuchen, um dieser Forderung, die hier von den Eltern kommt (Sonne und Saturn oben im Horoskop), nachzukommen. Aber es wird ihm nur bis zu einem gewissen Grad gelingen. Die Eltern erwarteten zwar etwas Besonderes von ihm, machten aber gleichzeitig den Fehler, das Selbstbewusst­ sein zu unterdrücken. Sie projizierten die eigenen Wunschbilder, etwas in der Welt zu erreichen, in das Kind hinein. Doch dieses konnte sie nicht erfüllen, weil sie nicht seinen natürlichen Anlagen entsprechen. Es wäre hier für Eltern und Erzieher besonders wichtig, die wirklichen Fähigkeiten des Kindes zu erkennen und zu fördern und die bewusste oder unbewusste Forderung nach einer besonderen Karriere aufzugeben.

210

Gelingt dies nicht und wird die Forderung aufrechter­ halten, dann können sich ernsthafte innere Krisen und im äusseren Leben berufliche Schwierigkeiten ergeben (10. Haus: Berufshaus). Die vitalen Sonnenenergien sind nach innen gerichtet. Wenn sie von aussen überfordert werden, dann »laufen sie sich tot«, werden gestaut und können erlahmen. Dies führt bei zu starken äusseren Drucksituationen zu Überkompensationen, wobei der Pluto am Aszendenten als Ersatz für das Selbstbewusst­ sein durch ein demonstratives Imponiergehabe (Löwe) herangezogen wird. Da der Pluto aber noch vor dem Aszendenten, also auf der passiven 12.-Haus-Seite steht, kann auch er damit auf lange Sicht nicht durchkommen. Daraus können sich Minderwertigkeits- und im Wechsel damit Superioritätsgefühle entwickeln mit der Vorstel­ lung, etwas Besonderes zu sein und von allen anderen verkannt zu werden. Bei ständigem Versagen dieses Ver­ haltens kann es zu Schuldgefühlen kommen mit ent­ sprechenden Depressionen, die eine harmonische Ent­ wicklung erschweren oder sogar unmöglichen machen. Entscheidend ist hier, ob die Eltern die wirklichen Anla­ gen erkennen und sie zu fördern wissen. Die Betrachtung des Mondes ist nun wichtig. Dieser steht ja auf der 9. Häuserspitze und kann sich deshalb nach aussen hin entwickeln. Er wird bei der Umwelt an­ kommen, wird akzeptiert. Hier liegt eine entwicklungs­ fähige Möglichkeit zur Selbstentfaltung. In Kombination mit der Sonne erkennen wir, dass sich dieser Mensch im Leben mehr im Selbstgefühl (Mond)

211

und weniger im Selbstbewusstsein (Sonne) verwirk­ lichen kann. Die Selbstwerdung, die Individualisierung, kann deshalb kaum über die Sonne, sondern muss vor­ wiegend über den Mond erfolgen. Praktisch gesprochen geht es darum, keine ehrgeizigen, materiellen Ziele anzu­ streben, sondern eine mehr helfende und dienende Auf­ gabe, entsprechend dem Fische-Mond und den humani­ tären Idealen im Seins-Quadranten. Ein wesentlicher Faktor dabei ist auch, dass die 9. Häuser­ spitze ein veränderliches Haus einleitet und der Mond ebenfalls in einem veränderlichen Zeichen (Fische) steht: die Zusammenwirkung von Haus und Zeichen ist daher gegeben. Anlage und äussere Lebenssituation stimmen überein. Das 9. Haus verlangt eigene Denkprozesse; durch eigenes Nachdenken muss der Sinn der vorhandenen Problema­ tik erkannt und die innere Zielsetzung gefunden werden. Das hingebungsvolle Zeichen Fische jedoch fügt sich in die gegebenen Umstände willig ein, und der Mond passt sich instinktiv an. Die Mondstellung deutet darauf hin, dass das eigene Denken sich in einem gefühlshaften Erfassen der Wahrheit zeigen wird, und dass dieses durch Auseinan­ dersetzungen mit dem Kollektiv-Denken bewusstge­ macht werden kann. Die Opposition auf der Denkachse vom Mond zum Neptun erschwert es ausserordentlich, sich gegen die kollektiv-geprägten Ideale durchzusetzen. Enttäuschungen, Zweifel an sich und der Welt, Angst vor der öffentlichen Meinung, vor dem, was die anderen

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sagen und vor allem davor, dass die eigenen Ideale ge­ schmäht, missachtet oder falsch eingeschätzt werden, müssen erlebt und durchgemacht werden, bevor sie geistig verarbeitet und zu eigenen Erkenntnissen ausrei­ fen können. Der Mond steht in diesem Horoskop am weitesten im DU-Raum. Als Kontaktplanet und durch das Zeichen Fische lässt er vorwiegend auf ein Bedürfnis nach Liebe und Verstehen schliessen. Der Mond wird von der Um­ welt durch seine Rechtsstellung stark »strapaziert«. Im Zeichen Fische ist er anfällig und empfindsam, abwar­ tend und hinnehmend. Er lässt sich leicht beeinflussen und ist dem DU und seinen Beurteilungen ausgesetzt. Deshalb will sich dieser Mensch der Umwelt anpassen, liebevoll und gutgläubig das tun, was man von ihm ver­ langt. Aus diesem »Gutseinwollen« wird auch eine Philo­ sophie gemacht (9. Spitze). Die Opposition auf der Denkachse 3/9 vom Mond zum Neptun deutet auf ein akutes Denkproblem, dessen Lösung auf der 12/6-Achse, der Existenzachse, zu suchen ist. Die Ausrichtung auf innere geistige Werte und die idealisierende Neigung sowie der Anpassungswunsch des Mondes müssen konstruktiv im Lebenskampf eingesetzt und verwertet werden, damit zwischen Wirklichkeit und Ideal keine Kluft entsteht, die in eine »illusionäre Welt«, in Isolation und Einsamkeit führen könnte; daran würde dieser Mensch mit seinem Kontakt- und Liebesbedürfnis sehr leiden. Die besonderen Fähigkeiten und damit die Problem­

213

lösung liegen in einer dienenden und heilenden Aufgabe, die bei der Berufswahl berücksichtigt werden sollte. Der »dritte Pol« bei der vorhandenen Achsen-Problematik liegt auf der Existenzachse und bietet auf der 12. Häuserspitze mit der Marsstellung im Zeichen Krebs einen hel­ fenden Beruf an, besonders in Spitälern und Heimen. Hier käme in einem Frauenhoroskop der Beruf einer Krankenschwester, in einem Männerhoroskop die Ar­ beit mit geschädigten Kindern in Frage. Die soziale und helfende Tendenz wird zudem durch den Stand der Venus bestätigt. Auch sie steht im 9. Haus und dazu am »Invertpunkt«, der den besten Weg anzeigt, wie die eigenen Produktivkräfte aufzuschliessen und im Leben erfolgreich einzusetzen sind. Am »Invertpunkt« stehen auch Mondknoten und Jupiter. Zusammenfassend kann man sagen, dass Selbstwerdung und Individualisierung, die durch die Sonnenstellung im Seins-Quadranten und die Planetenansammlung in die­ sem Raum, durch den Mond auf der 9. Spitze und den Aszendenten Löwe als Notwendigkeit angezeigt sind, am besten durch eine Aufgabe für den Mitmenschen er­ reicht werden. Solch ein Wirken wird zu jenem inneren Selbstbewusstsein führen, das unabhängig von der Mei­ nung anderer bestehen kann und mit Sicherheit und Entschlossenheit seiner wahren Berufung nachlebt. Auf solche Weise kann dieser Mensch für viele eine Quelle der Kraft und eine innere Stütze sein, was für ihn die schönste Selbsterfüllung sein wird. Wir sehen also, wie ein Horoskop in der einen Stellung

214

eine Schwäche aufweist und gleichzeitig in anderen Stel­ lungen Lösungsmöglichkeiten anbietet. Das Wissen um diese Möglichkeiten setzt den Menschen in die Lage, mit seinen Problemen fertigzuwerden und Schwierigkeiten oder Umwege in seiner Entwicklung zu vermeiden. Das Horoskop wird dadurch zu einem wertvollen therapeu­ tischen Mittel: es zeigt uns gangbare Wege zur Selbster­ kenntnis und Selbstentfaltung. Natürlich wurde bei diesem Deutungs-Beispiel noch nichts Näheres über die einzelnen Planeten- und Zeicheneinflüsse gesagt. Über diese werden wir in der Reihe »ASTROLOGISCHE PSYCHOLOGIE« im Lau­ fe der Zeit ein weiteres Buch herausbringen, ebenso über die Aspektstrukturen. Erst dann ist ein vollständiges Gut­ achten über alle Einzelheiten und psychologischen Fein­ heiten des Charakters möglich. Hier haben wir uns auf die in diesem Buch behandelten Themen beschränkt, um Ihnen zu zeigen, wie man das Häusersystem in der Praxis an wendet. Wie Sie gesehen haben, können bereits daraus wesentliche verhaltenspsychologische Faktoren abge­ leitet werden, die beispielsweise bei der Berufswahl wichtig sind. Der Mensch findet sich selbst, wenn er sich seines Lebensraumes bewusst wird.

215

Das Häusersystem des Geburtsortes

von Dr. Walter A. Koch

LEBENSERHALTENDE FUNKTIONEN

Trieb-Instinkt = Leistungen

ROLLEN des ICH Interessen + Motivationen

PERSÖNLICH­ KEIT (EGO)

GEISTIGES WACHSTUM

ASPIRATIONEN

Spirituelle Ebene Überbewusster Raum

Persönliche Ebene Tag-Bewusstsein

Kreatürliche Ebene Unterbewusster Raum

AUFSCHLIESSBARER BEREICH

Geniessen

männlich Geist Vater Brahma

neutral Bewusstsein Sohn Vishnu

Materie Heiliger Geist Shiva

Leistung Aktivität Mann Potenz

MOTORIK

Durchsetzen

weiblich

Bewertung Wahrnehmung

SENSORIK

Denkkraft strahlen autonom

Mensch Empfänglichkeit

Formulierung Information

Lernen KOMBINATORIK

Vitalität wachsen VATER

Assimilierung Selektion Frau Fruchtbarkeit

AESTHETIK

Sympathie öffnen ambivalent

MENTALITÄT

Selbst - Bewusstsein

GEMÜT

Du - Bewusstsein

Erschaffen

KÖRPER

Sensitivität lernen KIND

IMAGO

Magier METAMORPHOSE Ideal des vollkommenen Menschen

VATER

GEISTIGER WILLE

Selbst - Vertrauen

Dienen

IMAGO

Ordnen

KIND

Mystiker MEDIALITÄT Ideal der bedingungslosen Liebe

Sicherheit schliessen heteronom

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ALL - LIEBE (CHRISTOS)

Okkultist METHODIK Ideal der perfekten Welt

Immunität haushalten MUTTER

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